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Anteil der befristeten Jobs geht zurück

Schleswig-Holstein Anteil der befristeten Jobs geht zurück

Die stabile Lage am Arbeitsmarkt wirkt sich auch auf die Art der Beschäftigungsverhältnisse aus: 2014 hatte nur noch jeder zwölfte Arbeitnehmer ab 25 Jahren einen befristeten Job; der Anteil solcher Arbeitsverträge ging bundesweit seit 2011 von 8,9 auf 8,1 Prozent zurück. Das geht aus Angaben des Statistischen Bundesamtes hervor, die die Bundesbehörde jetzt auf ihrer Homepage veröffentlichte.

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Schwierige Zukunftsperspektive: In kaum einer Branche ist der Anteil der Beschäftigten mit Zeitverträgen so hoch wie in der Gastronomie. Im Norden beträgt der Anteil bis zu 50 Prozent.

Quelle: Martin Gerten/dpa

Kiel. Obwohl derzeit keine Zahlen für Schleswig-Holstein erfasst sind, kann Sebastian Schulze vom Unternehmensverband Nord (UV Nord) diesen Trend nur unterstreichen: „Wir beobachten seit etwa zwei Jahren, dass die Arbeitgeber im Norden verstärkt unbefristete Verträge anbieten.“ Der UV-Nord-Geschäftsführer kennt den Grund: „Aufgrund des Fachkräftemangels müssen die Unternehmen ihren Mitarbeitern einfach gute Angebote unterbreiten, um sie zu halten.“

 Dies gelte allerdings nicht für alle Branchen: „Dort, wo Auftragsspitzen abgefedert werden müssen, wird auch weiterhin befristet eingestellt.“

 Weit verbreitet sind solche Arbeitsverträge beispielsweise in der Gastronomie. Nach Angaben von Stefan Scholtis, Geschäftsführer vom Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) in Schleswig-Holstein, beträgt hier der Befristungsanteil bis zu 50 Prozent. „Viele Betriebe würden ihren Beschäftigten liebend gerne langfristige Perspektiven bieten“, sagt Scholtis. Das Problem sei jedoch die durch den Mindestlohn eingeführte Arbeitszeitdokumentation. Eine Festlegung der täglichen Arbeitszeit auf acht Stunden habe jedoch zur Folge, dass nun eher wieder befristet eingestellt werde, um Arbeitszeitspitzen abzudecken. „Wir fordern deshalb eine Flexibilisierung der Arbeitszeit, ohne dabei die Wochenarbeitszeit zu erhöhen. Viele Mitarbeiter würden da mitmachen und viele Verträge auch entfristet werden können“, betont Scholtis.

 Beim Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), mit mehr als 12000 Beschäftigten der größte Arbeitgeber in Schleswig-Holstein, hat sich der Bundestrend bestätigt: „Die Zahl der befristet Beschäftigten ist seit 2011 um etwa 1,2 Prozent gesunken“, sagt ein Sprecher. Allerdings sei die Quote von Zeitverträgen am UKSH mit derzeit 22,4 Prozent schon deswegen „überproportional hoch“, weil wegen der ärztlichen Ausbildung, der Aufgaben in Forschung und Lehre sowie der Drittmittelforschung generell Befristungen üblich seien.

 Das ist an der Uni Kiel noch drastischer: Aufgrund der verstärkt eingeworbenen Drittmittel und dem chronisch unterfinanzierten Grundhaushalt sind 88 Prozent der Wissenschaftler im akademischen Mittelbau laut Uni-Pressestelle befristet eingestellt. Erwartet werde jedoch nach dem Beschluss der Landesregierung, die Hochschulfinanzierung spürbar zu verbessern, eine „leichte Verbesserung der Quote unbefristet Beschäftigter“, ergänzt die Sprecherin.

 Generell treffen Verträge auf Zeit vor allem jüngere Menschen: Mit 17,2 Prozent war der Anteil bei den 25- bis 34-Jährigen mehr als doppelt so hoch. „Befristete Angebote treffen damit vor allem die Menschen, die sich gerade in der Familiengründung befinden“, sagt Karin Schulze Buschoff vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut der gewerkschaftsnahen Hans- Böckler-Stiftung. Der Berufseinstieg gestalte sich damit häufig schwierig.

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Ein Artikel von
Jan von Schmidt-Phiseldeck
Wirtschaftsredaktion

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