17 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
Stellenabbau trifft nicht Kiel

ThyssenKrupp Stellenabbau trifft nicht Kiel

ThyssenKrupp Marine Systems wird den niedersächsischen Standort Emden schließen. Die Nachricht kam einen Tag nach der Konzern-Ankündigung, 1000 Arbeitsplätze in den nächsten drei Jahren in Deutschland abzubauen. Die Kieler Werft ist aber davon nicht betroffen.

Voriger Artikel
Eine Wohnung für zehn Millionen Euro
Nächster Artikel
Kiel will Modellstadt werden

Die Kieler Werft hat nach Konzernangaben rund 2800 Mitarbeiter.

Quelle: Frank Behling

Kiel. Die Kieler Werft von ThyssenKrupp Marine Systems ist von dem angekündigten Stellenabbau des Konzerns nicht betroffen. Das sagte ein ThyssenKrupp-Sprecher der Sparte Industrial Solutions am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Zuvor hatte der Konzern angekündigt, seinen Standort in Emden (Niedersachsen) mit 220 Mitarbeitern zu schließen.

Alle Beschäftigten in Emden bekämen aber Arbeitsplatzangebote an anderen Standorten, sagte ein ThyssenKrupp-Sprecher am Freitag. In Frage kommen wohl Bremen, Hamburg und die Kieler TKMS-Werft, die als U-Boot-Schmiede internationales Ansehen genießt.

Die Unternehmensleitung informierte am Freitag die Belegschaft in Emden auf einer Betriebsversammlung. Gewerkschafter und Betriebsräte kritisierten, fast alle Fragen seien offen geblieben. Nicht einmal ein grober Zeitrahmen sei genannt worden. Die Schließungspläne seien wirtschaftlich nicht sinnvoll und nicht nachvollziehbar.

1000 Stellen sollen gestrichen werden

Am Vortag hatte ThyssenKrupp angekündigt, in Deutschland in der Sparte Industrial Solutions zusätzlich bis zu 1000 Stellen in Deutschland zu streichen. Insgesamt sei weltweit der Abbau von bis zu 1500 Stellen in den kommenden drei Jahren geplant. "Kurzfristiger Fokus der Maßnahmen sind vor allem der Großanlagen- sowie der Marineschiffbau, die durch geringen Auftragseingang in den vergangenen Jahren von Unterauslastung und geringer Profitabilität besonders stark betroffen sind", hieß es in einer Mitteilung.

"Man kann an einer Hand abzählen, dass dies auch Kiel treffen kann", sagte die Geschäftsführerin der IG Metall Neumünster-Kiel und designierte stellvertretende TKMS-Aufsichtsratsvorsitzende, Stephanie Schmoliner - bevor die Klarstellung des Konzerns kam.

Der TKMS-Gesamtbetriebsratsvorsitzende und Kieler Betriebsratschef Achim Hass kritisierte, die Konzernleitung habe für die Schließung in Emden keine Risikobetrachtung vorgelegt. Sollten Mitarbeiter etwa in Kiel angebotene Arbeitsplätze ablehnen, könnte es im Bereich Konstruktion zu Engpässen kommen.

Gefahr für laufende und künftige Projekte

"Ich sehe eine große Gefahr für laufende und künftige Projekte, denn schon seit einiger Zeit arbeiten Abteilungen standortübergreifend zusammen", sagte Hass. Bereits vor einigen Jahren habe TKMS vergeblich versucht, Mitarbeiter zum Wechsel von Emden nach Kiel zu bewegen. Dabei sei es im digitalen Zeitalter letztlich egal, an welchem Ort Beschäftigte arbeiteten. Insofern könne er die vom Unternehmen erhofften Effizienz- und Kostenvorteile nicht sehen.

Die Kieler Werft hat laut Konzern rund 2800 Mitarbeiter. Die Hamburger TKMS-Niederlassung - wie Emden vor allem ein Engineering-Standort - hat etwa 540 Beschäftigte. Seit diesem Jahr gehört auch Atlas Elektronik in Bremen zu ThyssenKrupp.

Die Umstrukturierung sei Folge des verschärften Wettbewerbsdrucks bei einer steigenden Nachfrage nach Marineschiffen, begründete ThyssenKrupp die Pläne.

Emden: Viele Mitarbeiter verwurzelt

"Das Kalkül ist, dass damit nur der Personalabbau vorangetrieben werden soll", sagte der Geschäftsführer der Emder IG Metall, Michael Hehemann. Viele in Ostfriesland verwurzelte Mitarbeiter wollten die Region nicht verlassen. ThyssenKrupp habe den Standort nach und nach zerschlagen und verbrannte Erde hinterlassen, sagte Hehemann.

TKMS-Geschäftsführer Rolf Wirtz äußerte Verständnis, dass für die Mitarbeiter viele Unwägbarkeiten entstünden. Das Unternehmen wolle und könne auf die qualifizierten Mitarbeiter nicht verzichten. "Die strategische Entscheidung ist jedoch nötig, um in einem harten Wettbewerb auch in Zukunft bestehen zu können", so Wirtz. TKMS Emden mit Technikern und Schiffskonstrukteuren ist der letzte Unternehmensteil von ThyssenKrupp auf der ehemaligen Traditionswerft Nordseewerke.

Von dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten: Wirtschaft 2/3