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Und wieder fuhren Busse nicht

Streik Und wieder fuhren Busse nicht

Der Tarifkonflikt im privaten Omnibusgewerbe Schleswig-Holsteins hat sich weiter verschärft. Einen Tag vor der nächsten Verhandlungsrunde hatte die Gewerkschaft Verdi am Dienstag die Busfahrer erneut zu Warnstreiks aufgerufen.

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Rolf Stache (hier mit Sohn Philipp) ist verärgert: „Ich musste extra meine Mittagspause verschieben, um meine beiden Kinder von der Gemeinschaftsschule Altenholz abzuholen“, sagt er.

Quelle: Sonja Paar

Altenholz/Kiel. Landesweit fielen Fahrten aus. Besonders stark war als größtes Busunternehmen des Landes die Bahn-Tochter Autokraft betroffen.

 „In den Kreisen Ostholstein, Plön, Schleswig-Flensburg, Nordfriesland, Dithmarschen, Steinburg, Stormarn, Bad Segeberg und Herzogtum Lauenburg finden nur die Fahrten im ÖPNV statt, die von Partnerunternehmen bedient werden. Alle Fahrten, die von Autokraft-Bussen selbst bedient werden, fallen aus“, informierte das Unternehmen seine Kunden. Auch zwei Partnerunternehmen, die im Auftrag der Autokraft im Hamburger Umland fahren, waren von den Arbeitsniederlegungen der Busfahrer betroffen. Im Kreis Rendsburg-Eckernförde und in Kiel fielen ebenfalls Fahrten aus. So fuhren beispielsweise auf der 900er-Linie (Kiel-Rönne/Krusendorf-Strande) und der 500er-Linie (Flintbek/Schulensee-Strande), die zusammen mit der Kieler KVG betrieben werden, zahlreiche Busse nicht. Erstmals wurde auch die Autokraft-Niederlassung in Rendsburg bestreikt. Schulbusse von Erfde und Hohenwestedt nach Rendsburg seien ausgefallen, sagte Claudia Zaetschky von Verdi. Auch im Kieler Umland waren Schulbusverbindungen betroffen.

 Bei betroffenen Eltern stößt der erneute Streik auf Unverständnis: „Ich musste extra meine Mittagspause verschieben, um meine beiden Kinder von der Gemeinschaftsschule Altenholz abzuholen“, sagte Rolf Stache verärgert. Morgens sei seine Frau spontan eingesprungen, nachdem sein jüngerer Sohn Philipp vergeblich auf den Schulbus gewartet habe. „Eine rechtzeitige Ankündigung des Streiks wäre schon hilfreich, dann könnte man ganz anders planen“, so der Familienvater. Auch Kerstin Kiehne aus Surendorf zeigte sich über den erneuten Busausfall verärgert: „Wir wohnen relativ ländlich. Mein Sohn Lukas ist auf den Bus angewiesen.“ Außerdem hätte sie wegen des Streiks bereits mehrfach ihre Arbeit unterbrechen müssen: „Das freut meine Chefin natürlich auch nicht.“

 „Für die Eltern ist so ein unangekündigter Streik immer schwierig“, sagte Tanja Rosenbaum, Sekretärin der Gemeinschaftsschule Altenholz, die momentan täglich die Anrufe von besorgten Eltern entgegennimmt. Gerade bei jüngeren Schülern sorge der Busausfall oft für Stress. Es wäre daher schon schön, wenn die Schule rechtzeitig über den Streik informiert wäre, ergänzte Rosenbaum. „Dann hätten die Eltern wenigstens noch die Chance, Fahrgemeinschaften zu bilden.“ Die Gewerkschaft kündigt geplante Warnstreiks nicht an, weil die Arbeitgeber „bei vorzeitiger Bekanntgabe massive Streikbrecheraktivitäten starten“.

 Ob der Druck durch die Gewerkschaft die Kompromissbereitschaft der Arbeitgeber befördert hat, scheint fraglich zu sein. Am Mittwoch ab 10 Uhr werden die Verhandlungen fortgesetzt. „Diese Warnstreiks torpedieren eine mögliche Einigung und reduzieren die Hoffnungen auf morgen“, sagte der Geschäftsführer des Omnibus Verbandes Nord (OVN) Joachim Schack am Dienstag. Auch die Kritik der Gewerkschaft, der OVN sei nach der letzten Verhandlungsrunde am 8. September nicht zu vorzeitigen weiteren Gesprächen bereit gewesen, wies Schack zurück. Der 23. September sei einvernehmlich mit Verdi gewählt worden; ebenfalls der 8. Oktober als weiterer Termin. „Wir sind irritiert, dass Verdi den Streik als Mittel zur Einigung ansieht“, so Schack. Aus den Unternehmen habe er Informationen, dass am Dienstag weniger Fahrer als bei den vorangegangenen Warnstreiks die Arbeit niedergelegt hätten. Das war auch von einem Busfahrer (Verdi-Mitglied) zu hören.

Von Jana Ohlhoff und Jörn Genoux

Weit auseinander

Die Gewerkschaft Verdi fordert eine Angleichung der Tarife des privaten Busgewerbes an die Gehälter der öffentlichen Verkehrsunternehmen. Das wären rund 250 Euro mehr im Monat, umgerechnet ein Plus von etwa zwölf Prozent. Der Arbeitgeberverband OVN hält diese Forderung für deutlich überzogen; Verdi gefährde Hunderte von Arbeitsplätzen. Der OVN hat eine Lohnerhöhung von fünf Prozent bei einer Laufzeit von 36 Monaten angeboten. Die Gewerkschaft fordert zwölf Monate Laufzeit. Die Arbeitgeber verweisen darauf, dass die Gehälter bereits am 1. Januar um 3,5 Prozent erhöht worden seien und dass der OVN-Lohn der zweithöchste des privaten Busgewerbes in Deutschland sei.

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Streikgefahr
Foto: Die Busse könnten bald wieder stehen bleiben. Die Tarifverhandlungen im privaten Omnibusgewerbe wurden vertagt.

Die Verhandlungen für die Beschäftigten im privaten Omnibusgewerbe in Schleswig-Holstein sind ergebnislos vertagt worden. Das von den Arbeitgebern vorgelegte Angebot sei völlig inakzeptabel gewesen, sagte Verdi-Pressesprecher Frank Schischefsky am Mittwochabend.

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