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Staubsaugerbeutel Die Suche nach dem Richtigen

Typen-Wirrwarr: Staubsaugerbeutel sind eine Wissenschaft für sich – dabei könnte alles so einfach sein.

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Michael Justus hat einen Universalstaubsaugerbeutel erfunden. Verkauft bekommt er ihn in Deutschland allerdings noch nicht.

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Hannover. Staubsaugerbeutel sind für viele ein Mysterium, verbunden mit vielen Fragen und wenigen Antworten. Warum zum Beispiel stellt man immer an einem Sonntagnachmittag fest, dass der Staubsauger nur noch müde vor sich hin pfeift, weil der alte Beutel überquillt vor Flusen, Krümeln und Haaren? Warum gibt es so viele verschiedene Staubbeutel? Und warum haben die so komische Namen? Wer die richtige Chiffre vergisst oder sie nicht notiert hat, hat ein Problem. So stehen vor den Staubsaugerbeutelregalen nicht selten verwirrt wirkende Menschen und murmeln Abkürzungen wie M50, M58 und PH03 vor sich hin. Und Drogerien und Supermärkte führen längst nicht alle Beutelvarianten. Wie auch? Das Webportal „Staubbeutel.de“ hatte schon vor zwei Jahren mehr als 1200 verschiedene Typen gelistet.

 Abhilfe schaffen will Michael Justus aus Hamburg. Der 54-Jährige hat einen Universalstaubsaugerbeutel erfunden, angeblich einfach in der Bedienung, für 2,29 Euro das Stück. Momentan ist er nur im Internet (smart-universal.com) erhältlich. Justus sagt, es sei schwierig, in den stationären Handel zu kommen: „Als wir mit den Beuteln auf den Markt gingen, belieferten wir eine größere Drogeriekette, die regelmäßig nachbestellte. Der Verkauf war also anscheinend in Ordnung. Doch plötzlich wollten die keine Staubsaugerbeutel mehr von uns haben.“ Daraufhin begab er sich in die Drogerien, um dem Problem auf den Grund zu gehen – und sah keine seiner Beutel im Regal: „Die waren offensichtlich abgehängt und hinter anderer Ware versteckt worden.“

 Michael Justus hat einen Verdacht: Der Platzhirsch auf dem Staubbeutelmarkt habe einen Konkurrenten gewittert. Der Marktanteil von Melitta mit der Marke Swirl wird auf 70 Prozent geschätzt. „Es läuft viel über Werbekostenzuschüsse. Große Lieferanten kaufen sich dadurch quasi Regalplatz – und können unliebsame Wettbewerber vom Markt fernhalten“, sagt Justus. Melitta hält dagegen. Dem Handel stehe es frei, welche Produkte er listet. „Wir nehmen keinerlei Einfluss auf die Sortimente.“ Im Grunde hat Michael Justus keine Wahl, er muss ins Ladenregal: Nur online würde der Verkauf sich seinen Angaben zufolge nicht rechnen. Vier Jahre hat es gedauert, bis sein „Baby“ fertig war, 600000 Euro hat Justus zusammen mit privaten Investoren aus Deutschland in den Universalbeutel gesteckt, den Löwenanteil in Patente. „Wenn mir jemand gesagt hätte, es dauere länger als ein Jahr, bis ich im Markt bin, hätte ich es gelassen. Es war frustrierend“, sagt Justus.

 „Herkömmliche Staubbeutel sind nicht deshalb so teuer, weil die Herstellungskosten so hoch sind. Das Geschäft läuft ähnlich wie bei Druckern – das Gerät ist günstig, der Nachschub teuer. So rentiert sich das Ganze“, so Justus. 220 Millionen Euro Jahresumsatz machen die Hersteller mit Staubbeuteln, schätzt man in der Branche. Nach Meinung von Michael Justus hat die Verwirrung um die Beutelbezeichnungen System: „Die Vielzahl und die Unübersichtlichkeit halten kleinere Wettbewerber davon ab, in den Markt einzusteigen.“ Fragt man bei Melitta, warum es denn so viele verschiedene Beutelmodelle gibt, heißt es: „Derzeit sind in den deutschen Haushalten mehrere Tausend unterschiedliche Staubsaugermodelle vorhanden.“

 In der Vergangenheit gab es mehrere Versuche, Staubsaugerbeutel zu normieren – allerdings nicht von den Herstellern, sondern von Verbraucherschutzorganisationen. Doch die deutschen Hersteller wehren sich erfolgreich dagegen. So hatte der Verbraucherrat des deutschen Instituts für Normung (DIN) vor fast 20 Jahren einen Antrag darauf gestellt, Form und Bezeichnung von Staubsaugerbeuteln zu vereinheitlichen. „Die Beteiligten damals konnten sich nicht einigen. Doch unsere Normen benötigen einen Konsens“, sagt Hans-Peter Ahle vom DIN.

 Michael Justus glaubt, dass es auch für den Handel sinnvoll wäre, sich auf den Universalbeutel einzulassen: „Je verwirrter die Kunden sind, desto eher weichen sie vielleicht auf den Onlinehandel aus.“ Wobei er natürlich auch nur durch die unübersichtliche Vielfalt der Angebote der Konkurrenz die Chance hat, mit seinem Universalbeutel Geld zu verdienen. Anfang Juli soll der Verkauf in einer großen Drogeriekette starten.

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Ein Artikel von
KN-online (Kieler Nachrichten)