27 ° / 11 ° heiter

Navigation:
Fleischlose Ideen aus der alten Wurstfabrik

Start-up in Stuvenborn Fleischlose Ideen aus der alten Wurstfabrik

Über neun Millionen Vegetarier und Veganer in Deutschland ernähren sich bewusst fleischlos. Diesen Megatrend greift die Firma Grüngold seit einiger Zeit auf. In einer ehemaligen Wurstfabrik produziert das Unternehmen in Stuvenborn (Kreis Segeberg) vegane Spezialitäten aus Getreide – und zwar mit Erfolg.

Voriger Artikel
Erdbeeren früher reif im Folientunnel
Nächster Artikel
Nahverkehrsbetriebe im Norden legen deutlich zu

Grüngold-Gründer Helmut Lange (re.) und Produktionsleiter Pedro Valhinhos bei der Qualitätskontrolle in der Segeberger Produktionshalle für vegane Spezialitäten.

Quelle: Joachim Welding

Stuvenborn. In seiner Studienzeit als BWL-Student an der Kieler Uni hat Helmut Lange einen weiten Bogen um vegane Mittagsgerichte gemacht. „Das schmeckte meist alles ziemlich fade“, erinnert sich der Marketingspezialist. Auf den Geschmack kam der 50-Jährige erst viel später.

Weder als Marketingmanager bei Tchibo für den Non-Food-Bereich noch als freiberuflicher Unternehmensberater hatte er kaum etwas mit Lebensmitteln zu tun. „Erst durch Gespräche mit Freunden und durch gemeinsame Koch-Events habe ich Geschmack an leckeren, fleischlosen Menüs gefunden“, erzählt Lange, der sich selbst zu den „Flexitariern“ zählt, die nur noch selten Wurst oder Fleisch essen.

Irgendwann kam der geschäftliche Geistesblitz und die Idee, mit seiner Firma Grüngold ein Start-up für vegane Spezialitäten zu gründen. Immerhin über neun Millionen Vegetarier und Veganer ernähren sich bewusst fleischlos. Diesen Megatrend greift der Hersteller nun seit einiger Zeit auf. In einer ehemaligen Wurstfabrik produziert das Unternehmen in Stuvenborn (Kreis Segeberg) vegane Spezialitäten aus Getreide – und zwar mit Erfolg. Der Kundenstamm wächst. Und Gründer Helmut Lange hat bereits neue Ideen: Künftig will er die Kunden beteiligen. So sollen sie über neue Produkte mitentscheiden können.

 „Fleischlos genießen – das ist viel mehr als ein kurzfristiger Trend. Wir versuchen mit Grüngold, daran mitzuwirken, dass die Zahl der Veganer und Vegetarier in Deutschland von neun Millionen auf 15 Millionen steigt.“ So selbstbewusst der Marketing-Profi die Ziele seines gut ein Jahr alten Unternehmens formuliert, so appetitlich klingen die Namen der rund 50 Spezialitäten: Toskana Bällchen, Seitan Smoked Aufschnitt, Currywurst oder Geschnetzeltes. Auch wenn die Wurstform bei vielen Produkten aus technischen Gründen unvermeidlich ist, werde garantiert kein Fleisch verarbeitet, beteuert der Gründer. „Wir verzichten auch auf Soja oder Tofu und verwenden stattdessen Getreide meist aus regionalem Anbau, etwa Vollkorn aus Weizen, Hafer und Amaranth in der Vollwert-Linie Complete.“

 „Wir probieren in der Betriebsküche ständig neue Rezepte aus und überprüfen, ob sie sich industriell herstellen lassen“, sagt Lange. Der Vegetarierbund hat bereits einige der Produkte zertifiziert. Und neben einer konventionellen Linie gibt es Grüngold-Produkten auch in zertifizierter Bioqualität.

 Rewe-Geschäfte und viele Edeka-Läden im Norden führen bereits die neue Veggie-Marke. Auch in Bioläden, Reformhäusern und in Großküchen will sich die Firma etablieren. Frei Haus kommen Waren, die im hauseigenen Internetshop bestellt werden. „Wir bekommen viel Feedback von Kunden, die uns auf neue Produktideen bringen“, berichtet Lange. Auf Facebook sei der Grüngold-Film über 260000 Mal angeklickt worden.

 Diese „Schwarmintelligenz“ will Lange künftig nutzen und Grüngold zu einem „Veggie-Lifestyle-Community-Unternehmen“ machen. „Die Kunden sollen sich finanziell beteiligen und sich direkt in die Entwicklung neuer Produkte einbringen können.“ Wer 50 Euro einzahle, sei mit einer Gewinnbeteiligung und einer einprozentigen Fest-Verzinsung dabei und bekomme bei jedem Online-Einkauf zukünftig 20 Prozent Rabatt. Rund 2000 aktive Förderer will Lange so gewinnen. „Sie sollen die Entwicklung unserer Marke aktiv mitbestimmen – nicht nur über das Internet, sondern auch bei regelmäßigen Treffen. Dabei darf dann nach Herzenslust gekocht, experimentiert und philosophiert werden.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Veranstaltung in...

Aktuelle
Veranstaltungen
und Tagestipps!

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Anzeige
Mehr aus Nachrichten: Wirtschaft 2/3