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Pleite bedroht das Weihnachtsgeschäft

Reederei Hanjin Pleite bedroht das Weihnachtsgeschäft

Knapp zehn Meilen vor Helgoland liegen sie. Tausende Container voll mit Flachbildschirmen, Smartphones und Kleidung. Der Wert der Ladung der „Hanjin Harmony“ summiert sich auf mehrere hundert Millionen Euro.

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Weltweit liegen nach der Hanjin-Insolvenz 90 Schiffe fest. Im Hamburger Hafen stapeln sich jetzt hunderte Container. Keiner geht raus, keiner mehr rein.

Quelle: Frank Behling

Hamburg. Genau ist er nicht zu beziffern. Der Wert der Schulden der Reederei Hanjin hingegen schon: Mehr als 4,8 Milliarden Euro Miese hat die siebtgrößte Containerreederei der Welt angehäuft. Am 8. September musste das Unternehmen in Korea Insolvenz anmelden. Der Geschäftsbetrieb ruht deshalb komplett – und Tausende Händler warten nun in Deutschland auf ihre Waren.

 Die Kunden und Konzerne, die ihre Güter der Hanjin-Reederei Ende August und Anfang September anvertraut haben, bleibt nur Geduld. Entscheidend ist der Ausgang der Verhandlungen zwischen den Insolvenzverwaltern, der Reedereiführung und den Banken in Korea. „Bei uns laufen jetzt täglich Mails und besorgte Anfragen ein. Sie kommen von Unternehmen aus Deutschland, die sich um ihre Waren sorgen. Darunter sind Einzelhändler und Automobilhersteller“, sagt der maritime Koordinator der Bundesregierung, Uwe Beckmeyer (SPD). „Existenzen stehen auch hier in Deutschland durch die Lage von Hanjin auf dem Spiel.“ Beckmeyer selber hat sich jetzt in die Vermittlung eingeschaltet. Ein Gespräch mit dem Meeresminister in Korea brachte aber nicht viel. Denn der koreanische Staat hält sich aus der Angelegenheit raus.

 90 Hanjin-Containerschiffe liegen still. An Bord sind rund 400000 Container von 8300 Speditionen und Händlern weltweit. Der Wert dieser Ladungen soll sich nach Berichten aus Korea auf 13 Milliarden Euro summieren. Während der größte Teil der Flotte in Asien festliegt, sind fünf Schiffe auf dem Weg von China und Korea nach Hamburg gestoppt worden. Es handelt sich dabei um fünf der neun größten Hanjin-Frachter, die über Stellplätze von bis zu 13000 Standardcontainern verfügen.

Frachter teilweise entladen

 Die „Hanjin Europe“ ist einer von ihnen. Der Frachter war am 8. September bereits in Hamburg. Er wurde noch teilweise entladen, dann aber festgesetzt. Inzwischen musste das Schiff aus Platzgründen den Hafen verlassen und einen Ankerplatz in der Nordsee einnehmen. Dort dümpelt seit Mittwoch auch die mit 8000 Containern beladene Schwester „Hanjin Harmony“. Die Schiffe sind 366 Meter lang, 48 Meter breit und gehören mit sieben weiteren Hanjin-Frachtern zu den größten Containerschiffen der Welt. Es ist der Typ „Hyundai 13000-TEU“ – einer Klasse von Mega-Frachtern, die ab 2008 gebaut wurde. Mehr als 50 dieser Frachter lieferte die Hyundai-Werft in Korea seit Juli 2010 an verschiedene Reedereien.

 Das Investitionsvolumen von rund 690 Millionen Euro für die „Hanjin Europe“ und ihre acht Schwestern wurde durch die Hamburger Fondsgesellschaft MPC Capital eingeworben. Die Kredite stellte ein Bankenkonsortium rund um die HSH Nordbank. Die HSH selber ist nach unbestätigten Meldungen mit über 200 Millionen Euro an den Hanjin-Frachtern beteiligt. Im aktuellen Tauziehen um die Schiffe, die Schulden und die Ladungen ringt die Bank nun mit anderen Firmen wie Samsung oder LG. Die Unternehmen haben derzeit Elektronikartikel im Wert von 50 Millionen Euro auf den Pleiteschiffen.

 Bestimmt sind die Waren für das Weihnachtsgeschäft in Europa. „Jetzt muss es darum gehen, die ‚Hanjin Harmony‘ nach Hamburg zu bekommen, um die Container anzuliefern, die hier dringend benötigt werden“, sagt Beckmeyer. Doch wann das geschehen kann, ist unklar. Auch beim Terminalbetreiber Eurogate weiß man nicht, wie es weitergeht. Das Unternehmen fertigt die Hanjin-Schiffe in Hamburg ab und wartet auf mehrere Millionen Euro an Terminalgebühren. Die Folge: große Halden mit Hanjin-Containern auf dem Eurogate-Gelände. Kein Container geht raus, keiner rein.

 Derweil liegen nicht nur vor Helgoland die Hanjin-Frachter. Die „Hanjin Asia“ schippert im Mittelmeer und die „Hanjin Africa“ treibt südlich vom Suez im Roten Meer. In der Straße von Malacca an der Ausfahrt zum Indischen Ozean liegen „Hanjin Blue Ocean“, „Hanjin Amercia“, „Hanjin China“ und „Hanjin Netherlands“ in Warteposition. Die beladenen Hanjin-Schiffe kreuzen dabei in den internationalen Gewässern. Die Besatzungen verbrauchen derzeit die Reste an Proviant und Treibstoff. Wie lange sie aushalten können, ist unklar.

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Ein Artikel von
Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

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