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Es drohen Nachwuchsprobleme

Seefahrt-Experte: Es drohen Nachwuchsprobleme

Die Seefahrt ist für viele junge Leute ein Traumberuf. Doch viele Reeder setzen auf günstigere Seeleute aus dem Ausland. In Zukunft könnte es dadurch an Nachwuchskräften fehlen. Experten warnen vor den Folgen.

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Die Reeder sollen auf ihren Schiffen wieder mehr deutsche Seeleute beschäftigten.

Quelle: Ingo Wagner/dpa

Kiel/Elsfleth. Die Reeder sollen auf ihren Schiffen wieder mehr deutsche Seeleute beschäftigten. Wie sie dazu bewogen werden können, wird ab Montag ein Thema auf der Maritimen Konferenz in Bremerhaven sein. Nach Ansicht eines Seefahrt-Experten hat die sinkenden Zahl deutscher Seeleute an Bord eine fatale Folge. Schiffsverwaltungen und andere maritime Unternehmen könnten künftig nur schwer geeignete Fachkräfte finden, weil dem Nachwuchs die nötigen Praxiserfahrungen auf See fehlten, sagte Prof. Ralf Wandelt, Dekan des Fachbereichs Seefahrt an der Jadehochschule in Elsfleth.

Frage: Wie sehen die Berufschancen für deutsche Seeleute aus?

Antwort: Augenblicklich ist die Situation schwierig. Wir haben seit etwa sieben Jahren eine Schifffahrtskrise. Die Reeder stehen unter finanziellem Druck. Nicht mehr alle unserer Absolventen finden einen Arbeitsplatz an Bord — und wenn, dann teilweise nur befristet und schlechter bezahlt. Das war in unserer Branche früher nicht üblich.

Frage: Welche Probleme sehen Sie dadurch in Zukunft?

Antwort: Es geht nautische Kompetenz verloren. Diese ist auch an Land gefragt, zum Beispiel in den Häfen oder den Schiffsverwaltungen. Dort gibt es ausreichend Arbeitsplätze. Das Problem ist, dass die jungen Leute keine Praxiserfahrungen mehr an Bord sammeln können. Wir mussten die Zahl unserer Studienanfänger auf 45 im Jahr halbieren, weil nicht mehr genug Plätze für die zwei Praxissemester gefunden werden konnten. Künftig drohen dadurch Nachwuchsprobleme.

Frage: Wie könnte eine Lösung aussehen?

Antwort: Im Moment ist im Gespräch, dass die Reeder die Lohnsteuer der deutschen Seeleute künftig komplett einbehalten dürfen. Meiner Meinung nach ist das für eine Übergangszeit gerechtfertigt, muss aber an Bedingungen geknüpft werden. Eine davon wäre, dass die Reeder in die Ausbildung junger Seeleute investieren — selbst dann, wenn sie nicht unmittelbar profitieren.“

Frage: Wie könnte sich die Situation der deutschen Seeleute langfristig verbessern?

Antwort: Gegen die niedrigen Lebenshaltungskosten in Fernost und anderen Ländern können wir natürlich nicht konkurrieren. Wir können nur darauf hoffen, dass sich die konjunkturelle Lage verbessert, so dass wieder mehr Schiffe Güter transportieren und mehr Seeleute gebraucht werden. Politische Instrumente sind immer nur begrenzt wirksam und können dem Steuerzahler auch nicht auf Dauer zugemutet werden.

ZUR PERSON: Ralf Wandelt ist seit 1. März Dekan des Fachbereichs Seefahrt an der Jadehochschule in Wilhelmshaven. Der 58-Jährige hat Nautik und später Physik studiert. An der Jadehochschule ist er Professor für Physik und Schiffstheorie. Von 2009 bis 2012 war er auch deren Vizepräsident.

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