21 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Sparkassen steigern Jahresüberschuss massiv

Schleswig-Holstein Sparkassen steigern Jahresüberschuss massiv

Die robuste Konjunktur und der Wohnungsbau verhelfen den Sparkassen im Norden zu einem satten Plus. Verbandspräsident Boll spricht von einem „dollen Ergebnis“. Der Ausblick fällt positiv aus.

Voriger Artikel
Sparkassen sehen gute Chancen für Verkauf der HSH Nordbank
Nächster Artikel
Flugzeug-Oldtimer feiert 80. Geburtstag

Die gute Konjunktur im Norden sorgt bei den Sparkassen in Schleswig-Holstein für ordentliche Gewinne.

Quelle: Bodo Marks/dpa

Kiel. Eine robuste Konjunktur und der Immobilienboom als Treiber: Die 13 Sparkassen im Norden haben das Geschäftsjahr 2015 mit einem Jahresüberschuss von 123 Millionen Euro abgeschlossen. „Ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden, das war so nicht zu erwarten“, sagte am Mittwoch Verbandspräsident Reinhard Boll auf der Bilanz-Pressekonferenz. Der Sparkassen- und Giroverband Schleswig-Holstein sei zudem der einzige Regionalverband, der ein steigendes Ergebnis vermelden könne. Alle Banken würden vor den selben Herausforderungen wie der andauernden Niedrigzinsphase oder dem Wandel im digitalen Kundenverhalten stehen, „aber wir schaffen das, alle unsere Sparkassen schaffen das“, betonte Boll.

Insbesondere die starke Kreditnachfrage im Wohnungsbau um 28 Prozent auf drei Milliarden Euro habe den Sparkassen im Vergleich zu 2014 glänzende Geschäfte beschert. Auf der anderen Seite würden die Institute die steigenden Immobilienpreise „ein bisschen mit Sorge“ betrachten, sagte Boll: „Eine Immobilienblase wäre auch in Schleswig-Holstein möglich, in Hamburg ist der Markt schon überhitzt. Die Preise explodieren, werden aber noch bezahlt.“ Deshalb müssten die Sparkassen die Risiken neu bewerten und verstärkt das Eigenkapital des Käufers in den Fokus nehmen. „Eine 100-prozentige Finanzierung kann in diesen Zeiten einfach ein zu hohes Risiko für den Kreditgeber sein“, sagte Boll und ergänzte: „Für die Zukunft brauchen wir die Erträge von heute.“

Weniger Filialen, weniger Mitarbeiter, weitere Fusionen wie die der Sparkasse Hohenwestedt mit der Fördesparkasse, die im Juli umgesetzt werden soll: „Die Sparkassen haben eine gute Zukunft vor sich, müssen aber am Markt bestehen und werden das Vertriebssystem weiter digitalisieren.“ Die künftige Zahl der Filialen gebe der Kunde durch sein Verhalten vor: „Wenn eine Geschäftsstelle kein Geld mehr verdient, kann sie auch nicht dauerhaft vorgehalten werden. Und das kann dann auch Stellen kosten, wobei uns bei einem Abbau der demografische Wandel in die Karten spielt.“ Trotz anhaltender Niedrigzinsen müssten Sparkassen-Kunden keine Minuszinsen fürchten, sagte Boll. Die Entscheidungen träfen allerdings die regionalen Sparkassen. „Mein Eindruck ist aber, dass es im Privatkundengeschäft nicht kommen wird.“ Gleiches gelte für Firmenkunden. Ausnahme könnten aber Groß- und institutionelle Kunden sein.

In der Diskussion um eine mögliche Fusion des öffentlichen Versicherers Provinzial mit anderen Versicherern oder Bausparkassen (wir berichteten) hat Boll eine klare Meinung: „Es gibt zu viele dezentrale Einheiten, deshalb wird es zu Konsolidierungen kommen.“ Allerdings würden aufgrund der Eigentümerstrukturen zum Beispiel der Provinzial logische Zusammenschlüsse erschwert: „Kostenvorteilseffekte treten hinter regionalen Befindlichkeiten zurück, obwohl sie sinnvoll sein würden“, sagte Boll. Die Sparkassen halten an der Provinzial Nordwest 18 Prozent, der Sparkassenverband Westfalen-Lippe und die Westfälisch-Lippische Vermögensverwaltungsgesellschaft je 40 Prozent.

Und auch einen Verkauf der HSH Nordbank an Finanzinvestoren oder internationale Privatbanken hält Boll für möglich: „Wir wären froh, wenn ein Verkauf zustandekommt und wir dann auch unseren Anteil von 5,31 Prozent verkaufen könnten.“ Allerdings sei noch „nichts in trockenen Tüchern“.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Jan von Schmidt-Phiseldeck
Wirtschaftsredaktion

Veranstaltung in...

Aktuelle
Veranstaltungen
und Tagestipps!

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Anzeige
Mehr zum Artikel
Kommentar

Hohe Kundeneinlagen zur Refinanzierung von Krediten garantierten den Sparkassen viele Jahre lang ein auskömmliches Geschäftsmodell. Doch in Zeiten von negativen Zinsen für Einlagen bei der Europäischen Zentralbank steht dieses Modell vor dem Aus.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Nachrichten: Wirtschaft 2/3