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Mangel an Gewerbegebieten

Städte verlieren Arbeitsplätze Mangel an Gewerbegebieten

In den Großstädten im Norden werden Industrieflächen knapp. Gleichzeitig füllen sich neue Gewerbegebiete im Umland oder an Verkehrsachsen wie der Autobahn 7 bei Neumünster. Besonders eng ist es in Kiel. Wie jetzt bekannt wurde, kostet der Flächenmangel der Landehauptstadt eines ihrer bekanntesten Traditionsunternehmen: Die Gebr. Schröder GmbH.

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Scheren Löwe verlässt Kiel und zieht nach Flintbek um: Firmenchef Randolph Schröder.

Quelle: Ulf Dahl

Kiel. Der Hersteller der weltweit verkauften „Löwe“-Scheren, gibt ihren Sitz am Kieler Seefischmarkt auf und zieht mit rund 45 Mitarbeitern nach Flintbek. „Wir wären gerne in Kiel geblieben, doch der Standort Flintbek bietet uns die günstigeren Wachstumsperspektiven“, sagt Firmenchef Randolph Schröder.

Ebenfalls verlieren könnte die Landeshauptstadt den Drucktechnik-Spezialisten Hell Gravure (150 Beschäftigte), der zwar Kieler Flächen prüft, sich auf Suche nach einem neuen Standort aber auch im Umland orientiert. Kiel habe „in der Vergangenheit versäumt, sich ausreichend mit geeigneten Flächen zu bevorraten“, kritisiert Martin Kruse, Industrieexperte bei der IHK-Kiel. Die Kammer erkennt zwar die Bemühungen der Verwaltung an, dem Mangel zu begegnen, fordert jedoch, bei Projekten wie in Friedrichsort und bei der Planung interkommunaler Gewerbegebiete „eine Schippe draufzulegen“. Hendrik Murmann, Vorstandschef des Unternehmensverbandes Kiel, warnt: „Wir können es uns auf Dauer nicht leisten, mittelständische Unternehmen mangels Fläche zu verlieren.“

Lutz Oschmann von den Grünen äußerte sich am Mittwoch dazu: "Gerade die IHK mit ihrem sturen Festhalten am kaum ausgelasteten Verkehrslandeplatz verhindert die gewerbliche Entwicklung in Kiel." Auf dem Gelände des Flughafens könnten laut einem Gutachten 40 Hektar Gewerbeflächen und 2.600 zukunftsfähige Arbeitsplätze in Kiel entstehen. „Zehn Jahren liegt der Grüne Vorschlag auf dem Tisch, das Gelände für Wohnen und Gewerbe zu nutzen", erinnert Lydia Rudow.

Kiel bedauert den Verlust

Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) bedauert den Verlust. Die Stadt und deren Wirtschaftsförderungsgesellschaft KiWi hätten sich „im intensiven Austausch mit dem Inhaber bemüht, einen passenden Standort innerhalb Kiels zu finden“. Dies sei „leider nicht möglich gewesen“. Als tröstlich bezeichnete es der OB, dass Löwe-Scheren weiter in der Kiel-Region hergestellt werden. Der Fall zeige „dass wir mit unseren Anstrengungen, die Erschließung neuer Gewerbeflächen voranzutreiben, nicht nachlassen dürfen.“ Einen Schritt weiter ist die Stadt bei der Weiterentwicklung des Gewerbeparks Friedrichsort: Nach Informationen der Kieler Nachrichten hat der Finanzausschuss den Plänen, über die KiWi das ehemalige Vossloh-Areal von der Harder-Gruppe (Hockenheim) für 14 Millionen Euro zu kaufen, einstimmig abgesegnet.

Das Wirtschaftsministerium bezeichnet die Situation zwar als „vergleichsweise entspannt“. Allerdings gebe es „deutliche Engpässe“ im Hamburger Rand, in Kiel und in Lübeck. Der Stadt Neumünster, die in den vergangenen Jahren hochkarätige Firmen an Land gezogen hatte, gehen langsam allerdings auch die Flächen aus. Der Kreis Segeberg sieht sich mit Gewerbeflächen „aktuell noch gut versorgt“.

Von Ulrich Metschies und Martina Drexler

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Der Wegzug des Traditionsunternehmens Löwe Scheren ist für die Landeshauptstadt eine bittere Pille. Der Weltmarktführer und „Hidden Champion“ wollte an der Förde wachsen, doch dafür gibt es nicht die passenden Flächen.

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