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Nord-Spediteure wollen Griechen anwerben

800 Fahrer fehlen Nord-Spediteure wollen Griechen anwerben

Den Speditionen im Norden geht das Personal aus: Landesweit fehlen den 620 Unternehmen mehr als 800 Fahrer sowie 300 Disponenten, Lageristen und IT-Fachleute. „Wir müssen gezielt als Wirtschaftsstandort Schleswig-Holstein für uns werben und Personalbüros in EU-Ländern mit hoher Arbeitslosigkeit eröffnen, um Fachkräfte zu gewinnen“, sagt Thomas Rackow, Landesgeschäftsführer des Speditionsverbandes.

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Fahrermangel: Viele Betriebe im Norden suchen Personal.

Quelle: imago

Kiel. Die Lage in seiner Branche spitze sich zu: „Kein Tag vergeht ohne Anrufe von Unternehmen, die nach Personal fragen, doch weder der Verband noch die Agentur für Arbeit können helfen“, sagt Rackow. Lediglich 100 neue Berufskraftfahrer schlössen jedes Jahr ihre Ausbildung in Schleswig-Holstein ab. „Das sind 700 zu wenig“, klagt der Logistik-Chef. Der Personalmangel werde sich in den kommenden Jahren noch verschärfen: „70 Prozent unserer landesweit 7000 Kraftfahrer sind über 50 Jahre alt. Wenn sich nichts ändert, bedeutet das, dass uns in 15 Jahren 4000 Fahrer pro Jahr fehlen werden“, sagt Rackow.

 Der Verbandsgeschäftsführer will jetzt neue Wege einschlagen: „Wir müssen gezielt in Ländern Personal akquirieren, in denen die Arbeitslosigkeit hoch ist.“ Griechenland und Spanien seien dafür favorisierte Länder. Rackow will dort Personalbüros einrichten. „Die Landesregierung muss uns unterstützen und gegebenenfalls mit anderen Branchen, die unter Fachkräftemangel leiden, im Ausland aktiv für die Wirtschaftsregion Schlewig-Holstein werben“, fordert Rackow.

 Das Wirtschaftsministerium reagiert verhalten: Der Standort werde bereits „intensiv und facettenreich“ beworben. „Die Landesdachmarke ,Schleswig-Holstein. Der echte Norden’ ist ein wichtiges und bereits gut etabliertes Instrument. Wir positionieren uns damit im Wettbewerb der Regionen um Unternehmensansiedlungen und Fachkräfte“, sagt Ministeriumssprecherin Birte Pusback. Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, habe das Land zudem die Initiative „Zukunft im Norden“ ins Leben gerufen. Auch dort werde über die Notwendigkeit diskutiert, den Bedarf an Personal durch Zuwanderung zu decken. „Dafür gibt es das Willkommensportal make-it-in-germany.com, an dem sich Schleswig-Holstein beteiligt.“

 Den Speditionsverband reicht das nicht: Interessierten müsse im Ausland ein persönlicher Betreuungsservice angeboten werden, der bei der Wohnungssuche in Schleswig-Holstein helfe, beim Umschreiben von Führerscheinen assistiere und Sprachkurse vermittele. „Nachwuchs von Fachkräften ist für uns, aber auch für viele andere Branchen überlebenswichtig“, sagt der Speditions-Chef. Ohne Engagement der Landesregierung drohe nicht nur die Abwanderung von Transportunternehmen. Auch produzierendes Gewerbe werde sonst nach wirtschaftlich besser vernetzten Standorten suchen.

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Foto: Fernfahrer bei der Arbeit. Im modernen Lastkraftwagen ist sein Arbeitsplatz hochtechnisiert. Trotzdem werden die Fachkräfte knapp. Die Arbeitgeber warten auf Licht am Ende des Tunnels.

Mehr als 1100 unbesetzte Arbeitsplätze stellen die Speditionsunternehmen im Land vor massive Probleme. Verbandsgeschäftsführer Thomas Rackow will jetzt gezielt in Griechenland und Spanien Fachkräfte für Schleswig-Holstein anwerben, setzt dabei aber auf das Engagement der Landesregierung.

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