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Lehre attraktiver als Studium?

Kiel Lehre attraktiver als Studium?

In Schleswig-Holstein machen immer mehr junge Menschen Abitur und studieren, während in den Betrieben Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben und Fachkräfte fehlen. Vor diesem Hintergrund haben Regierung, IHK und Handwerk am Dienstag eine Werbekampagne für die duale Ausbildung gestartet. Motto: Auch ohne Studium ist Karriere möglich.

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Angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels starteten Politik und Wirtschaft in Schleswig-Holstein am Dienstag in Kiel eine gemeinsame Informationsoffensive über die Vorzüge der dualen Ausbildung. Sie sei ein Erfolgsmodell, betonte Bildungsministerin Britta Ernst.

Quelle: Frank Peter

Kiel. „Die duale Ausbildung ist ein Erfolgsmodell“, sagte Schulministerin Britta Ernst (SPD). Viele junge Menschen wüssten nicht, dass sie im Zuge einer Ausbildung auch einen höheren Schulabschluss machen könnten. „Eine Ausbildung bietet unglaubliche Karrieremöglichkeiten“ , betonte Ernst. Sie hatte nach einer dualen Ausbildung zur Kauffrau in der Grundstücks- und Wohnungswirtschaft in Hamburg Sozialökonomie studiert.

Die Werbetrommel für eine Ausbildung rührte auch Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD). Der Diplom-Politologe (Nebenfächer Geschichte und Volkswirtschaft) erinnerte an den wachsenden Fachkräftemangel. In 15 Jahren würden in Schleswig-Holstein insgesamt 97000 Fachkräfte fehlen, davon 12000 mit einem Hochschul- und 85000 mit einem Berufsabschluss. „Diese Lücke müssen wir in den nächsten Jahren schließen.“

Bei der Wirtschaft liefen die Minister offene Türen ein. „Wir kämpfen um das Überleben vieler Betriebe“, erklärte der Präsident der IHK zu Kiel, Klaus-Hinrich Vater. Er erinnerte an den jahrelangen „Akademisierungswahn“ und die gut gemeinte Fehlberatung vieler Eltern: „Mach mal Abi und geh studieren, damit was aus Dir wird“, sagte Vater, der an der FH Kiel Nachrichtentechnik studierte. Deutlicher wurde der Präsident der Handwerkskammer Flensburg, Bernd Eichner. „Ein Studium ist keine Garantie mehr für ein auskömmliches Leben“, meinte der Mauermeister, der sein Architekturstudium nach einigen Semestern an den Nagel gehängt hatte.

Im Zuge der Kampagne will die Regierung mit Video-Clips in sozialen Netzwerken junge Menschen für eine Ausbildung begeistern, auch solche mit Hochschulreife. In Schleswig-Holstein macht inzwischen schon fast ein Drittel eines Jahrgangs Abitur. Rückendeckung kam von der Arbeitsagentur. Sie erinnerte daran, dass es bereits heute in einigen Bereichen wie etwa bei Altenpflegern oder Sanitär- und Heizungstechnikern deutlich mehr offene Stellen als arbeitslose Fachkräfte gibt.

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Ein Artikel von
Ulf B. Christen
Landeshaus-Korrespondent