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Wie dick kommt es für die Sparkassen?

Risiken der HSH Nordbank Wie dick kommt es für die Sparkassen?

„So instabil sind unsere Sparkassen“: Ein Bericht der „Wirtschaftswoche“ mit dieser Überschrift sorgt für politischen Wirbel in Schleswig-Holstein und für Unmut im Lager der öffentlich-rechtlichen Institute.

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HSH-Standort Kiel: Durch den Haftungsverbund sitzen Landesbanken und Sparkassen in einem Boot.

Quelle: Montage: Schlapkohl, Foto: Eisenkrätzer

Kiel/Berlin. Mit Hinweis auf „streng geheime“ Dokumente der Bankenaufsicht schreibt das Magazin, eine Abwicklung der HSH hätte „gravierende Folgen“ für die deutschen Sparkassen. Der brisanteste Satz, den die „WiWo“ zitiert, lautet: „Durch die Anwendung jeglicher Abwicklungsinstrumente würde eine ,Nicht-Leistungsfähigkeit’ der Institutssicherung der Landesbanken bzw. der Sparkassen evident.“

Frei übersetzt würde das bedeuten, dass die über einen Haftungs- und Stützungsmechanismus bundesweit verwobene S-Finanzgruppe möglicherweise nicht in der Lage sein könnte, das Risiko HSH Nordbank aus eigener Kraft zu stemmen. Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) kontert: Bei den zitierten Unterlagen der Bankenaufsicht handele es sich um „fiktive Szenarien“, die von den Behörden für alle Kreditinstitute erstellt würden: „Sie haben keinen Bezug zur aktuellen Situation.“

Die FDP im Land fordert Antworten

Alles also nicht so schlimm? Die Liberalen im Landtag wollen jetzt Klarheit von Finanzministerin Monika Heinold (Grüne). Am kommenden Mittwoch wird sich das Parlament mit einem Berichtsantrag befassen, in dem die FDP-Fraktion die Landesregierung auffordert, über die Folgen einer Abwicklung der HSH für die Sparkassen zu berichten. Wolfgang Kubicki glaubt bekanntlich nicht, dass es den Ländern Hamburg und Schleswig-Holstein gelingen wird, für ihre mit riesigen Altlasten kämpfende Bank bis Ende Februar 2018 einen Käufer zu finden, so wie es die EU verlangt: „Damit ist klar, dass der Haftungsverbund der Sparkassen in Anspruch genommen wird“, sagt Kubicki. Auf den daraus resultierenden Lasten, so der Chef-Liberale, dürften die zwölf Sparkassen in Schleswig-Holstein auf keinen Fall allein sitzenbleiben: „Hier müssen die Sparkassen bundesweit haften.“ Schließlich hätten die Institute im Norden ja auch bluten müssen, als sich der Kauf der Landesbank Berlin durch den DSGV als teurer Fehler entpuppt hatte.

Haftung mit 18 Prozent

Durch ihren Haftungsverbund sitzen Landesbanken und Sparkassen in einem Boot. Tatsache ist auch: Für Anleihen, die die HSH Nordbank bis einschließlich 2005 unter der so genannten Gewährträgerhaftung ausgegeben hat, haftet der Sparkassen- und Giroverband Schleswig-Holstein, der mit gut fünf Prozent an der HSH beteiligt ist, mit 18 Prozent. Dieses Risiko jedoch ist in den vergangenen Jahren erheblich geschrumpft – auf aktuell noch etwa 500 Millionen Euro. Der Wertverlust der HSH-Anteile hat die Nord-Sparkassen zwar böse geschmerzt, doch Risiken an dieser Front lauern nicht mehr: Bilanziert sind die HSH-Aktien nur noch zum symbolischen Restwert.

Ob und wie stark eine Abwicklung die Sparkassen trifft, hängt von deren Verlauf ab, und der lässt sich nicht vorhersagen. Zunächst wäre die HSH selber gefordert. Wenn ihr Eigenkapital als Puffer nicht reicht, würden im nächsten Schritt die Eigentümer in die Pflicht genommen und dann die Gläubiger. Und beiden Gruppen gehören auch die Sparkassen an, die allerdings nicht verraten wollen, in welchem Umfang sie noch HSH-Anleihen halten.

Abwicklung birgt immer Risiken

Sie sei nach wie vor überzeugt, dass es richtig war, die Bank im Herbst 2015 nicht abzuwickeln, sagt Finanzministerin Heinold und betont: „Eine Abwicklung birgt immer auch nicht kalkulierbare Risiken in sich.“ Manche Sparkassen-Manager ballen die Fäuste angesichts des „WiWo“-Artikels, sprechen von „Horrorberichterstattung“ und „Panikmache“. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) will den Bericht nicht kommentieren. Nord-Sparkassenpräsident Reinhard Boll betont, der Artikel basiere auf Informationen aus dem Herbst 2015: „Unsere Sparkassen sind seitdem gut gerüstet.“ Sein Verband gehe fest davon aus, dass es einen Käufer geben werde. Und falls es doch zur Abwicklung kommt? Dann, so Boll, werde dies eine geordnete Abwicklung sein, „und unsere Sparkassen werden nach unserer Einschätzung nur gering betroffen sein“. Klingt gelassen. Doch Entwarnung sieht anders aus.

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Ein Artikel von
Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

Ulrich Metschies zum Risiko für Sparkassen

ist schon merkwürdig: Im Oktober 2015, als es wieder einmal Spitz auf Knopf stand für die HSH Nordbank, da war nur intimen Kennern der Materie bewusst, dass vom Ausgang dieser Zitterpartie nicht nur das Wohl zweier Landeshaushalte und das der Steuerzahler in Hamburg und Schleswig-Holstein abhängen könnte, sondern auch das der deutschen Sparkassenfamilie.

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