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Flugsicherung kann Windräder per Klick stoppen

Software-Innovation aus Sehestedt Flugsicherung kann Windräder per Klick stoppen

Es ist eine kleine Sensation, was der Geschäftsführer der Windenergie und Flugsicherheit (WuF) GmbH in Sehestedt mit seinem Computerprogramm präsentiert. Flightmanager nennt sich die Software-Innovation, die ein jahrelanges Problem der Energiewende löst und der schleswig-holsteinischen Firma ein ganz neues Geschäftsfeld beschert.

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Clemens Krips (links) und Heiko Grüneklee zeigen ihre Software zum Abschalten der Anlagen.

Quelle: Sven Janssen

Sehestedt. Dunkel flimmert die Landkarte vor Clemens Krips auf einem Monitor. Sie zeigt einen Militärflughafen, in dessen Nähe sich ein Windpark befindet. Der Kartenausschnitt ist unterteilt in Raster. Tippt Krips auf eines dieser Felder, werden in Minutenschnelle die Rotoren der Windräder stillgelegt. Ein erneuter Klick schaltet sie wieder an – ein einfaches Prinzip. „Das war uns besonders wichtig“, sagt Krips. „Schließlich ist die Arbeitsbelastung bei der Bundeswehr-Flugüberwachung hoch und sie muss die Bedienung zusätzlich in ihre Abläufe integrieren.“

Hunderte Windkraftanlagen konnten zuletzt nicht gebaut werden, weil die Rotoren die Radaranlagen der Bundeswehr zu stören drohten. „Wenn sie eine Anlage über 100 Meter bauen wollen, haben sie sofort die Luftfahrt am Hals“, sagt Krips. Doch mit der neuen Steuerungstechnik aus dem Hause WuF, einer Tochterfirma der Ideenschmiede von Denker und Wulf, gehören die Konflikte zwischen Windbranche und Bundeswehr nun wohl der Vergangenheit an.

 Der Flightmanager kann von der Flugüberwachung der Bundeswehr in problematischen Regionen eingesetzt werden. Über eine Datenverbindung werden die Rotoren kurzzeitig in den Wind gedreht, so dass sie stehenbleiben, und die Flugzeuge sicher über den Windpark-Korridor kommen. Sowohl in Hohn als auch in Rostock-Laage wurde das System von der Bundeswehr erfolgreich getestet. Das Bundesverteidigungsministerium hat bereits grundsätzlich grünes Licht für den Einsatz gegeben – und damit den Weg frei gemacht für den Bau neuer Windenergieanlagen.

 Laut einer Umfrage des Bundesverbandes der Windenergie sind in den vergangenen Jahren in Deutschland durch mögliche Störungen von Radaranlagen 208 Projekte mit einer Leistung von mehr als 3345 Megawatt blockiert worden, darunter fallen aber auch mögliche Konflikte mit Wetteradarstationen. Vor diesem Hintergrund zeigte sich der Vizefraktionschef der Grünen, Oliver Krischer, erleichtert über die Zustimmung des Verteidigungsministeriums. Es sei schlichtweg niemandem mehr zu erklären gewesen, weshalb im Zeitalter hochmoderner Systeme der Bau neuer Anlagen gebremst worden sei. „Für Deutschland als Hochtechnologie- und gleichzeitig Energiewendeland passte das nicht mehr zusammen“, sagte er.

 Von der ersten Idee bis zum fertigen Produkt haben die WuF-Entwickler fünf Jahre am Flightmanager getüftelt. Der Aufwand hat sich gelohnt, mit ihrer Software sind sie die ersten am Markt. „Wir spüren im Moment keine Konkurrenz“, sagt der Leiter der Projektierung, Heiko Grüneklee. Täglich kämen nun Anfragen aus der Branche. Auf die Firma kommt damit ein Berg an Arbeit zu. So muss jede Anfrage einer Einzelfallprüfung und Machbarkeitsstudie unterworfen werden. Außerdem soll die technische Überwachung für alle genehmigten Einsätze in Sehestedt angesiedelt werden. „Nach der Entwicklung des Programms stehen wir unternehmerisch erst am Anfang“, sagt Grüneklee und stellt zugleich neue Arbeitsplätze in der Region in Aussicht.

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Ein Artikel von
Jens Kiffmeier
Wirtschaftsredaktion