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Polizei: 110 ist unsere Servicehotline

Leser Seminar Polizei: 110 ist unsere Servicehotline

Unsicher in der Dunkelheit? Die Kieler Polizei will den Bürgern die Scheu nehmen, den Notruf zu wählen. Auch für Fußgänger und Radfahrer haben die Beamten beim KN-Leserseminar einige Tipps und Tricks auf Lager.

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Die Polizisten Stefan Kalinowski und Sven Petersen (rechts) erläuterten die Sicherheitstechnik am Fahrrad.

Quelle: Ulf Dahl

Kiel.. Wie kann ein Fußgänger sich in der dunklen Jahreszeit sicher auf der Straße bewegen? „Tragen Sie helle Kleidung“, sagt Sven Petersen, Leiter der Prävention der Polizei Kiel, und hält eine gelbe Warnweste hoch. Na gut, es mag nicht jedermanns Fall sein, mit einer gelben Warnweste unterwegs zu sein, räumt er ein. „Aber da gibt’s etwas“, sagt er, und holt ein reflektierendes Klappband hervor, das, um Arm oder Bein geschwungen, Menschen in der Dunkelheit deutlich sichtbarer macht. „Sehen und gesehen werden ist der wichtigste Grundsatz im Straßenverkehr“, ergänzt sein Kollege und Leiter des Sachbereichs Verkehr, Stefan Kalinowski.

Als Petersen die Klappbänder verteilt, freuen sich die 30 Leserinnen und Leser der Kieler Nachrichten, die an diesem Abend im Seminarraum zusammengekommen sind. Sie wollen mehr über Sicherheit unterwegs erfahren, sei es, weil sie Fußgänger, Radfahrer oder Autofahrer sind. Unter der Moderation von KN-Redakteur Niklas Wieczorek werden all diese Fragen eifrig thematisiert: Wie sollte man sich verhalten, wenn man sich zu später Stunde auf der Straße bedroht fühlt? „Sie haben doch alle Handys oder Smartphones dabei“, sagt Petersen. Und tatsächlich, keiner im Raum ist ohne Mobiltelefon unterwegs. „Die 110 funktioniert immer“, stellt Petersen fest.

Von Pfefferspray raten die Beamten ab

Manchmal helfe es auch schon, das Handy ans Ohr zu halten, und mit sich selbst zu reden. Oder einfach laut zu schreien, was den Angreifer aus dem Konzept bringen könne. Doch der Polizeibeamte betont, dass man keine falsche Scheu haben sollte, den Notruf zu wählen. „Die 110 ist eine Servicehotline, die ist nicht nur für blutige Notfälle da“, sagt Petersen. Und wenn man Bedenken habe, die Beamten zu stören? „Sie stören uns doch nicht, wenn Sie Hinweise geben. Sie helfen uns!“

Von Selbsthilfe per Pfefferspray oder schrillend lauter Taschensirene halten die Beamten nicht viel – schließlich müsste man die schon griffbereit bei sich tragen, und dann auch gegen einen potenziellen Angreifer einsetzen wollen. „Und dann bleibt Ihnen die Angst, dass Ihnen das Pfefferspray in einem Kampf abgenommen und gegen Sie selbst eingesetzt wird“, sagt Petersen.

Blinkende Leuchten sind am Rad verboten

Viel einfacher und klar geregelt ist dagegen die Frage, was eigentlich ein verkehrssicheres Fahrrad ausmacht. Kalinowski hält das Rad, das die Beamten mitgebracht haben, hoch: „Zwei Bremsen, eine Klingel, reflektierende Streifen an den Reifen, eine Lampe mit Reflektor an der Front und eine hinten mit einem Reflektor“, zählt er auf. Und er mahnt: Blinkende Leuchten, oder „nervös zuckende Lampen“, wie sie ein Leser nennt, sind und bleiben verboten.

Wenn ein Radfahrer die Wahl hat, Lampen oder Reflektoren selbst auszusuchen, stellt sich aber auch die Frage, was Autofahrer eigentlich tun können, um besser gesehen zu werden. „Mit Licht fahren, bei älteren Fahrzeugen, bei denen das Licht nicht automatisch angeht, ist ein guter Anfang“, sagt Petersen. Schließlich sei das Tagfahrlicht in vielen europäischen Ländern schon vorgeschrieben.

Und jetzt im Winter, da müsse man immer auf freie Sicht achten, sich keinesfalls mit einem teilweisen Freikratzen der Scheibe begnügen und blind fahren, wie Petersen mahnt. Und er betont, dass Winterreifen das Fahren doch erheblich sicherer machen. Die Polizei setze keine Ganzjahresreifen mehr ein, obwohl das Umrüsten der ganzen Flotte im Herbst und im Frühling einen erheblichen Aufwand darstelle.

Bei schnellen E-Bikes müssen Reifen stimmen

Für die Profile von Fahrradreifen gibt es übrigens keine Vorgabe. Aber: „Sie müssen Reifen fahren, die Verkehrssicherheit gewährleisten“, sagt Kalinowski. „Bei einer Kontrolle bekommen Sie sonst einen Kontrollbericht als Auflage.“ Das heißt: nach einer Woche muss das Fahrrad am nächsten Revier vorgeführt werden. Bei den schnelleren E-Bikes ist die richtige Bereifung natürlich umso wichtiger. Der Beamte erinnert an die Haupt-Unfallursache unter Radfahrern: „Sie müssen stets mit angepasster Geschwindigkeit fahren.“

Die stets brisante Debatte zwischen Auto- und Radfahrern über die Sicherheit im Straßenverkehr bricht an diesem Abend übrigens nicht aus. „Wenn Sie Auto fahren, dann sind Sie mit dem gefährlicheren Gegenstand unterwegs und müssen besonders vorsichtig sein“ – diese Mahnung von Petersen versteht jeder im Raum. Für Erstaunen sorgt die Diebstahlstatistik: Während in Kiel im vergangenen Jahr 111 Autos gestohlen wurden, und es 504 Einbrüche in Autos gab, wurden immerhin 2300 Fahrraddiebstähle begangen.

Lenkradschloss für Profis kein Hindernis

Um das zu verhindern kommt es auf das richtige Schloss an – ein Lenkradschloss im Auto ist für Profis kein Hindernis, ebenso wenig wie ein einfaches Fahrradschloss aus Draht. Bei vier Rädern bringen erst elektronischen Wegfahrsperren Sicherheit, bei zwei Rädern muss es schon ein gutes Schloss sein. Außerdem sollte der Drahtesel immer an einem Gegenstand wie einem Fahrradbügel festgemacht werden.

Als Kalinowski die Schlösser unter den Zuhörern herumgehen lässt, ist die Überraschung groß: Ein gutes Fahrradschloss wiegt schon einige Kilo. „Es muss eben aus Vollmaterial sein“, hält Kalinowski fest. Schließlich soll die Zahl der Fahrraddiebstähle in Kiel ja nicht noch weiter ansteigen.

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