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Eine gute Nachricht für Kiel

Provinzial Eine gute Nachricht für Kiel

Dauerniedrig-Zinsen, zunehmende Sturmschäden, schärfere Kapitalvorschriften: Die Versicherungswirtschaft wird durchgeschüttelt wie noch nie. Mit dem Zukunftsprogramm „NordWest 2018“ will Provinzial-Chef Wolfgang Breuer den zweitgrößten öffentlichen Versicherer fit für die Zukunft machen.

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Rund ein Drittel der 3000 Mitarbeiter der Provinzial Nord-West arbeitet in Kiel.

Quelle: Volker Rebehn

Kiel/Münster. Das könnte auch Arbeitsplätze kosten. Doch Einschnitte zulasten eines Standortes soll es nicht geben. Die gute Nachricht für die rund 1000 Beschäftigten in Kiel: Die geplante interne Fusion der Konzernunternehmen Hamburger Feuerkasse, Provinzial Nord Brandkasse (Kiel) und Westfälische Provinzial (Münster) ist vom Tisch.

 „Wir wollen besser werden, effizienter und vor allem digitaler – Stellenabbau ist nicht unser Ziel“, sagte Breuer im Gespräch mit den Kieler Nachrichten. Seit Juni ist der 53-Jährige Nachfolger von Ulrich Rüther als Konzern-Chef. Die anvisierte Verschmelzung der drei Schadenversicherer hatte in Kiel große Unruhe ausgelöst. Das Projekt war auf Druck der Provinzial-Eigentümer auf den Weg gebracht worden, um nach der gescheiterten Fusion der Provinzial Nord-West (Münster/Kiel) mit dem Düsseldorfer Schwester-Konzern Provinzial Rheinland Kosten in zweistelliger Millionenhöhe einzusparen. Zwar muss der Aufsichtsrat Anfang Dezember das neue Programm noch absegnen, doch Breuer geht fest davon aus, dass die Traditionsunternehmen Feuerkasse und Brandkasse rechtlich eigenständige Unternehmen bleiben. Als einen Grund für die Kehrtwende nannte der Konzernchef, dass eine interne Verschmelzung der Bedeutung dieser regional fest verankerten Marken nicht gerecht werde.

 Trotz zahlreicher Belastungsfaktoren steht die Provinzial nach Angaben Breuers „sehr gut“ da: „In der Schadenversicherung wachsen wir mit 6,5 Prozent in diesem Jahr deutlich schneller als der Markt.“ Und während die Luft für manche Lebensversicherung bedenklich dünn wird, kann die Provinzial die Auszahlungsansprüche ihrer Kunden mittelfristig aus eigenen Erträgen erwirtschaften. Gleichzeitig jedoch macht Breuer klar, dass Handlungsbedarf besteht: „Die Provinzial Nord-West steht auf solidem Fundament. Dieses Fundament bekommt jedoch langsam erste Risse.“ Das liege vor allem daran, dass das Unternehmen in den vergangenen zehn Jahren seit der Verschmelzung der Provinzial Nord Brandkasse mit der Westfälischen Provinzial überwiegend mit sich selbst beschäftigt gewesen sei. Ende 2012 hatten der Übernahmeversuch der Allianz und die zunächst als Fremdangriff dargestellte Selbstverletzung Rüthers mit einem Schraubendreher für öffentlichen Wirbel gesorgt.

 Das Projekt „NordWest 2018“ – nach Angaben Breuers eines der größten Konzernprogramme der jüngeren Unternehmensgeschichte – soll Anfang 2016 starten. Ziel sei es vor allem, den „Konzerngedanken zu stärken“, den Vertrieb über digitale Kanäle zu forcieren, aber auch Abläufe zu straffen und Doppelstrukturen abzubauen. Das hört sich nach Arbeitsplatzabbau an, doch Breuer betont: „Den muss es nicht geben.“ Zwar habe man ein „Effizienzsteigerungspotenzial“ von 270 Vollzeitstellen ermittelt, doch sei dies keineswegs mit Jobverlusten gleichzusetzen. „Allein in diesem Jahr sind wir so stark gewachsen, dass wir für die zusätzliche Arbeit rund 40 Mitarbeiter brauchen.“ Sollte sich die gute Entwicklung fortsetzen, könne ein Stellenabbau komplett überflüssig werden.

 Die Gewerkschaft reagiert verhalten auf die Vorstandspläne. Verdi-Sprecher Frank Schischefsky: „Wir begrüßen, dass die interne Fusion vom Tisch ist, werden aber sehr genau darauf achten, dass Umstrukturierungen im Konzern ausgewogen umgesetzt werden.“ Entscheidend sei zudem nicht nur die Anzahl von Arbeitsplätzen an einzelnen Standorten, sondern auch deren Qualität.

 Die Provinzial Nord-West beschäftigt insgesamt gut 3000 Mitarbeiter, davon ein Drittel am Standort Kiel. Eigentümer des Unternehmens sind die westfälischen Sparkassen, der Landschaftsverband Westfalen-Lippe und der Sparkassenverband Schleswig-Holstein.

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Ein Artikel von
Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

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Versicherung
Foto: Wolfgang Breuer, Vorstandsvorsitzender der Provinzial: "Der Markt ist im Umbruch."

Der Versicherungskonzern Provinzial Nordwest verzeichnete 2015 in fast allen Bereichen Wachstum. Die Beitragseinnahmen stiegen um fünf Prozent auf 4,1 Milliarden Euro; davon fielen 2,3 Milliarden Euro auf den Bereich Lebensversicherungen und 1,8 Milliarden auf Schaden- und Unfallversicherungen.

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