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Der Himmel muss nicht Disco spielen

Signaltechnik Windkraftanlagen Der Himmel muss nicht Disco spielen

Egal ob Befürworter oder Gegner der Windkraft: Inzwischen ist Schleswig-Holstein Vorreiter für eine Hochtechnologie, mit der die automatische Ab- beziehungsweise Zuschaltung der Warnsignale geregelt werden kann.

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Die Warnsignale an Windkraftanlagen gehören inzwischen zum Nachthimmel nicht nur in Schleswig-Holstein. Neue Techniken können das Dauerblinken überflüssig machen.

Quelle: Stefan Sauer/dpa

Kiel/Berlin. Die einen finden es toll, wenn es wie in einer Diskothek im steten Takt rot aufblinkt. Die anderen, die Anlieger, sind nur genervt, wenn nachts die Warnsignale der Windanlagen am Himmel leuchten. Was im Beamtendeutsch als die „bedarfsgesteuerte Nachtkennzeichnung von Windenergieanlagen“ bezeichnet wird, ist eine anwohner- und umweltfreundliche Entwicklung. Sie sorgt dafür, dass nur bei Annäherung eines Flugzeugs die Warnsignale in Betrieb gehen. Gibt es keinen Flugverkehr, dann herrscht auch über den Windparks nächtliche Dunkelheit.

Für Schleswig-Holsteins CDU-Landeschef Ingbert Liebing ist das ein wichtiges Argument, um für mehr Akzeptanz der Windparks zu sorgen. Erst im vorigen Jahr gab es nach zähem Ringen mit dem Verkehrsministerium grünes Licht für die bedarfsgesteuerten Signale. Die Warnlichter sind bei Anlagen über 100 Meter Höhe vorgeschrieben. Der grüne Energiewende-Minister Robert Habeck unterstreicht: „Wir wollen, dass es am Himmel wieder weitgehend dunkel ist. Das nächtliche Blinken der Windkraftanlagen ist aus Flugsicherheitsgründen erforderlich, viele stört es aber.“ Deshalb unterstütze Kiel technische Lösungen, die das nächtliche Blinken „weitgehend überflüssig machen“.

Höchstes Niveau aus Schleswig-Holstein

Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Norbert Barthle (CDU), bescheinigt jetzt in der Antwort auf eine Anfrage des Linken-Politikers Herbert Behrens den existierenden Abschalteinrichtungen höchstes Niveau. Allesamt wurden sie in Windparks in Schleswig-Holstein erfolgreich getestet und werden inzwischen im Regelbetrieb genutzt. So etwa das radargestützte Airspex-System der Firma Enertrag Systemtechnik aus der Nähe von Prenzlau in Brandenburg. Das zusammen mit Airbus entwickelte System ging im nordfriesischen Windpark „Ockholm-Langenhorn“ in Dauerbetrieb. Enertrag-Geschäftsführer Thomas Herrholz freut sich über die „sehr hohe Nachfrage“.

Nach bislang sechs sollen in diesem Jahr weitere 17 Windenergieanlagen ausgerüstet werden. Für die Überwachung eines Windparks werden mindestens vier Radarsensoren in 30 Metern Höhe angebracht. Die Strahlung des Radars von gerade mal vier Watt entspreche in etwa der doppelten Leistung eines Mobiltelefons. Die dänische Firma Terma hat ebenfalls radargestützte Technik im Windpark Janneby im Einsatz.

Ohne aktive Radarstrahlung kommt dagegen die Technik der Firma Dirkshof aus, die vorhandene Rundfunksignale nutzt. Im Windpark Reußenköge (Kreis Nordfriesland) wird das besonders „umweltverträgliche und kostengünstige Warnsystem“ bereits erfolgreich getestet, erklärt Vertriebsingenieur Michel Ahrendsen. CDU-Mann Liebing drängt nun darauf, dass Windpark-Betreiber für die Ausrüstung ihrer Anlagen mit der modernen Warnsignaltechnik finanzielle Anreize erhalten. Das Geld könnte aus dem Fonds genommen werden, in den die Betreiber wegen ihrer Eingriffe in die Landschaft einzahlen müssen. Noch gebe es in dieser Frage allerdings ein „Schwarzer-Peter-Spiel“ zwischen Bund und Land. Habeck verspricht jedoch: „Wir schaffen einen Anreiz, auch alte Anlagen nachzurüsten.“

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