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Heimlich Millionen abgezweigt?

Prozess zur IBG-Pleite Heimlich Millionen abgezweigt?

Wenn am kommenden Mittwoch der Prozess gegen Marc P. (39), Wolfgang O. (57) und einen mitangeklagten Steuerberater (45) beginnt, dann werden Hunderte wütende, frustrierte und zum Teil finanziell ruinierte Bauherren aus ganz Deutschland gebannt nach Kiel blicken.

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Die ehemalige IBG-Firmenzentrale an der Hollerstraße in Büdelsdorf: 2013 hatte der Unternehmer Hans-Julius Ahlmann (Aco-Gruppe) die Immobilie gekauft und an Freenet vermietet.

Quelle: Wolfgang Mahnkopf

Kiel/Büdelsdorf. Denn dort beginnt um 9.30 Uhr vor der 34. Großen Strafkammer am Landgericht die juristische Aufarbeitung einer der größten Baupleiten Deutschlands. Der Vorwurf gegen die Ex-Geschäftsführer des insolventen Eigenheimherstellers IBG (Büdelsdorf) und ihren Berater aus Nordrhein-Westfalen: gewerbs- und bandenmäßige Untreue beziehungsweise Beihilfe dazu. Es dürfte ein Mammutverfahren werden: Bis Ende Juni sind 18 Verhandlungstermine angesetzt.

Mehr als 5000 betroffene Bauherren in ganz Deutschland, Hunderte geprellte Handwerker, fast 140 vernichtete Arbeitsplätze und 120 Millionen Euro offene Rechnungen: Die Pleite der Bau-Unternehmensgruppe IBG (Büdelsdorf) beschäftigt seit mehr als drei Jahren Insolvenzverwalter und Staatsanwaltschaft. Doch als die IBG Holding GmbH mit Regionalgesellschaften im ganzen Bundesgebiet im November 2012 beim Amtsgericht Neumünster Insolvenz anmeldete, kam dieser Schritt keineswegs überraschend. Denn da hatte sich bereits über Monate auf den Baustellen nichts mehr getan. Statt schicker Eigenheime wuchs auf den Grundstücken das Unkraut in die Höhe. Folge: Etliche Bauherren gerieten in existenzbedrohende Finanznöte, der Traum vom Eigenheim – er wurde zum Albtraum. Doch statt auf Beschwerden zu reagieren, schaltete die Geschäftsführung auf taub, verschickte aber gleichwohl weiter fleißig Rechnungen. Bundesweit blieben 670 Bauherren auf unfertigen IBG-Häusern sitzen.

Gewaltiger Vermögensschaden

Der Vermögensschaden ist gewaltig. Zunächst war Reinhold Schmid-Sperber noch von 50 Millionen Euro an offenen Rechnungen ausgegangen. Am Freitag teilte der Insolvenzverwalter den Kieler Nachrichten mit, die Höhe der IBG-Verbindlichkeiten gegenüber 2400 Gläubigern belaufe sich auf rund 120 Millionen Euro. Doch die Chance, dass Bauherren einen nennenswerten Teil ihres Geldes wiedersehen, ist gleich Null, denn die Insolvenzmasse kommt nach Angaben Schmid-Sperbers über einen einstelligen Millionen-Betrag nicht hinaus.

Mit einer Doppelstrategie aus betont seriösem Auftreten (Eigenwerbung: „Richtig gut gebaut“) und niedrigen Preisen hatte sich die 1994 gegründete IBG zu einem führenden Massivhaushersteller Deutschlands entwickelt. Doch ab 2011 häuften sich in Internetforen die Beschwerden über Baumängel sowie nicht erbrachte Leistungen. Angesichts echter Kampfpreise hatten sich Branchenkenner bereits frühzeitig gefragt, wie sich die IBG über Wasser hält.

Untreue und Insolvenzverschleppung

Dass es Anzeichen für Untreue und Insolvenzverschleppung gibt, darauf hatte Schmid-Sperber die Staatsanwaltschaft Kiel bereits frühzeitig hingewiesen. Nach Razzien in Privatwohnungen und Firmenbüros in Schleswig-Holstein, Bayern und Nordrhein-Westfalen kamen beide Geschäftsführer und ihr Berater im Februar 2013 in Untersuchungshaft. Wie die Kieler Staatsanwaltschaft mitteilte, bestehe der dringende Verdacht, dass die inzwischen wieder entlassenen Beschuldigten bereits vor der Insolvenz Zahlungen der IBG Holding GmbH in Höhe von zwei Millionen Euro an eine von ihnen beherrschte Firma veranlasst hätten, ohne dass hierfür Gegenleistungen erbracht worden seien. Im Kern soll es dabei um eine Gesellschaft außerhalb der Gruppe gehen, die der IBG für die Vermittlung von Bauherrenversicherungen überhöhte Rechnungen gestellt haben soll. Mit diesem Winkelzug, so der Verdacht, könne es den Geschäftsführern gelungen sein, Geld aus der IBG herauszuziehen.

Doch viel zu holen gibt es bei den Beschuldigten nicht. Marc P. und Wolfgang O. befinden sich in der Privatinsolvenz, und deren Geschäftsführer-Haftpflicht kommt nur für Schäden bis zu fünf Millionen Euro im Jahr auf.

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