13 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Provinzial-Eigner streiten um Blitzfusion

Unruhe Provinzial-Eigner streiten um Blitzfusion

Ein Streit im Eigentümerlager der Provinzial Nordwest stiftet neue Unruhe um den Versicherungskonzern mit 1100 Beschäftigten in Kiel. Eine Blitzfusion ist laut Branchendienst „Versicherungsmonitor“ im Gespräch. Die SPD in Schleswig-Holstein und die Gewerkschaft Verdi sind alarmiert.

Voriger Artikel
Fehlzeiten in Schleswig-Holstein
Nächster Artikel
Studie belegt Erfolgsgeschichte des Designer Outlets

Wie lange bleibt sie noch eigenständig? Die Provinzial-Zentrale in Kiel am Sophienblatt.

Quelle: Volker Rebehn

Münster/Kiel. Nach Informationen des Branchendienstes „Versicherungsmonitor“ drängen die Sparkassen im Rheinland und in Westfalen auf eine Blitzfusion von Provinzial Nordwest (Münster/Kiel) und Provinzial Rheinland (Düsseldorf) zum 1. Januar 2017. 

 Nach dem abgeblockten Übernahmeversuch durch die Allianz (2013) hatte es bereits Fusionsverhandlungen mit der Provinzial Rheinland gegeben, diese waren jedoch auch an der Frage des Sitzes der Firmenzentrale gescheitert. Einer Verschmelzung müssten alle Eigentümer zustimmen. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) als bedeutender Provinzial-Anteilseigner distanzierte sich von den Fusionsbestrebungen: „Die Gespräche sind mir erst seit Ende Mai bekannt, ich bin daran nicht beteiligt“, sagte Matthias Löb, LWL-Direktor und Aufsichtsratschef der Provinzial Nordwest.

 Der Sparkassenverband Schleswig-Holstein, dem 18 Prozent der Provinzial-Aktien gehören, hielt sich bedeckt: „Uns ist von solchen Gesprächen nichts bekannt“, sagte Sprecher Reinhard Hassenstein. In einer Provinzial-E-Mail an die Mitarbeiter, die den Kieler Nachrichten vorliegt, heißt es allerdings: Der Konzernvorstand sei „über den Status der Gespräche in den letzten Wochen informiert gewesen“.

 Aufsichtsratschef Löb verwies auf das Strategieprogramm „Nordwest 2018“, mit dem das Unternehmen die Branchenherausforderungen eigenständig bewältigen wolle. Die Frage nach einer Fusion stelle sich erst, „wenn zu erkennen ist, wie das Strategieprogramm wirkt und ob die eigenen Anstrengungen ausreichen, den Herausforderungen zu begegnen“.

 Frank Schischefsky, Verdi-Sprecher und Aufsichtsratsmitglied der Provinzial Nordwest sagte: „Wir wissen, dass es Bestrebungen gibt, die Fusion bis Anfang des Jahres durchzupeitschen.“ Gewerkschaft und Arbeitnehmervertreter würden allen Plänen entgegentreten, die dem Standort Kiel schaden könnten. SPD-Landeschef Ralf Stegner warnte vor dem „erneuten Versuch, das Regelwerk zum Schutz des Standortes Kiel” aufzuweichen. Das Unternehmen sei bestens aufgestellt und durch seinen öffentlichen Auftrag der Daseinsvorsorge verpflichtet „und nicht der Maximierung von Rendite“.

 Die Provinzial Nordwest war 2005 aus der Verschmelzung von Provinzial Nord und westfälischer Provinzial hervorgegangen. Mit 6000 Mitarbeitern und gut vier Milliarden Euro Beitragseinnahmen ist das Unternehmen der zweitgrößte öffentliche Versicherer Deutschlands.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

Mehr aus Nachrichten: Wirtschaft 2/3