15 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Angelernter wird zur Fachkraft

Schleswig-Holstein Angelernter wird zur Fachkraft

Der Fachkräftemangel macht Gastwirten zu schaffen: 58 Prozent der Gastronomie-Betriebe in Schleswig-Holstein konnten im vergangenen Jahr nach Angaben der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Kiel ihre Ausbildungsplätze nicht besetzen.

Voriger Artikel
Schiffbau-Zulieferer vor schwierigen Zeiten
Nächster Artikel
Werft baut größte U-Boote ihrer Geschichte

Ohne Ausbildung am Herd: Rund ein Drittel der Beschäftigten in der Gastronomie haben ihren Beruf nicht gelernt. Mit einem neuen Weiterbildungsprogramm können sich Restaurant-Mitarbeiter auf eine IHK-Externenprüfung, beispielsweise als Koch, vorbereiten.

Quelle: Fotolia

Kiel. Und das, obwohl Kochsendungen das Image der Berufsbilder aufpoliert hätten, allerdings nicht besonders realitätsnah, wie IHK-Ausbildungsleiter Hans Joachim Beckers betonte. Angesichts der Probleme bei der Nachwuchsgewinnung rückt nun auch die Bindung von Mitarbeitern an ihre Unternehmen in den Vordergrund: Mit der landesweiten Initiative „Profi-Gastgeber“, die am Dienstag vorgestellt wurde, sollen ab Januar 2016 un- und angelernte Beschäftigte zu Fachkräften mit Abschluss weitergebildet werden.

 Das Projekt wird von der Bundesagentur für Arbeit, dem Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) sowie den IHKen im Land gemeinsam getragen. 45 Teilnehmer können sich im Rahmen der Initiative an drei Standorten in Kiel, Lübeck und Husum auf eine IHK-Externenprüfung zum Koch oder zur Fachkraft im Gastgewerbe vorbereiten, erläuterte die Regionaldirektorin der Bundesagentur für Arbeit, Margit Haupt-Koopmann. „Qualifizierung ist das Gebot der Stunde für diejenigen, die keinen Abschluss haben.“

 Die Kosten dafür übernimmt die Bundesagentur mit ihrem sogenannten Wegebau-Programm (Weiterbildung Geringqualifizierter und beschäftigter älterer Arbeitnehmer). Insgesamt 750.000 Euro stünden bereit, sagte Haupt-Koopmann. Besonderer Anreiz: Die beteiligten Arbeitgeber bekommen die weiterbildungsbedingten Ausfallzeiten ihrer Mitarbeiter erstattet. „Im Gegenzug verpflichten sich die Unternehmen, die Beschäftigten auch in den Wintermonaten zu beschäftigen.“

 Insgesamt 640 Schulstunden Unterricht umfasst die Vorbereitung auf die Prüfung, erklärte Matthias Dütschke von der Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein. Da alle Teilnehmer Vorerfahrungen mitbringen, sieht der Kursus ein recht straffes Tempo vor. Gelernt wird außerhalb der Saison, von Januar bis Mitte März, jeweils von montags bis donnerstags. Zum Wochenende können die Beschäftigten also weiterhin in den Betrieben mitarbeiten. „Wir sehen in den angelernten Mitarbeitern einen Rohdiamanten, aus dem eine vollwertige Kraft werden soll“, sagte Dütschke.

 Nur rund zwei Drittel der rund 130.000 Beschäftigten in der Gastro-Branche sind laut Arbeitsagentur qualifizierte Fachkräfte. „Gerade die Un- und Angelernten sind die potenziellen Arbeitslosen und Langzeitarbeitslosen von morgen“, sagte Haupt-Koopmann mit Blick auf die saisonale Schwankung. Wer die Prüfung ablege, erhöhe seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Außerdem gibt es finanzielle Anreize. Axel Strehl, Präsident des Dehoga in Schleswig-Holstein, sieht Vorteile für alle Beteiligten: „Qualifizierte Mitarbeiter bekommen mehr Geld, die Betriebe haben besser ausgebildetes Personal und davon profitieren natürlich auch die Gäste.“

 Zwischen 2010 und 2015 ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Hotel- und Gaststättengewerbe landesweit von 30.800 auf 36.600 gestiegen. Trotzdem mache sich der Fachkräftemangel insbesondere in ländlichen Gegenden bemerkbar, sagte Strehl. „Wenn man die Zahlen betrachtet, kneift der Schuh an manchen Stellen ordentlich.“ 67 Prozent der Unternehmen sehen im Fachkräftemangel sogar ein Geschäftsrisiko, heißt es bei der IHK.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Thomas Paterjey
Lokalredaktion Kiel/SH

Mehr aus Nachrichten: Wirtschaft 2/3