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Vom richtigen Riecher für Käse

Schafs- und Ziegenprodukte Vom richtigen Riecher für Käse

Großer Menschenauflauf im Revier von Zicklein Liese: Am Mittwoch eröffnete die Käsestraße Schleswig-Holstein die Saison für Schafs- und Ziegenkäse auf dem Söruper Hof der Familie Jahnke. Acht Betriebe aus der Region zeigten ihre Spezialitäten, die zwischen April und November frisch auf dem Markt sind.

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Das Ziegenmilcheis von Cindy Jahnke aus Sörup wurde mit dem Gütezeichen der Landwirtschaftskammer ausgezeichnet. Zicklein Liese scheint es auch zu schmecken.

Quelle: Sven Janssen

Sörup. „Wir wollen die traditionelle Herstellung von Käse wahren“, sagte Käserin Cindy Jahnke. „Das ist eine Handwerkskunst.“ Gemeinsam mit den anderen Mitgliedern der Käsestraße wies sie auf die Vielfalt der Käsespezialitäten im Land hin. Tatsächlich ist die Produktpalette groß: Von der Ziegen-Camembertrolle über Hartkäse mit Pinienrauch über Quark und Frischkäse haben die heimischen Erzeuger alles im Angebot. Janne Rehder aus Boksee hat sogar Hand- und Gesichtscreme mit Ziegenmilch im Sortiment.

 Der Absatz von Ziegen- und Schafmilchprodukten ist in den vergangenen zehn Jahren stetig gestiegen. „Die Produkte sind nicht nur eine gute Alternative für Kuhmilch-Allergiker, sondern ziehen immer mehr Genießer an“, so Jahnke. Ziegenmilch sei besonders leicht verdaulich und gelte als reich an Vitaminen und Spurenelementen. Schafmilch sei wertvoll für den Schutz und Aufbau des Immunsystems.

Foto: Ziegenlamm, Kitz oder Zicklein heißt der frisch geborene Nachwuchs, der keck die Welt erkundet.

Ziegenlamm, Kitz oder Zicklein heißt der frisch geborene Nachwuchs, der keck die Welt erkundet.

Quelle: Sven Janssen

 Während die Rinderwirte derzeit stark unter den niedrigen Supermarkt-Preisen für Käse leiden, ist die Situation bei den Schaf- und Ziegenbauern entspannter. Weil es sich nach wie vor um Nischenprodukte handele, sei man unabhängiger von Marktpreisen als die Milchkuh-Betriebe, sagte Jahnke. „Die meisten von uns sind Direktvermarkter und wir können die Preise selbst bestimmen“, sagte die 42-Jährige. „Aber wir müssen die Verantwortung auch komplett selbst übernehmen.“

 Vor 14 Jahren hat ihre Familie mit vier deutschen Edelziegen angefangen, damals stellte sie nur Frischkäse her. Heute melken Wolfgang Jahnke und sein Sohn Marten zweimal am Tag die 60 Mutterziegen, dabei kommen im Schnitt 125 Liter zusammen. 1,5 Tonnen Käse und 600 Kilo Eis haben Jahnkes im vergangenen Jahr produziert. Im Familienbetrieb gibt es eine klare Arbeitsteilung: „Mein Mann kümmert sich um das liebe Vieh, ich um den Käse und das Marketing.“

 Ihr Ziegenmilcheis wurde am Dienstag mit dem Gütezeichen „Geprüfte Qualität Schleswig-Holstein“ der Landwirtschaftskammer ausgezeichnet, das Siegel tragen hochwertige Produkte aus der Region. Es habe bei der Qualitätsprüfung in allen Punkten Bestwerte erhalten, sagte Claus Heller, Präsident der Landwirtschaftskammer. Das Eis haben Jahnkes seit rund zwei Jahren im Sortiment. Mango, Sesam-Karamell oder Schokolade-Minze: Sieben Sorten gibt es inzwischen, zum Hoffest im Sommer soll eine neue Kreation dazukommen. Die Jahnkes verkaufen ihre Ware im eigenen Hofladen, auf Märkten und an die gehobene Gastronomie.

Foto: Mate Solterbach präsentierte eine Produktauswahl aus Käse und Joghurt vom Milchschafhof Solterbeck.

Mate Solterbach präsentierte eine Produktauswahl aus Käse und Joghurt vom Milchschafhof Solterbeck.

Quelle: Sven Janssen

 „Der Verbrauchertrend, authentische Produkte aus der Nachbarschaft zu kaufen, ist seit einigen Jahren ungebrochen“, sagte Claus Heller. „Die Direktvermarktung erfüllt mit Hofläden auf dem landwirtschaftlichen Betrieb den zunehmenden Wunsch der Verbraucher nach Transparenz, Nachhaltigkeit und Landerlebnis.“ Die Herkunft von Lebensmitteln stehe im Fokus, sagte auch Malte Solterbeck, der in Owschlag einen Bio-Milchschafhof betreibt: „Die Regionalität gerät immer stärker in den Vordergrund. Früher war die erste Frage häufig: Ist das Bio? Heute interessiert die Kunden mehr, ob der Käse aus der Nähe kommt.“

 Auch die saisonalen Unterschiede im Angebot sind ein Thema: „Viele Kunden wollen wissen, warum es im Winter wenig Schafs- und Ziegenkäse gibt“, sagt Annemarie Rohde vom Hohenlockstedter Meierhof Möllgaard. „Die meisten haben aber Verständnis, wenn man ihnen das erklärt.“ Die Winterpause ist biologisch bedingt. In den ersten Monaten des Jahres – vor der Lammzeit – stehen die Tiere trocken, das heißt sie geben dann keine Milch. Kommt wieder welche, so ist die erst mal den Lämmern vorbehalten, bevor sie literweise in die Käseproduktion gehen kann. Bis zum Herbst haben die Hofläden die heimischen Ziegen- und Schafskäse jetzt aber wieder im Angebot.

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Ein Artikel von
Anne Holbach
Wirtschaftsredaktion

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