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Senzo: Gute Geschäfte ohne Gluten

Kiel Senzo: Gute Geschäfte ohne Gluten

Apfelstreuselkuchen, Franzbrötchen, Kürbiskernbrot: Auf den ersten Blick unterscheidet sich die Auslage bei Senzo nicht von der eines normalen Bäckers. Doch im Kieler Laden an der Ecke Kämpenstraße/Holtenauer Straße sind alle Lebensmittel glutenfrei.

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Bei Senzo gibt es glutenfreie Lebensmittel und frisch Gebackenes aus dem Ofen. Auf dem Foto (von links): Kundin Tanja Ingwersen, Herr Kern, Inhaberin Sandra Beims und Angestellte Anna Hardt.

Quelle: Sven Janssen

Kiel. Gluten ist ein Klebereiweiß, das in Getreide wie Weizen, Roggen oder Gerste vorkommt. Beim Backen sorgt es dafür, dass sich die Zutaten zu einem gleichmäßigen Teig vermischen. Rund ein Prozent der deutschen Bevölkerung vertragen dieses Protein aber nicht, sie leiden an Zöliakie.

 Weil auch ihr Sohn diese Intoleranz hat, kamen Sandra Beims und ihr Mann Peter Treue-Beims vor zehn Jahren auf die Idee für ihr Geschäft. „Frische Backwaren ohne Gluten gab es damals nirgendwo“, sagt die 47-Jährige. Nur im Reformhaus habe sie damals Brot für ihren Sohn kaufen können, tiefgefroren oder abgepackt. „Wir fanden, dass sich das ändern muss.“

 Zu Beginn bekam Senzo glutenfreie Teigrohlinge von einer Bäckerei aus Eschweiler in Nordrhein-Westfalen geliefert und backte sie hier. Nach etwa einem Jahr fing Sandra Beims aber an, eigene Brote mit Teffmehl zu entwickeln. Teffmehl besteht aus gemahlener Zwerghirse und wird traditionell in Äthiopien für Fladenbrote verwendet. Heute arbeitet bei Senzo ein Bäckermeister und es gehen etwa 300 bis 400 Brote pro Woche über den Ladentisch. 4,99 Euro kostet das Kürbiskernbrot – nicht viel mehr als ein Laib vom Biobäcker. Durchschnittlich liegt der Preis für glutenfreie Produkte allerdings um 30 bis 50 Prozent höher als bei vergleichbaren normalen Lebensmitteln.

 Bei Senzo stehen Cornflakes, Pasta und Kekse in den Regalen, darunter Kästen mit Reis-Bier und German Hirse Premium. Auf den Produkten prangt eine durchgestrichene Ähre. Das Siegel dürfen Lebensmittel tragen, die nicht mehr als zwei Milligramm Gluten auf 100 Gramm enthalten. Gab es solche Produkte einst nur in Reformhäusern oder Spezialgeschäften zu kaufen, haben sie heute fast alle großen Supermärkte im Sortiment – auch Discounter wie Lidl und Aldi. Laut dem Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels hat sich die Zahl der im Einzelhandel neu platzierten Glutenfrei-Produkte seit 2010 weltweit fast verdoppelt. Dem Marktforschungsinstitut Nielsen zufolge lag der Umsatz damit im vergangenen Jahr in Deutschland bei 117 Millionen Euro.

 „Als es in den Supermärkten damit losging, haben wir schon einen kleinen Knick gespürt“, sagt Beims. Aber eigentlich wachse ihr Kundenstamm eher. „Die Menschen achten stärker darauf, was sie essen. Und Gluten ist bei vielen verpönt.“ Habe sich früher die Kundschaft auf Zöliakie-Betroffene beschränkt, kämen heute immer mehr Käufer, die sich glutenfrei ernährten, weil sie sich dann besser fühlten. An eine diätische Wirkung, wie sie zum Beispiel Schauspielerin Gwyneth Paltrow propagiert, glaubt Beims allerdings nicht.

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