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Lotsen geht der Nachwuchs aus

Schifffahrt Lotsen geht der Nachwuchs aus

Die Krise in der Seeschifffahrt beschert nun auch den neun Lotsenbrüderschaften zwischen Emden und Stralsund ungeahnte Probleme. Ab 2020 droht auf See ein Mangel an Lotsen, weil der Nachwuchs fehlt.

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Arbeitsplatz auf dem Wasser: Die Lotsen streben eine eigene Ausbildung an.

Quelle: Frank Behling

Hamburg. Die Brüderschaften rechnen in den kommenden Jahren mit einem massiven Rückgang der Bewerberzahlen. Gleichzeitig steigt die Zahl derjenigen, die von Bord gehen, weil sie die Altersgrenze von 65 Jahren erreichen. Mit einer Reform der Ausbildung soll gegengesteuert werden.

 Zusammen mit dem Bundesverkehrsministerium arbeiten die Lotsen bereits an einer Novelle. Ziel ist eine Änderung des Seelots-Gesetzes, in dem die Einstellungskriterien festgelegt sind. Zukünftig sollen Schulabgänger auch direkt nach dem Abitur mit der Ausbildung beginnen können.

 „Wir müssen heute etwas tun, damit wir in sechs Jahren nicht vor großen Problemen stehen“, sagt Kapitän Hans-Hermann Lückert, der Vorsitzende der Bundeslotsenkammer. Rund 870 See- und Hafenlotsen gibt es an Nord- und Ostsee. Etwa 40 davon gehen pro Jahr in den Ruhestand. Bislang wurden diese Lotsen durch ausgebildete Kapitäne aus der deutschen Handelsflotte ersetzt. Doch dieser Nachwuchs bleibt zunehmend aus. Der Grund: Immer mehr Reeder ersetzen ihre deutschen Offiziere und Kapitäne durch billigere Nautiker aus Asien oder Osteuropa. Und das bleibt nicht ohne Folgen. An den Hochschulen brechen die Zahlen der Studienanfänger im Bereich Nautik fast überall dramatisch ein.

 „In diesem Jahr gibt es nur noch etwa 180 Studienanfänger an den Seefahrtschulen. Erfahrungsgemäß kommen davon aber nur 20 Prozent später auch in die Seefahrt. Wenn das so eintritt, stehen uns in sechs Jahren gerade mal 40 neue Nautiker für die gesamte deutsche Schifffahrt zur Verfügung. Das ist zu wenig“, warnt Lückert. Zusammen mit dem Verkehrsministerium ist deshalb eine Änderung des Seelotsgesetzes in Planung. Damit das Qualifikationsniveau auch zukünftig erreicht wird, werde angestrebt, einen möglichen Mangel bei der individuellen Eingangsqualifikation durch Dauer und Inhalt des Ausbildungsbedarfs zu kompensieren. Denkbare Bewerbergruppen seien auch Schulabgänger, teilte das Ministerium auf Anfrage der Bundestagsabgeordneten Valerie Wilms (Grüne) mit. „Wir müssen die maritime Ausbildung neu aufstellen. Dazu gehört auch die Reform der Seelots-Ausbildung. Passiert hier nichts, bekommen staatliche Einrichtungen im maritimen Bereich ein echtes Nachwuchsproblem. Bund und Küstenländer müssen sich jetzt auf zukunftsfähige Lösungen verständigen“, sagte Wilms kn-online.

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Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

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Die Lage in der Schifffahrt ist dramatisch. Und in Deutschland wird zwar viel darüber diskutiert, wie den Reedereien geholfen werden kann, aber bislang zu wenig an die Menschen gedacht, die auf den Schiffen arbeiten. Nun brechen die Zahlen der Erstsemester an den Seefahrtsschulen dramatisch ein.

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