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Spannung vor Festlegung der Ostsee-Fangquoten für 2016

Fischerei Spannung vor Festlegung der Ostsee-Fangquoten für 2016

Für die Ostseefischer wird es ernst. Von Donnerstag an berät der EU-Ministerrat über die Ostsee-Fangquoten für das kommende Jahr. Fischer befürchten eine deutliche Absenkung der Dorschquote. Umweltverbänden gehen die Vorschläge nicht weit genug.

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Ein Fischkutter auf der Ostsee.

Quelle: Jens Büttner/Archiv

Sassnitz/Hamburg/Rendsburg.  Mit Spannung warten Ostseefischer und Umweltverbände auf die Festlegung der Fangquoten für die Ostsee im Jahr 2016. Die Fischer befürchten für 2016 eine drastische Reduzierung der Fangquote für den westlichen Dorsch. Hintergrund ist nach Angaben der Landesfischereiverbände in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern eine empfohlene Neufestlegung des Management-Zielwertes für diesen Fischbestand. Als Folge könnte die Dorschquote um zwei Drittel gesenkt werden. 

Dies würde zu einem Einkommensverlust führen, den kein kleiner Familienbetrieb überleben könnte, sagte der Vorsitzende des MV-Landesverbandes der Kutter- und Küstenfischer, Norbert Kahlfuss, am Mittwoch. Die Fischer forderten eine schrittweise und über mehrere Jahre gestreckte Annäherung an das neue Managementziel, um die Verluste abzufedern.

Auch die Fischer in Schleswig-Holstein blicken sorgenvoll nach Luxemburg. "Ich rechne mit einer Absenkung der Fangquote für Dorsch zwischen 25 und 35 Prozent. Das können Betriebe, die keine Ausweichmöglichkeiten haben, kaum verkraften", sagte der stellvertretende Vorsitzende des Landesfischereiverbandes Schleswig-Holstein, Benjamin Schmöde. 

Der EU-Ministerrat berät von Donnerstag an in Luxemburg über die Quoten für das kommende Jahr. Den Vorschlägen der EU-Kommission zufolge sollen die Fangmengen für den westlichen Hering um 12 Prozent, für den Hering in der mittleren Ostsee um 9 Prozent und für die Scholle um 18 Prozent steigen. Dagegen sollen die Fangmengen für den Ostdorsch um 20 Prozent und für die Sprotte um 14 Prozent abgesenkt werden. Eine Steigerung der Heringsquote sei ein Schritt in die richtige Richtung, sagte Kahlfuss. Angesichts der Tatsache, dass in den vergangenen Jahren die Fangmengen mit geringem Materialeinsatz in kürzester Zeit abgefischt worden seien, sei ein höherer Anstieg möglich.

Der WWF kritisierte die von der EU-Kommission angenommene Höchstfangmenge für den östlichen Dorsch. Sie liege mit 41 100 Tonnen deutlich über dem als nachhaltig geltenden wissenschaftlich errechneten Wert von 29 000 Tonnen, sagte die WWF-Fischereiexpertin Karoline Schacht. Die EU-Kommission mache sich damit zum Wegbereiter für die legalisierte Überfischung des kommerziell wichtigsten Fisches in der Ostsee. Nur wenn die Minister den Fischereidruck für beide Dorschbestände deutlich verringerten, könne die Bestandserholung gelingen.

Kritik von Fischern gibt es an Plänen, Angler in die Fangmengen-Festlegungen einzubeziehen. Die Fischer befürchten Verteilkämpfe um die Quoten. Es sei sinnvoll, dass Angler einen Beitrag zur nachhaltigen Bestandsbewirtschaftung leisten, sagte Kahlfuss. "Aber dafür bringt es mehr, wenn sie dieselben Laichschonzeiten und Laichgebiete beachten wie die Berufsfischer." Damit würden gezielt die großen Laichdorsche geschützt.

dpa

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