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Sealander Freiheit und Abenteuer

Diese Erfindung könnte die Freizeitbranche revolutionieren: Der Sealander von Daniel Straub ist Caravan und Boot in einem. Ganz kostengünstig ist die Anschaffung allerdings nicht, denn der Schwimmcaravan wird komplett in Handarbeit gefertigt. Noch.

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Der Sealander von Daniel Straub soll die Freizeitbranche revolutionieren. Ans Auto gehängt ist er ein Caravan, auf dem Wasser ein Boot. Durch die Maße 393x168x185 cm erfordert er keinen Boots- und Anhängerführerschein.

Quelle: Lars Franzen

Kiel. Wo ein normaler Caravan an seine Grenzen stößt, setzt der Sealander an: Abgekoppelt vom Auto, lässt sich der Schwimmcaravan in Seen, Flüsse und ins Meer schieben. Ganz ohne Slipanlage, denn Freizeit soll ein gewisses Maß an Freiheit und Flexibilität bieten. „Mir war es wichtig, ein neues Gefühl von Urlaub zu etablieren: Einfach Sachen einpacken, rausfahren und dort, wo es einem gefällt, übernachten und aufs Wasser wechseln“, sagt Daniel Straub und fügt an: „Ohne, dass man dafür zwei Fahrzeuge braucht.“

 Der 32-jährige Industriedesigner hat den schwimmfähigen Caravan vor vier Jahren an der Muthesius-Kunsthochschule in Kiel entwickelt. Und anders als ein Tüftler in den 1960er-Jahren ging er mit seiner Idee nicht baden. Es brauchte allerdings Zeit, um die Vision vom schwimmenden Caravan zu verwirklichen. Der Sealander sollte schließlich die Vorzüge beider Fortbewegungsmittel in sich vereinen: gut auf der Straße und stabil im Wasser liegen, ausreichend Stauraum bieten, hochwertig verarbeitet und mit seinen Materialien resistent gegen Salz und Wasser sein. Bis diese Kriterien alle erfüllt waren, verstrichen zwei Jahre. Vom Prototyp bis zum ersten zugelassenen Schwimmcaravan verging noch ein weiteres, und erstmals vorgestellt wurde das Fahrzeug schließlich auf der Caravan-Messe 2012 in Düsseldorf. Mit Erfolg: Seither gehen bei dem Kieler Start-Up-Unternehmen regelmäßig Aufträge ein.

Vier Wochen vom Auftrag bis zur Auslieferung

 „Allein im vergangenen Monat erhielten wir über 100 Anfragen aus den USA“, sagt Daniel Straub. Noch kann das Unternehmen diese Nachfrage nicht bedienen. Es muss erst einmal ein zuverlässiger Generalimporteur gefunden werden, der die Schwimmcaravane in Amerika vertreibt, alle Zulassungsfragen klärt und zusätzliche Sicherheitshinweise anbringt. Innerhalb von Europa dagegen gelangt der Kunde schneller an einen Sealander: „Vom Auftrag bis zur Auslieferung vergehen höchstens acht Wochen“, sagt Daniel Straub – je nachdem, wie die Auftragsbücher gefüllt und die Teile verfügbar sind.

 Gefertigt wird der Sealander, der gerade mal einen Meter länger als ein Smart ist, an der Müritz. Größtenteils in Handarbeit, denn „bis die Produktionsstraße in Betrieb gehen kann, müssen noch ein paar Abläufe optimiert werden“, sagt Daniel Straub. Bis dahin packen vom Designer bis zum Polsterer 50 Arbeitskräfte auf Honorarbasis an. Nur drei Mitarbeiter sind festangestellt: Daniel Straub als Geschäftsführer, Christoph Rasewsky als Schiffbauingenieur und stellvertretender Geschäftsführer sowie eine Bürokraft.

 Die Standardvariante in Weiß mit Cabrio-Faltverdeck, Einstiegs- und Badeleiter sowie Polstersitzen aus Kunstleder kostet um die 18 000 Euro. Gegen Aufpreis sind ein Koch- und Waschmodul, eine Bordgrillvorrichtung, ein Audiopaket und vieles mehr erhältlich. Einen anderen Außenlack und eine andere Inneneinrichtung gibt es ebenfalls gegen Zuschlag. Damit ist der Sealander zwar nicht ganz günstig, aber Daniel Straub verteidigt den Preis: „Wir fertigen alles in Deutschland in reiner Handarbeit und verwenden nur hochwertige Materialien – das kostet eben.“ Wenn man bedenke, dass der Schwimmcaravan ein Hybrid ist, sei das Produkt schon wieder günstig.

Marktführer im Segment Schwimmcaravan

 Auch wenn die Caravan-Branche gerade stagniert – 2013 war bei den Aufträgen sogar ein leichter Rückgang zu verzeichnen –, sieht Daniel Straub der Zukunft gelassen entgegen: „In der Sparte der Schwimmcaravane sind wir Marktführer. Es gibt keine Konkurrenz.“ Zudem hebe sich der Sealander deutlich von den klassischen Wohnmobilen ab und spreche eine neue Zielgruppe an: den freiheitsliebenden Individualisten ohne Boots- und Anhängerführerschein. Wie das möglich ist? Der Wohnanhänger kann durch seine kompakten Maße mühelos auch von schwach motorisierten Autos gezogen werden. Auf dem Wasser treibt ein Außenbordmotor bis 15 PS den Schwimmcaravan an – eine Stärke, die führerscheinfrei ist.

 Zwei Einschränkungen gibt es dann aber doch: Bei einem Wellengang von über 0,3 Metern darf der Sealander nicht mehr im Wasser genutzt werden. Das Fahrzeug ist der Seetauglichkeitskategorie D zugeordnet – heißt, es darf nur in geschützten küstennahen Gewässern, kleinen Buchten und Seen, schmalen Flüssen und Kanälen sowie bei Wetterverhältnissen mit einer Windstärke bis einschließlich vier Beaufort und signifikanten Wellenhöhen bis einschließlich 0,3 Metern und gelegentlichen Wellenhöhen von 0,5 Metern (durch vorbeifahrende Schiffe) eingesetzt werden. Ist das Ufer sandig, lässt sich der Schwimmcaravan nur schwer aus dem Wasser ziehen. Nicht unbedingt das, was Hochseesegler gewohnt sind.

 Also doch besser ein Wohnmobil kaufen und am Urlaubsort ein Segel- oder Motorboot mieten? „Nein“, antwortet Daniel Straub entschieden. Gerade die Mischung aus Caravan und Boot mache den Reiz aus. Man brauche seinen Urlaub nicht mehr starr in einer studentenwohnungsgroßen Camping-Parzelle verbringen, sondern sei flexibel. „So, wie bei Urlaub mit einem VW-Bully – nur mit dem Unterschied, dass der Sealander aufs Wasser kann.“

Sealander GmbH, Holtenauer Straße 96, 24105 Kiel, www.sealander.de, info@sealander.de

Am Sonnabend und Sonntag, 11./12. April, kann der „Sealander“ auf dem Kleinen Kiel (Ecke Legienstraße) ab 10 Uhr bei einem Fest besichtigt werden. Wer einen Törn mitmachen möchte, sollte sich unter Tel. 0431/16070081 anmelden.

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Ein Artikel von
Tanja Köhler
Ressortleiterin Digitale Angebote

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Kiel
Foto: Auf der Straße sorgen Räder für Schwung, auf dem Wasser ein Außenborder, der angehängt wird. Zu Wasser gelassen wird der „Sealander“ ohne weitere Hilfsmittel einfach am Ufer.

Einfach aufbrechen. Den Wohnwagen anhängen und losfahren. Oder doch ein Boot kaufen? Daniel Straub macht diese Entscheidung überflüssig. Der Muthesius-Absolvent entwickelte den „Sealander“, einen schwimmenden Caravan. Der geht nun in Serie. Neugierige können am nächsten Wochenende (11. und 12. April) in Kiel einen Probetörn machen.

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