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TKMS entgeht U-Boot-Deal für Kiel

Rüstungsindustrie TKMS entgeht U-Boot-Deal für Kiel

Zwölf U-Boote für 35 Milliarden Euro: Selbst mit einer Anzeigenkampagne buhlte ThyssenKrupp bis zuletzt um diesen Mega-Auftrag aus Australien. Doch der Coup misslingt – ein französischer Konkurrent sticht den Essener Konzern aus.

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ThyssenKrupp geht lehr aus: Australien entscheid sich für den französischen Schiffbaukonzern DCNS.

Quelle: Roland Weihrauch

Adelaide/Kiel. Bei dem Auswahlverfahren zum Bau von zwölf neuen U-Booten für Australien ist die Entscheidung zu Gunsten des Entwurfs aus Frankreich gefallen. Wie australische Medien berichten, hat Premierminister Malcolm Turnbull die Entscheidung am Dienstagmorgen bekanntgegeben. Der Auftrag hat ein Volumen von 34 Milliarden Euro. Damit geht die Kieler Werft Thyssenkrupp Marine Systems erstmals seit Jahren bei einem Auftrag um ein U-Bootgeschäft leer aus. Die Kieler sind Weltmarktführer beim Bau konventionell angetriebener U-Boote.

Arbeitsplätze entsehen in Australien

Australien will seine U-Boot-Flotte von zurzeit sechs Schiffen ersetzen und ausbauen. Der Essener Industriekonzern ThyssenKrupp war über die Kieler Werft TKMS ins Rennen gegangen. Ebenfalls um den Auftrag beworben hatte sich ein japanisches Konsortium mit Mitsubishi Heavy Industries und Kawasaki Heavy Industries. Letztlich gewann jedoch der Pariser Konzern, an dem der französische Staat knapp zwei Drittel der Anteile hält. Turnbull verkündete die Entscheidung in der Küstenstadt Adelaide, wo sich die U-Boot-Werft befindet, die an dem Bau beteiligt werden soll.

Alle zwölf U-Boote sollen auf einer U-Boot-Werft in Adelaide gebaut werden. Die australische Regierung hatte darauf bestanden, dass die Wertschöpfung für den Auftrag so weit wie möglich in Australien erfolgen soll. Im November hatte auch die Kieler Werft im Zusammenhang mit dem Auftrag die Schaffung von 2000 bis 3000 Arbeitsplätzen in Australien angekündigt. Außerdem sollten im Fall der Vergabe des Auftrags an TKMS bis zu 400 Zulieferbetriebe aus Australien eingebunden werden. Der Kieler Werftkonzern kommentierte: „Wir respektieren die Entscheidung der australischen Regierung, DCNS als bevorzugten Partner für die Beschaffung neuer U-Boote auszuwählen und wünschen Australien und allen Beteiligten viel Erfolg bei der Umsetzung dieses anspruchsvollen Programms. Thyssenkrupp Marine Systems verfügt im U-Bootbereich über eine hohe Auslastung, einen soliden Auftragsbestand und damit eine gute Planbarkeit für die kommenden Jahre“, teilte ein Werftsprecher mit.

Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) zeigte sich ebenfalls enttäuscht über die Nachricht aus Down Under: „TKMS war nach meiner Wahrnehmung sehr gut in diesem Wettbewerb aufgestellt, und natürlich entgeht auch dem Industriestandort Schleswig-Holstein damit ein großes Stück Wertschöpfung“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Dennoch sieht Meyer keine Probleme auf den Kieler Standort zukommen. „Der Konzern ist kraftvoll genug, trotzdem optimistisch nach vorn zu schauen – zum Beispiel auf die Akquise des U-Boot-Auftrags für Norwegen.“

Französische Werft DCNS erhält Zuschlag

Bei dem Auftrag zum Ausbau der australischen Marine war die französische Werft DCNS mit einem modifizierten Entwurf der Atom-U-Bootklasse „Baracuda“ angetreten. Dieser „Shortfin Barracuda“ ist 90 Meter lang und verdrängt 4000 Tonnen. Diese Boote sollen für alle Formen der modernen Seekriegführung geeignet sein und auch Marschflugkörper bekommen. Außerdem sind die Boote für hohe Geschwindigkeiten optimiert. Einen ähnlichen Entwurf hatte auch ein japanisches Konsortium mit der „Soryu“-Klasse angeboten. Beide Entwürfe sind bereits im Einsatz. Die Kieler Werft TKMS hat dagegen bislang noch keine U-Boote dieser Größe gebaut. Die bisherigen Modelle haben eine Verdrängung von knapp über 2000 Tonnen und waren eher defensiv ausgerichtet. Auch die U-Boote der deutschen Marine sind deutlich kleiner und weniger stark bewaffnet.

Die U-Bootentwürfe aus Frankreich und Japan sind moderne Angriffs-U-Boote für den Einsatz in Marineverbänden mit hohen Geschwindigkeiten.  Angesichts der Aufrüstung der chinesischen Marine will Australien eine stärkere Rolle im pazifischen Raum übernehmen. Heute verfügt Australien nur über sechs U-Boote der „Collins“-Klasse. Diese Boote wurden nach Plänen der schwedischen Kockums-Werft in den 90er Jahren in Australien gebaut. Sie sind jedoch nur 72 Meter lang und haben eine Verdrängung von 3200 Tonnen. Ab 2025 sollen diese Boote durch die größeren Neubauten des Neubauprogramms „SEA 1000“ ersetzt werden.

Mit dpa

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Foto: Das Gelände von ThyssenKrupp Marine Systems in Kiel.

Der auch von ThyssenKrupp umworbene Milliardenauftrag für australische U-Boote geht in die entscheidende Phase. Am Dienstag begann nach Informationen der Zeitung „Australian“ der Sicherheitsausschuss des Kabinetts mit den abschließenden Beratungen.

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