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Wenig Hoffnung auf schnelle Einigung

Post-Streiks im Norden Wenig Hoffnung auf schnelle Einigung

Die Fronten im Tarifkonflikt bei der Deutschen Post sind verhärtet. Seit Montagnachmittag streiken die Beschäftigten – erstmals ist ihr Ausstand unbefristet. Eine rasche Einigung ist wohl unwahrscheinlich. Umso kämpferischer ist die Stimmung auch unter den Streikenden im Norden: „Es geht darum, wie in Zukunft bei der Post gearbeitet wird“, sagt Malte Wegner.

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Diese Post-Beschäftigten haben ihre Arbeit niedergelegt: Sara Multhaup, Matthias Pietsch, Malte Wegner und Franz Kuncl (v. li.) kämpfen unter anderem gegen die Ausgliederung der Paketzustellung in nicht an den Haustarif gebundene Tochterfirmen.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Der 34-Jährige ist seit 18 Jahren Briefzusteller im Kieler Zentrum und Vertrauensmann bei der Gewerkschaft Verdi. Mit einer Handvoll Mitstreitern hat er den Streikposten vor dem Briefzentrum in Kiel-Wellsee bezogen.

 Rund 140 Beschäftigte haben hier ihre Arbeit niedergelegt. Jede Woche sortieren sie ungefähr 6,3 Millionen Briefe. Die bleiben jetzt größtenteils liegen. Rund 40 Prozent der Belegschaft in der Niederlassung Kiel-Wellsee ist verbeamtet und darf somit nicht in den Ausstand gehen. Landesweit beteiligten sich laut Verdi bereits vorgestern gut 370 Beschäftigte am Streik. Damit seien fast 80 Prozent der Mitarbeiter dem Aufruf gefolgt. Wegner hat Verständnis dafür, dass Kollegen mit befristeten Verträgen dennoch zur Arbeit gehen: „Wir hier draußen machen uns auch stark für diejenigen, die sich nicht trauen, den Mund aufzumachen.“

 Gewerkschaftssekretär Matthias Pietsch (46) spricht daher auch von einer „neuen Qualität“ in der Auseinandersetzung mit dem gelben Riesen. Jahrzehntelang habe die Sozialpartnerschaft mit der Post gut funktioniert. Doch in letzter Zeit würden Mitarbeiter eingeschüchtert und unbegründete Abmahnungen erteilt. „Der Druck, den der Vorstand im Unternehmen vorgibt, wird nach unten durchgereicht“, sagt er. Er ärgert sich über die „Propagandaoffensive“ des Arbeitgebers: In den Niederlassungen seien Bildschirme installiert worden, auf denen Parolen wie „Wir lieben Betriebsräte und Tarifverträge“ gezeigt werden. Gleichzeitig arbeiteten etwa in Neumünsters Paketzentrum schon jetzt bis zu 50 Beschäftigte pro Schicht, die bei einer Werkvertragsfirma angestellt seien und schlechter verdienten. Für den Gewerkschafter steht fest: „Der Konzern verliert massiv an Glaubwürdigkeit.“

 Knackpunkt im Arbeitskampf ist die Ausgründung von 49 regionalen Gesellschaften für die Paketzustellung. Verdi sieht darin einen Bruch früherer Vereinbarungen. Denn die Post zahlt in diesen Tochterfirmen nicht nach ihrem Haustarif, sondern nach den Tarifverträgen der Logistikbranche. Bundesweit arbeiten in den Zustellgesellschaften bereits mehr als 6000 Paketboten. In Kiel hat die Tochter DHL Delivery ihren Sitz im Eichkamp. „Letztlich betrifft das uns alle“, sagt Wegner. „Wir haben die Befürchtung, dass die Ausgliederung in Zukunft weitergeht. Und niemand lässt sich gerne ins Portemonnaie greifen.“

 Diese Sorge teilt Sara Multhaup. „Wir streiken nicht gern“, sagt die 33-Jährige, die als Brief- und Paketzustellerin in Dänischenhagen tätig ist. „Wer tut das schon?“ Doch anders als bei den Streiks, mit denen andere Branchen in diesem Jahr schon von sich Reden machten, gehe es den Postlern nicht um exorbitante Lohnsteigerungen. Die Menschen in der Region, sagt Multhaup, hätten großes Verständnis. Dennoch hofft sie wie auch Franz Kuncl, dass der Streik nicht allzu lange dauert. Optimistisch scheinen die beiden im Hinblick auf ein baldiges Ende jedoch nicht. Der 57-Jährige, der seit 1996 bei der Post angestellt ist und in Teilzeit Infosendungen sortiert, will weiterkämpfen, bis Vorstandschef Frank Appel einlenkt. Dessen Konterfei prangt auf einem Transparent: „Wir lassen uns nicht verappeln“, steht dort.

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Foto: Die Gewerkschaft Verdi weitet die Streiks bei der Post aus.

Die Gewerkschaft Verdi hat ihre Streiks bei der Post auch im Norden auf Brief- und Paketzusteller ausgeweitet. Sie rief am Mittwoch in Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern insgesamt 750 Zusteller zur unbefristeten Arbeitsniederlegung auf.

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