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Rund 660 Vollzeit-Stellen fallen weg

Senvion streicht Stellen Rund 660 Vollzeit-Stellen fallen weg

Der Windkraftanlagenhersteller Senvion bekommt den Wettbewerbsdruck in der Branche zu spüren. Um Kosten zu sparen, will er Stellen abbauen, darunter in Husum. Wachstum erwartet das Unternehmen vor allem im Ausland.

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Die Rotorblätter eines Modells einer Offshore-Windkraftanlage der Firma Senvion.

Quelle: Bodo Marks (Archiv, dpa)

Hamburg/ Kiel. Der Windkraftanlagen-Hersteller Senvion will in diesem Jahr in Deutschland rund 730 Arbeitsplätze streichen. Die Konzernholding begründete die Einschnitte am Montag mit einem stärker werdenden Wettbewerbs- und Preisdruck. Deshalb sollen Teile der Produktion verlagert und Standorte in Deutschland geschlossen werden, wie die Luxemburger Senvion S.A. mitteilte. Der Vorstand will durch die Umstrukturierung jährlich rund 40 Millionen Euro einsparen.

Eine betrübliche Nachricht

Dicht gemacht werden unter anderem die Betriebsstätten in Husum (Schleswig-Holstein) und Trampe (Brandenburg) sowie der Standort der PowerBlades GmbH in Bremerhaven. In Husum seien 100 Mitarbeiter direkt betroffen. Rund 120 Beschäftigten aus dem Service soll angeboten werden, an den Service-Standort Schleswig mit bisher nur zehn 10 Beschäftigten zu wechseln.

„Das ist eine betrübliche Nachricht“, sagte der Kieler Wirtschafts- und Arbeitsminister Reinhard Meyer (SPD) mit Blick auf Husum zu der Entscheidung, die fernab von dem Standort auf dem Reißbrett getroffen worden sei. Das Land biete alle Möglichkeiten an, um im Bereich der Arbeitsmarktpolitik zu helfen. „Man muss hier auch über Beschäftigungsgesellschaften oder Ähnliches nachdenken“, sagte Meyer. Die Betroffenen müssten die Chance bekommen, anderswo auf dem Arbeitsmarkt wieder Fuß zu fassen.

660 Vollzeit-Stellen werden abgebaut

Die IG Metall kündigte den Betriebsräten ihre Unterstützung an. „Ein Kahlschlag auf dem Rücken der Beschäftigten ist kein Zukunftskonzept“, teilte Bezirksleiter Meinhard Geiken mit. Gefordert sei ein Konzept mit Produkten, die auf dem Markt Erfolg hätten. „Aus Renditeerwägungen, getrieben vom Finanzmarkt zwei produktiven und erfolgreichen Standorten in Eberswalde und Trampe in Ostbrandenburg mit Schließung zu drohen, macht keinerlei Sinn“, ergänzte der Bezirksleiter in Berlin-Brandenburg-Sachsen, Olivier Höbel. Nach Angaben der IG Metall sind an den beiden Standorten 200 Mitarbeiter tätig.

Im Ausland sollen 50 Stellen wegfallen. Da aber auch rund 120 Stellen aufgebaut werden, fallen unter dem Strich rund 660 Vollzeit-Stellen weg, wie Vorstandschef Jürgen Geißinger der Deutschen Presse-Agentur in Hamburg erläuterte.

Stellenabbau sei unvermeidlich

Von den 253 betroffenen Mitarbeitern in der Bremerhavener Rotorblätter-Fertigung will Senvion Angestellte in die Gondel-Produktion (220 Beschäftigte) übernehmen. Mit den Arbeitnehmervertretern sollen zeitnah Gespräche für einen Sozialplan aufgenommen werden. Das größte Senvion-Werk für Rotorblätter steht in Portugal, es hat rund 500 Mitarbeiter.

„Der Stellenabbau ist leider unvermeidlich, um das Unternehmen als Ganzes mit seinen dann rund 4100 Arbeitsplätzen zukunftsfähig zu erhalten“, sagte Geißinger. Senvion habe in den vergangenen beiden Jahren bereits Abläufe verbessert, Investitionen getätigt und neue Produkte entwickelt. Aber allein der für Senvion bislang starke deutsche Markt habe sich von mehr als 5,0 Gigawatt 2015 installierter Leistung auf 2,8 Gigawatt fast halbiert. „Die Preise haben sich in den vergangenen Jahren um rund 40 Prozent reduziert“, sagte Geißinger.

Er will vor allem in Übersee - Südamerika, Australien, Indien sowie den USA - mit Anlagen für den Niedrigwindbereich expandieren. „Ich bin überzeugt, dass wir mit deutscher Technologie die Energiewende auch global zum Erfolg führen“, sagte Geißinger. Der mit der Produktentwicklung beschäftigte Standort Osterrönfeld (Kreis Rendsburg-Eckernförde) ist den Angaben zufolge kaum vom Stellenabbau betroffen, seinen Verwaltungssitz hat das Unternehmen in Hamburg.

In Deutschland habe Senvion einen Marktanteil von 8 Prozent, berichtete Geißinger. Weltweit rangiere das Unternehmen an vierter Stelle im Windenergie-Anlagenmarkt. Die Festaufträge für 2016 lagen bei 1,3 Milliarden Euro. Einschließlich der noch nicht endgültig festgezurrten Abschlüsse betrugen sie 1,765 Milliarden Euro.Der börsennotierte Hersteller gibt seine Jahreszahlen für 2016 am Donnerstag bekannt.

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