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Streikende schicken Protestbrief an Schäuble

Schleswig-Holstein Streikende schicken Protestbrief an Schäuble

Mit Parolen wie „Diese Dividenden-Millionen stinken“ oder „Delivery muss weg“ brachten Beschäftigte der Deutschen Post am Freitag ihren Protest zum Ausdruck. Rund 700 Postler waren auf dem Kieler Stresemannplatz zu einer Kundgebung zusammengekommen, bei der sich SPD-Fraktionschef Ralf Stegner solidarisch zeigte.

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Zum Ende der dritten Streikwoche bei der Post haben Beschäftigte den Druck auf die Arbeitgeber mit Kundgebungen im Norden noch einmal erhöht.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Der Politiker nannte die Umstrukturierung der Post einen „eklatanten Fall von Tarifflucht“. Der Konzern versucht vermehrt Beschäftigte im Paketdienst in schlechter zahlende Regionalgesellschaften der DHL Delivery GmbH auszugliedern. Dort gilt nicht der Haustarif, sondern es wird nach den Tarifregelungen der Speditions- und Logistikbranche gezahlt. „Das ist Zwang, das ist Nötigung, das ist kein Umgang in einer sozialen Marktwirtschaft“, sagte Stegner. Das Unternehmen argumentiert, das Outsourcing in die Tochterfirmen sei nötig, weil man im harten Wettbewerb stehe und die Konkurrenz eben deutlich niedrigere Stundenlöhne zahle.

Uwe Polkaehn, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes Nord, sprach vom Poststreik als Signal für andere Branchen, in denen ebenfalls Outsourcing stattfinde: „Die Post ist keine Frittenbude, sondern Branchenführer. Was hier passiert, ist auch Vorbild für andere.“ Ein Fünftel des Unternehmens sei noch öffentliches Eigentum. „Zu den Firmeneignern gehören also auch Frau Merkel und Herr Schäuble“, so Polkaehn.

In einem Expressbrief an Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) fordern die Streikenden ihn deshalb dazu auf, die Zerschlagungspolitik der Post nicht mitzutragen. Für 19,90 Euro versendeten die Kieler am Freitag eine Karte mit der Aufschrift „Wegtauchen ist nicht, Herr Schäuble“. Auch aus Rostock, Hamburg und Lübeck wurden solche Karten verschickt.

Bereits seit drei Wochen befinden sich die Postzusteller im Arbeitskampf. Laut Verdi streiken derzeit bundesweit rund 32000 Mitarbeiter, davon 1700 in Schleswig-Holstein. Von Seiten der Post heißt es, etwa 80 Prozent aller Briefe und Pakete würden pünktlich zugestellt. Unternehmen im Norden beklagen sich derweil über die Auswirkungen des Ausstandes. Liquiditätsengpässe, überschrittene Fristen und Störung der Betriebsabläufe träfen inzwischen nahezu alle Branchen, so die IHK Schleswig-Holstein.

Eine Lösung im Tarifkonflikt zeichnet sich nicht ab. Beide Seiten werfen sich vor, eine Rückkehr an den Verhandlungstisch zu blockieren. Die Gewerkschaften wollen den Druck erhöhen „Wir holen immer mehr Mitarbeiter raus, bis alle draußen sind“, kündigte Matthias Piets von Verdi am Freitag an. Die Stimmung an den Streikposten sei nach wie vor gut, sagt Klaus Wiese, Betriebsrat bei der Kieler Post. Aber: „Einige sind jetzt in der dritten Streikwoche, da spielen natürlich auch mal die Gefühle Purzelbaum. Es stehen ja Familien dahinter, die ernährt werden müssen.“ Es sei vor allem die Ignoranz der Post-Manager, die die Streikenden wütend mache. „Man hat den Eindruck, der Vorstand ist im Urlaub in der Karibik, sitzt bei einem Cocktail in der Sonne und belächelt uns nur.“

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