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Endlich ohne Barriere an den Strand

Rollstuhlgerechter Strandkorb Endlich ohne Barriere an den Strand

Wer Rollstuhlfahrer ist, hat große Schwierigkeiten, Strandkörbe zu nutzen. Umso glücklicher war Anja Lindemann (55) aus Berlin, als sie nun in Grömitz Korbvermieterin Martina Hintz kennenlernte. Die Inhaberin der „Strandkorbvermietung Seepferdchen“ hat einen rollstuhlgerechten Korb entwickelt.

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Urlauberin Anja Lindemann aus Berlin ist begeistert von dem rollstuhlgerechten Strandkorb, den Martina Hintz in Grömitz entwickelt hat.

Quelle: Detlef Dreessen

Grömitz. Das Prinzip ist so einfach, dass man sich fragt, warum es so etwas nicht schon lange gibt: Basis des Korbs ist der Rohling eines dreisitzigen Modells einer Firma aus Heiligenhafen. Zur Hälfte wurde die Bank abmontiert. Eine Bodenplatte ist so konstruiert, dass sie dem Rollstuhl Halt gibt und der Strandkorb mit wenig Kraft je nach Windrichtung und Sonnenstand gedreht werden kann.

 „Wir brauchen kein Mitleid, sondern solche Ideen“, lobte Anja Lindemann, die gerne mit ihrer Tochter durch die Welt reist. Der Wunsch, das Leben zu genießen, löse sich ja nicht in Luft auf, wenn man nicht mehr so gut zu Fuß ist, sagt die MS-kranke Rollstuhlfahrerin.

 Marc Euler von der Pressestelle der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein, bestätigt das. Tourismusbetrieb müsse sich schon auf die Interessen behinderter Besucher vermehrt einstellen. Und das nicht nur, weil Inklusion politisch gewollt sei. Zahlen, wie viele Besucher mit Rollstuhl kommen, gebe es „wegen des Datenschutzes“ noch nicht. „Aber schon aufgrund der alternden Bevölkerung wird der Anteil von Touristen mit Behinderungen immer größer – und sie informieren sich im Internet, wo ihnen was geboten wird.“

 Und das wird an der Ostsee ernst genommen. Die Strandzugänge im Scharbeutzer und Neustädter Raum etwa bieten einen langen barrierefreien Zugang mit Holzpaletten, damit Rollstuhlfahrer und Rollator-Nutzer an den Strand kommen können. Behindertengerechte Schwimmrollstühle könnten an der Lübecker Bucht von Scharbeutz bis Neustadt/Pelzerhaken über die DLRG-Stationen oder die Strandkorbvermieter angefordert werden. Euler: „Die Schwimmrollstühle werden kostenlos zur Verfügung gestellt.“ So etwas wäre auch etwas für Anja Lindemann: „Ich würde auch gerne einmal die Füße ins Wasser stecken.“

 Erst einmal aber freut sich die lebensfrohe Berlinerin über den Strandkorb. Davon will Martina Hintz mehr aufstellen. Nicht um des großen Umsatzes willen, betont sie. Sie nehme die gleiche Tagesmiete wie bei den herkömmlichen Körben, obwohl die Herstellung des Maxikorbes deutlich teurer sei. Einige Entwicklungskosten hofft sie wieder hereinzubekommen, wenn andere Vermieter bei ihr das rollstuhlgerechte Modell ordern. Beim Bundespatentamt hat sie sich die Rechte gesichert: „Vor allem, damit nicht jemand anderes auf die Idee kommt, und ich dann bei dem die Strandkörbe teuer kaufen müsste.“ Ihrerseits wolle sie Kollegen „ein vernünftiges Angebot“ machen. Rollstuhlfahrern kann es nur recht sein, wenn Martina Hintz und ihre Kollegen sich schnell handelseinig werden.

 Walter Herckelrath jedenfalls freut sich schon auf den nächsten Urlaub mit Rollstuhl in Grömitz. „Es ist so schön, nach 15 Jahren endlich wieder mit meiner Frau nebeneinander im Strandkorb zu sitzen“, schwärmt er. Und Anja Lindemann kündigt schon an: „Ich komme nächstes Jahr wieder.“

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