18 ° / 14 ° wolkig

Navigation:
Da staunt der Schäfer

KN-Serie: Zurück auf Los Da staunt der Schäfer

Während Dachdeckermeister Wolfgang Wilhelm vorsichtig das glänzende Kupferblech auf dem Dach des Wagens befestigt, lasiert Tischler Michel Bovefleth die Wände im Inneren mit einem durchsichtigen Speziallack. In der Nähe von Kappeln produziert eine kleine Manufaktur mobile Holzwagen nach skandinavischem Vorbild.

Voriger Artikel
Handelskammer-Präses fordert Klartext in Flüchtlingsdebatte
Nächster Artikel
Snower warnt vor Wachstumsillusionen

Anton Kraack, gelernter Landmaschinenmechaniker, war lange in der Baubranche tätig – und gründete dann die Schäferwagen-Manufaktur.

Quelle: Sonja Paar

Oersberg. „So dunkelt das Holz nicht nach und bleibt schön hell. Das ist bei einer Sauna wichtig“, erklärt Anton Kraack, Geschäftsführer der Schäferwagen-Manufaktur in Oersberg bei Kappeln. Seit mehr als zwei Jahren baut der 57-Jährige zusammen mit einem dreiköpfigen Team individuelle Wagen aus Holz – sogenannte Schäferwagen. Ihr Erkennungszeichen: riesige, seitlich angebrachte Holzräder.

 Früher war Anton Kraack in der Baubranche tätig. „Nach 20 Jahren hatte ich aber irgendwie keine Lust mehr auf die ständig wiederkehrende Probleme im Winter, den harten Preiskampf und immer häufiger eintrudelnde Anwaltsschreiben“, erzählt der gelernte Landmaschinenmechaniker. Und so überlegten er und seine Frau, was man im Leben noch so machen könnte. „Wir sind kreative Menschen, die zurück in die Natur wollten.“ Auf der Suche nach einer zündenden Idee durchforsteten sie daher zunächst Zeitschriften und besuchten Märkte in der Region. „Irgendwann schlug meine Frau dann mobile Domizile für den Garten vor, und ich war sofort begeistert.“

Verkauft haben sie zunächst nichts

 Im Sommer 2012 baute Kraack zusammen mit seinem Sohn den ersten Prototypen. Sein Anspruch: „Die Wagen sollten nostalgisch aussehen, aber mit hochmodernen Werkstoffen verarbeitet sein. Eine ganzjährige Nutzung und eine vernünftige Wärmedämmung waren uns wichtig.“ Schließlich sollten sie sich von normalen Bauwagen unterscheiden. Keine leichte Aufgabe, erinnert sich der Handwerker. Als der erste Wagen dann aber endlich fertig war, entwickelte seine Frau sofort eine eigene Internetseite und stellte den Musterwagen als Beispiel ins Netz. Neben Freunden und Verwandten wurde auch Projektleiterin Ulla Hiltafski von der Messe „Lebensart“, die damals noch in Glücksburg stattfand, aufmerksam. „Und so stellten wir unseren Wagen erstmals auf einer Messe aus“, sagt Kraack. Die Begeisterung sei groß gewesen, verkauft hätten sie zunächst allerdings nichts.

 Finanziert hat Familie Kraack ihr kleines Unternehmen aus Ersparnissen. „Von den Banken haben wir nur wenig Unterstützung bekommen“, erinnert sich Anton Kraack. Aber auch sonst war der Weg zum kleinen Familienbetrieb nicht immer leicht. „Es gab schon Tage, an denen wir uns gefragt haben, ob wir auf das richtige Pferd gesetzt haben.“ Einen Wagen zu bauen sei das eine, aber dessen Transport zu organisieren, eine ganz andere Nummer. „Vor allem die Höhe machte uns zu schaffen. Die Wagen passten zusammen mit dem Transportanhänger zunächst nicht durch den Elbtunnel. Das hatten wir nicht bedacht.“ Erst die Entwicklung kleiner Transporträder löste das Problem. Aber auch den Kapitalbedarf für die Messen hatte das Ehepaar unterschätzt: „Wir mussten am Anfang viel reinstecken, ohne eine Resonanz zu spüren. Das war schon hart.“

Das Geschäft nimmt Fahrt auf

 Erst nach unzähligen Messebesuchen in ganz Deutschland nahm das Geschäft Anfang 2014 endlich Fahrt auf. „In dem Jahr haben wir erstmals zwölf Wagen verkauft. In diesem Jahr konnten wir unsere Verkaufszahlen bereits verdoppeln“, freut sich Kraack. Und auch im kommenden Jahr sehe die Auftragslage bereits gut aus. Ein kleiner Wagen kostet rund 12000 Euro, ein großer mehr als 30000. „Das Gute an unseren Wagen ist, dass man in der Regel keine Baugenehmigung benötigt.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten: Wirtschaft 2/3