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Alte Heilkraft neu belebt

Sirup-Produkte aus Tannenspitzen Alte Heilkraft neu belebt

Maiwipfel nennt Jan Solle die hellgrünen Triebe, die im Mai aus den Zweigen der Rotfichte sprießen. Daraus stellt der Reesdorfer mit seinem Freund Andreas Kiefer Tannenspitzensirup in mehreren Variationen her – ein Brotaufstrich mit Waldaroma und herbsüßer Karamellnote.

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Ob getrocknet oder frisch verarbeitet: Für die Produkte aus den Trieben der Rotfichte finden sich bislang vor allem Kleinabnehmer.

Quelle: Sven Tietgen

Reesdorf. Lange hat das Duo am Herstellungsverfahren getüftelt, noch länger rangen sie mit den Behörden um die Zulassung als Lebensmittel.

Drei Jahre mussten sich Jan Solle und Andreas Kiefer gedulden. Für Solle, der hauptberuflich als Berater und Inspekteur in der Schifffahrt arbeitet, ist die Hängepartie bis heute unverständlich. „Wir mussten Literaturquellen beschaffen und Testnachweise liefern“, berichtet der 42-jährige Ingenieur. Dabei habe schon Hildegard von Bingen vor fast 1000 Jahren von der Heilkraft der Tannentriebe gewusst. Dementsprechend hätten Bauernfamilien im Schwarzwald seit Generationen den Tannensirup hergestellt. Und genau dort lernte Solle den zähflüssigen Sirup bei der Großmutter seines Freundes kennen. „Für mich, der mit Zuckerrübensirup groß geworden ist, war diese Schwarzwälder Spezialität eine Offenbarung“, erinnert er sich.

 Vor diesem Hintergrund beschlossen Solle und Kiefer, den glänzend braunen Saft selbst herzustellen. Kessel, Filter, Siebe und Rührwerke wurden ausgiebig getestet. Irgendwann fanden die Sirupfans dann in den Behindertenwerkstätten Grebinsrade bei Selent das passende Küchenlabor. Den Rohstoff ernten sie bislang mit Freunden und Helfern in einem auf eigene Kosten zertifizierten Fichtenareal des Lübecker Stadtwaldes.

 Ihr Erzeugnis ist mittlerweile als Bio-Produkt anerkannt. Abnehmer des Tannenspitzensirups sind vorrangig Bio-Geschäfte und der regionale Großhandel. Zudem veredeln Gastronomen damit ihre Speisen. An die großen Lebensmittelketten sind die Sirupkocher aber bisher nicht herangekommen. „Von unseren Produkten waren sie sehr angetan, aber die geforderten Mindestmengen können wir gar nicht liefern“, sagt Solle, ein gebürtiger Hannoveraner. Der Umsatz klettert aber auch ohne die Kooperation mit den Einzelhandelsriesen stetig.

 Neben dem Sirup haben Solle und Kiefer weitere Produkte entwickelt. Vom Bier über Weingetränke und Likör bis hin zum Schnaps lässt sich so einiges aus den Maiwipfeln gewinnen. Mehrere Tausend Gläser, Flaschen und Gebinde werden mittlerweile pro Jahr verkauft. Die Firmengründer sind mit dem Geschäftsergebnis aber zufrieden: „Es passt mit unseren Erntemengen“, erklärt Solle. Bei einer größeren Ernte müsste man am Ende vielleicht sogar zu viel wegwerfen. „Und das wäre ja auch blöd“, findet Solle.

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