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Beruflicher Neustart trotz Schmerzen

Serie: Zurück auf Los Beruflicher Neustart trotz Schmerzen

„Das Lächeln ist der Anfang der Liebe.“ Das Mutter Teresa zugeschriebene Zitat auf einem kleinem Stein an der Terrasse des Zweifamilienhauses in Ascheberg (Kreis Plön) passt wunderbar zum neuen Leben von Astrid Rahlfs. Die 44-Jährige hat nach einer jahrelangen Ärzte-Odyssee wieder Kraft gefunden, um trotz ihrer Schmerzen beruflich neu durchzustarten.

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Das ist Lektorin Astrid Rahlfs.

Quelle: Sonja Paar

Ascheberg. Seit 2003 leidet die gebürtige Neusserin unter dem sogenannten myofaszialen Schmerzsyndrom (MSS) in der Schulter, das es ihr unmöglich machte, weiterhin ihren Beruf als Lehrerin auszuüben. Am Anfang unterrichtet sie noch an der Wilhelminenschule in Preetz, doch es fällt ihr immer schwerer, sich auf den Unterricht und ihre Schüler zu konzentrieren. „Die Schmerzen waren unerträglich“, sagt Rahlfs, „der ganze Körper war verkrampft, und der Lärm in der Klasse verstärkte das noch. Das machte mich alles fast verrückt.“

 Was folgt, ist eine anfangs vergebliche Suche nach den Ursachen. „Ich war bei vielen Ärzten und wurde oftmals eher als Simulantin beurteilt“, sagt die sportliche Frau, die jahrelang Tischtennis auf höchstem Landesniveau in Schleswig-Holstein spielte. Und weil die Schmerzen sich weiter verstärkten, bat Astrid Rahlfs Ende 2005 ihren Arbeitgeber, sie zu beurlauben. „Das war ein Fehler“, sagt sie rückblickend, „weil ich dadurch Rentenansprüche verloren habe.“

 Erst fünf Jahre später erhält Astrid Rahlfs die richtige Diagnose von einem Schmerzarzt aus Kiel („Er hat mir das ganz toll erklärt“), der ihr zudem ein wirkungsvolles Dauer-Therapiepaket verschreibt. Kochsalzlösung zur Entkrampfung, Physiotherapie, Schmerzmittel. „Endlich hatte das Hin- und Hergeschiebe zwischen den Ärzten ein Ende“, sagt Rahlfs. In dieser Zeit beginnt sie auch, Golf zu spielen, geht in den Bergen wandern und ins Fitnesstudio, spielt weiter Tischtennis beim TSV Plön, nun in der Kreisliga der Herren. Die Muskeln bewegen, auf andere Gedanken kommen – „das ist bis heute sehr wichtig, um die Lebensfreude zu behalten“.

 Und weil sie die Schmerzen immer besser in den Griff bekommt, fasst Astrid Rahlfs vor zwei Jahren den Entschluss, wieder zu arbeiten. „Ich habe mich gefragt: Was kann ich bei freier Zeiteinteilung und von zu Hause aus tun, um auch bei Rückfällen Pausen auf dem Sofa machen zu können?“ Die Lösung für die studierte Englisch- und Deutschlehrerin: ein Lektorat. Viel mehr als einen PC und den Duden benötigt sie nicht zum Start in die Selbstständigkeit; eine Studienkollegin aus Neumünster gewinnt sie als Kollegin.

 Ob Sachbücher, Belletristik, PR-Artikel oder Schularbeiten: Seit Mai 2014 ist Rahlfs „mit Feuereifer“ und ihrer Firma Rabe Lektorat am Markt, überarbeitet Texte und Manuskripte, die ihr zugesendet werden. „Die ersten Monate waren sehr hart und bestanden fast ausschließlich aus Kundenakquise“, sagt sie. Die Zahl der Aufträge steigt, auch wenn sie von ihrer Arbeit noch nicht leben kann – „die Familie unterstützt mich finanziell“. Sie lernt die Grundregeln der Buchführung, übernimmt immer mehr Aufgaben – und das, obwohl die Schmerzen immer noch ein täglicher Begleiter sind. „Man muss sich die Rosinen aus dem Kuchen herauspicken, auch wenn es bei mir nicht so viele sind“, betont sie.

 Anderen Schmerzpatienten will sie mit ihrer Geschichte helfen, nicht den Lebensmut zu verlieren. Es sei wichtig, sich eine Aufstellung zu machen, was gut funktioniere. „Daraus entsteht ein Puzzle, das sich zu einem neuen Bild zusammensetzt.“ Spaß zu haben bei den Dingen, die funktionieren, sich mit netten Leuten zum Beispiel aus dem Sportverein zu umgeben – alles Dinge, die bei Astrid Rahlfs eine Psychotherapie überflüssig machen. Ob sie sich vorstellen kann, einmal wieder in ihren „Lieblingsberuf“ als Lehrerin zurückzukehren? Warum nicht, wenn die Therapie weiter Wirkung zeigt. Astrid Rahlfs hat ihr Lächeln wiedergefunden – und ihr kerniges Lachen dazu.

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Ein Artikel von
Jan von Schmidt-Phiseldeck
Wirtschaftsredaktion

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