21 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Der Hilferuf der Spediteure

Schleswig-Holstein Der Hilferuf der Spediteure

Mehr als 1100 unbesetzte Arbeitsplätze stellen die Speditionsunternehmen im Land vor massive Probleme. Verbandsgeschäftsführer Thomas Rackow will jetzt gezielt in Griechenland und Spanien Fachkräfte für Schleswig-Holstein anwerben, setzt dabei aber auf das Engagement der Landesregierung.

Voriger Artikel
Jungunternehmer wollen nicht aufgeben
Nächster Artikel
Neue Elbfähre Brunsbüttel-Cuxhaven startet nächste Woche

Fernfahrer bei der Arbeit. Im modernen Lastkraftwagen ist sein Arbeitsplatz hochtechnisiert. Trotzdem werden die Fachkräfte knapp. Die Arbeitgeber warten auf Licht am Ende des Tunnels.

Quelle: imago

Kiel. „Niemand verlangt, dass sich der Ministerpräsident in Personalbüros in Athen oder Madrid hinter den Tresen stellt“, sagt Rackow. Entscheidend sei, dass die politisch Verantwortlichen den Zuzug von Arbeitskräften aktiv unterstützen. Die Leitung solcher Rekrutierungsstellen könnte an Agenturen vergeben werden. „Unser Land hat so viel zu bieten. Das muss man auf anderen Arbeitsmärkten deutlicher herausstellen“, sagt der Logistiker. Als „Bindeglied“ zwischen Skandinavien und Europa sei Schleswig-Holstein von immenser Bedeutung, so Rackow. Der Landesgeschäftsführer des Speditionsverbandes ist von seinem Konzept überzeugt. „Rheinland-Pfalz hat bereits ein ähnliches Programm gestartet“, sagt Rackow. „Gemeinsam mit der Uni Ludwigshafen wird im Rahmen der Logistik-Ausbildungsbrücke Spanien–Rheinland-Pfalz jungen Menschen angeboten, nach Deutschland zu kommen.“

 Die Ausbildung ausländischer Jugendlicher ist laut Wirtschaftsministerium eine Möglichkeit zur Personalgewinnung, die im Land bereits von einzelnen Handwerkskammern unterstützt wird. Dennoch bleibe es primär die Aufgabe der Unternehmen selbst, die Personalpolitik zukunftsfest zu machen und bedarfsgerecht auszubilden. Ministeriumssprecherin Birte Pusback: „Ein besonderes Problem der Logistikbranche ist offenbar, dass die Ausbildungsplätze nur teilweise besetzt werden können.“ Spürbar sei, dass der Konkurrenzdruck auch zwischen den Branchen wachse. „Trotz starker Bemühungen, den Berufskraftfahrerjob attraktiv darzustellen, besteht weiterer Handlungsbedarf im Hinblick auf attraktive Arbeitsbedingungen“, so Pusback.

 Der CDU-Verkehrsexperte Hans-Jörn Arp lobt den Vorstoß des Speditionsverbandes: „Das Problem des Fachkräftemangels in der Branche ist bereits enorm und wird sich weiter verschärfen, wenn nichts dagegen unternommen wird. Daher würden wir diesen Vorschlag sofort unterstützen – auch parlamentarisch.“ Christopher Vogt (FDP) fürchtet zwar, dass Anwerbemaßnahmen von Arbeitskräften in anderen Ländern Europas nicht leicht umzusetzen sind, „aber wir werden nicht darum herumkommen, wenn wir die stetig größer werdende Fachkräftelücke auch nur halbwegs schließen wollen.“ Hier seien Arbeitsagentur und Landesregierung gefragt. Zugleich müsse aber auch die Ausbildung von Fachkräften im Land verbessert werden. „Den Vorwurf, dass die Landesregierung den Wirtschaftsstandort zu wenig bewerbe, kann ich nur unterschreiben“, sagt Vogt. Die Verkehrspolitik sei eine Katastrophe und schrecke potenzielle Investoren, Touristen und Jobsuchende ab. „Und die neue Dachmarke ,Der echte Norden’ macht unser Bundesland im Rest der Republik eher lächerlich, als dass es ein ernsthaftes Interesse wecken würde“, kritisiert der FDP-Wirtschaftsexperte.

 Die Grünen plädieren grundsätzlich für „mehr Mobilität auf dem europäischen Arbeitsmarkt“, sagt Fraktionsvize Rasmus Andresen. Wirtschaft, Gewerkschaften und Politik seien in der Verantwortung, Arbeitnehmern aus anderen Ländern in Schleswig-Holstein einen guten Start zu ermöglichen. Andresen: „Um mehr qualifizierte Menschen aus anderen Ländern für uns zu gewinnen, müssen wir weiter nachlegen.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Veranstaltung in...

Aktuelle
Veranstaltungen
und Tagestipps!

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Anzeige
Mehr zum Artikel
800 Fahrer fehlen
Foto: Fahrermangel: Viele Betriebe im Norden suchen Personal.

Den Speditionen im Norden geht das Personal aus: Landesweit fehlen den 620 Unternehmen mehr als 800 Fahrer sowie 300 Disponenten, Lageristen und IT-Fachleute. „Wir müssen gezielt als Wirtschaftsstandort Schleswig-Holstein für uns werben und Personalbüros in EU-Ländern mit hoher Arbeitslosigkeit eröffnen, um Fachkräfte zu gewinnen“, sagt Thomas Rackow, Landesgeschäftsführer des Speditionsverbandes.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Nachrichten: Wirtschaft 2/3