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Die Geduld der Postkunden schwindet

Schleswig-Holstein Die Geduld der Postkunden schwindet

Der seit zweieinhalb Wochen andauernde Poststreik wird für viele Verbraucher zur Geduldsprobe. Ob Bewerbungsschreiben, die nicht ankommen, Konzerttickets oder Rechnungen, für die Mahngebühren drohen — vor allem Privatleuten machen die Folgen des Tarifkonflikts zu schaffen.

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Der seit zweieinhalb Wochen andauernde Poststreik wird für viele Verbraucher zur Geduldsprobe.

Quelle: dpa

Kiel. Zu einem tragischen Opfer dieses Arbeitskampfes gehört eine schwangere Frau aus Nordrhein-Westfalen, bei der zwischen Herz und Lunge ein Tumor festgestellt wurde. Gutartig oder bösartig? Die Antwort auf diese existenzielle Frage kann sich noch lange hinziehen, denn der Brief mit dem Probenmaterial, den ein Pathologe aus Paderborn am 8. Juni zur Untersuchung nach Kiel schickte, ist beim Empfänger bis Mittwoch nicht angekommen. „Ich vermute, dass sich die Probe im Briefzentrum Wellsee befindet, doch konnte die Post uns diese wichtige Sendung bislang nicht herausgeben“, sagt Dr. Wiebke Franz vom Kieler Institut für Hämatopathologie. Auch andere Einrichtungen melden inzwischen Probleme beim Versand von Untersuchungsmaterial: „Bei uns kommt es zu Verzögerungen“, sagt Oliver Grieve, Sprecher des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein.

Post-Sprecher Jens-Uwe Hogardt bedauert zwar derart gravierende Folgen des Streikes, sieht aber wenig Möglichkeiten, diese abzuwenden: „Wir steuern mit zusätzlichem Personal gegen, können Verzögerungen aber nicht verhindern.“ Auch sei es kaum möglich, einzelne Brief aus der Masse der Sendungen herauszufiltern. Zudem sei es durchaus denkbar, dass die Gewebeprobe aus Paderborn bis heute den Versandort nicht verlassen habe.

Die Post bittet um Geduld, weist darauf hin, dass streikbedingt keine Sendung verschütt gehe – und verweist erneut darauf, dass trotz des Ausstandes von aktuell 26300 der insgesamt 140000 Mitarbeiter rund 80 Prozent der Briefe und Pakete pünktlich ankommen. Manche Privatkunden wollen sich darauf aber offenbar nicht verlassen und weichen auf Alternativen aus. So registrieren Post-Konkurrenten einen deutlich größeren Zulauf von Privatkunden in ihren Shops, aber auch zunehmende Anfragen kleiner und mittlerer Firmen, wie der Vorsitzende des Bundesverbandes der Kurier-Express-Post-Dienste, Andreas Schumann, berichtet. Dessen ungeachtet, will Verdi den seit 8. Juni andauernden Arbeitskampf auch im Norden weiter ausdehnen. „Noch gibt es weiße Flecken. Unser Ziel ist es, Schleswig-Holstein flächendeckend zu bestreiken“, sagt der zuständige Gewerkschaftssekretär Thomas Ebeling. Gestern befanden sich landesweit 1700 Postler im Ausstand, darunter die Mitarbeiter der Briefzentren Wellsee, Elmshorn, Lübeck sowie des Paketzentrums Neumünster. In Wellsee (4,2 Millionen Sendungen in der Woche)musste bereits ein Zelt errichtet werden, um den Poststau zwischenzulagern.

Unterdessen zieht Verdi erneut gegen den Einsatz von Beamten auf bestreikten Arbeitsplätzen vor Gericht. Begründung: Die Verwendung von Beamten, die sich ausdrücklich weigerten, sei ungesetzlich.

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Ein Artikel von
Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

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