15 ° / 8 ° Regenschauer

Navigation:
Gastronomie leidet unter Fachkräftemangel

Schleswig-Holstein Gastronomie leidet unter Fachkräftemangel

Kochshows im Fernsehen haben das Berufsbild aufpoliert, trotzdem fehlt den Gastronomen der Nachwuchs. Um den Personalmangel zu entschärfen, will Schleswig-Holstein ungelernte Beschäftigte zu Fachkräfte ausbilden.

Voriger Artikel
Schleswig-Holstein leidet an Gastronomie-Fachkräftemangel
Nächster Artikel
Schiffbau-Zulieferer vor schwierigen Zeiten

In der Gastronomie fehlen Fachkräfte.

Quelle: Roland Weihrauch/dpa

Kiel. Der Fachkräftemangel in der Gastronomie macht Schleswig-Holstein schwer zu schaffen. Im vergangenen Jahr konnten nach Angaben der Industrie- und Handelskammer Kiel (IHK) 58 Prozent der Ausbildungsbetriebe in der Gastronomie ihre Lehrstellen nicht besetzen.

„Wenn man die Zahlen betrachtet, kneift der Schuh an manchen Stellen ordentlich“, sagte der Präsident des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) in Schleswig-Holstein, Axel Strehl, am Dienstag in Kiel. 67 Prozent der Unternehmen sehen nach Angaben der IHK den Fachkräftemangel als Geschäftsrisiko. Besonders in den ländlichen Regionen sei der Fachkräftemangel massiv.

Um gezielt Nachwuchs zu werben, wolle man das Image des Gastgewerbes aufpolieren und den Beruf trotz unattraktiver Arbeitszeiten und Bezahlung aufwerten. „Klar ist, dass die Kochsendungen den Beruf durchaus interessant machen“, sagte der Ausbildungsleiter der IHK, Hans Joachim Beckers. Doch sei das aber laut den Fachleuten nicht die Realität.

„Es sind kreative Berufe, mit viel Menschenkontakt“, sagte Arbeitsagenturchefin Margit Haupt-Koopmann. Es sei in Zukunft verstärkt Aufgabe der Branche und der einzelnen Unternehmen, die Vorteile für Nachwuchskräfte zu betonen und mehr Schulpraktika anzubieten. „Die schwarzen Schafen“ der Branche würden aber das eigentlich positive Image der Gastronomie überstrahlen.

Der Deutsche Gewerkschaftbund Nord (DGB Nord) erklärte hingegen, dass der Nachwuchsmangel allein mit fairen Lohn und besseren Ausbildungsbedingungen beseitigt werden könnte. „Das aber wollen manche Gastrobetriebe immer noch nicht wahrhaben“, sagte der DGB-Vorsitzende Uwe Polkaehn. „Wenn der Hotel- und Gaststättenverband sich nicht mehr um gute Arbeit kümmert, wird die Flucht aus diesem Ausbildungssektor anhalten.“

Die landesweite Initiative „Profi-Gastgeber“ soll zusätzlich ab 2016 un- und angelernte Beschäftigte zur Fachkraft qualifizieren. Mit einem Budget von 750000 Euro sollen pro Jahr 45 Beschäftigte ausgebildet werden, sagte Beckers. Damit sollen Beschäftigte ohne Berufsabschluss mit Seminaren und einer Prüfung außerhalb der Saison ausgebildet werden. Die Initiative soll ab Januar 2016 für Köche und Servicekräfte in Kiel, Lübeck und Husum starten.

In Schleswig-Holstein arbeiten rund 130000 Beschäftigte in der Gastronomie, nur zwei Drittel sind laut Arbeitsagentur qualifizierte Fachkräfte. „Die Un- und Angelernten sind die potenziellen Arbeitslosen und Langzeitarbeitslosen von morgen“, sagte Haupt-Koopmann. Mit der Initiative sollen die beteiligten Betriebe deshalb verpflichtet werden, auch im Winter weiter zu beschäftigen. Dadurch sollen langfristig Arbeitsplätze in Schleswig-Holstein gesichert werden.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten: Wirtschaft 2/3