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8,5 Millionen Volkswagen müssen in die Werkstatt

Rückrufaktion 8,5 Millionen Volkswagen müssen in die Werkstatt

Der Skandal um manipulierte Abgaswerte zwingt den VW-Konzern zum größten Rückruf in der Firmengeschichte: Insgesamt 8,5 Millionen Diesel-Fahrzeuge müssen demnach europaweit in die Werkstätten, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit.

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Auf die VW-Werkstätten kommt viel Arbeit zu.

Quelle: Julian Stratenschulte/dpa

Flensburg/Kiel. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hatte wenige Stunden zuvor einen Rückruf für 2,4 Millionen Pkw in Deutschland angeordnet. Nach Angaben von KBA-Sprecher Stephan Immen genüge eine bislang von VW angebotene freiwillige Reparatur nicht, da es sich dabei um einen Gesetzesverstoß durch eine „unzulässige Abschalteinrichtung“ handele.

 Wie viele Fahrzeughalter in Schleswig-Holstein von dem für Kunden verpflichtenden Rückruf der Flensburger Behörde betroffen sind, konnte Immen nicht sagen.

 Starten soll die auf viele Monate angelegte Großaktion Anfang 2016; betroffene Kunden erhalten in den kommenden Wochen von VW ein Schreiben, in dem das weitere Vorgehen erläutert wird. Während bei den 1,2- und 2,0-Liter-Dieselmotoren vom Typ EA-189 in den Werkstätten voraussichtlich eine neue Software aufgespielt werden muss, geht es bei Dieseln mit 1,6 Hubraum um eine „Anpassung der Motortechnik“, teilte VW mit.

 Der Geschäftsführer des Kfz-Gewerbeverbandes Schleswig-Holstein, Jan-Nikolas Sontag, begrüßte den Rückruf: „Es ist nicht zu verstehen, dass VW die Mängel nicht gleich selbst aktiv beseitigen wollte.“ Wichtig sei nun, dass den etwa 60 VW-Servicestationen im Norden kein Schaden entstehe. „Die Händler können nichts dafür, deshalb muss die finanzielle Vergütung durch den Hersteller stimmen.“ Weil die Nachbesserungen zum Teil sehr umfangreich seien, bat Sontag die Kunden um Geduld: „Unsere Betriebe müssen Zeitpläne aufstellen, wann welches Fahrzeug in die Werkstatt kann.“ Bei einem gut geführten Unternehmen mit 1300 Kunden könnte demnach jeder Dritte von dem verpflichtenden Rückruf betroffen sein – „das kann nicht innerhalb eines Monats abgearbeitet werden“, betonte Sontag.

 VW-Händler Ulrich Reiß vom Kronshagener Autohaus Seefluth ist genauso verunsichert wie seine Kunden: „Die neuen technischen Lösungen müssen zielführend und erprobt sein.“ Um die ab kommenden Jahr vorgeschriebenen Umbauten vornehmen zu können, würden Mitarbeiter speziell geschult, „da läuft bereits die Planung“. Das Vertrauen in die Marke VW sei bei den Kunden stabil: „Wir haben in den vergangenen Tagen mehrere Fahrzeuge verkauft, die umgerüstet werden müssen“, sagte Reiß.

 Verbraucherschützer haben unterdessen darauf hingewiesen, dass betroffene Fahrzeughalter möglicherweise Entschädigung für einen Nutzungsausfall während des Werkstattaufenthaltes geltend machen können.

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Ein Artikel von
Jan von Schmidt-Phiseldeck
Wirtschaftsredaktion

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Leitartikel

Die Affäre um manipulierte Abgaswerte von Dieselautos bietet, so schmerzhaft die Konsequenzen für Volkswagen auch sind, eine große Chance für eine Debatte um die Zukunft unserer Mobilität. Dass Autohersteller seit Jahrzehnten ihre Fahrzeuge mit völlig utopischen Verbrauchswerten verkaufen dürfen, ist nämlich der eigentliche Skandal.

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