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Was steht Erzieherinnen zu?

Streit über angemessene Vergütung Was steht Erzieherinnen zu?

Verdienen Kita-Erzieherinnen zu wenig? Die Gewerkschaften sagen Ja, verweisen auf den wachsenden Stellenwert sozialer Berufe und fordern neue Eingruppierungen. Die Arbeitgeber sind skeptisch. Unklar ist, wie mögliche Gehaltssteigerungen finanziert werden sollen.

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Verdi und die Bildungsgewerkschaft GEW fordern den großen Wurf: Rund 300000 Beschäftigte in kommunalen Kitas sollen in den Gehaltstabellen höher eingruppiert werden.

Quelle: Uli Deck/dpa

Kiel. Die erfahrene Leiterin einer Kieler Kita will ihren Namen nicht in der Zeitung lesen. Aber reden, das will sie schon: „In den vergangenen Jahren sind die Aufgaben für das Kita-Personal deutlich angewachsen.“ Verwaltung, Dokumentation, Elterngespräche, Personalförderung, Fortbildung, Früh- und Sprachförderung, Inklusion und Integration: Es ist eine lange Liste an zusätzlichen Anforderungen, die da aus dem Stegreif vorgetragen wird. Und es ist ein Pfund, mit dem die Gewerkschaften derzeit in den bundesweiten Tarifverhandlungen mit der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeber (VKA) wuchern. Verdi und die Bildungsgewerkschaft GEW fordern den großen Wurf: Rund 300000 Beschäftigte in kommunalen Kitas – zu 96 Prozent noch immer Frauen – sollen in den Gehaltstabellen höher eingruppiert werden. Inklusive freier Träger könnten indirekt mehr als 1,2 Millionen Erzieher vom Abschluss profitieren.

Die neue Eingruppierung hätte Gehaltssteigerungen zur Folge. So würden „normale“ Erzieherinnen von der derzeit üblichen Gehaltsgruppe S6 mit einem Anfangsverdienst von 2366 Euro in die Gruppe S10 mit einem Anfangsverdienst von 2589 Euro wechseln. Das entspräche einem Gehaltssprung von knapp zehn Prozent, wie es die Gewerkschaften gerne vorrechnen. Rechnet man jedoch die Erfahrungsstufen mit ein – wie es die Arbeitgeberseite zumeist tut – ergibt sich beim Wechsel von S6 zu S10 in der höchsten Entgeltgruppe 6 ein Gehaltssprung von 3289 Euro auf 3973 Euro. Dies sind dann die von der VKA kolportierten 20 Prozent. Der Haken: Die Stufe 6 wird nur selten erreicht, weil Erzieher tendenziell häufig die Einrichtung wechseln und dabei das „alte“ Gehalt nur teilweise angerechnet wird. Zudem wurden in den vergangenen Jahren im Land im Zuge des Kita-Ausbaus zahlreiche junge Fachkräfte angestellt. Nicht wenige von ihnen verfügen dabei über keine klassische Erzieher-Ausbildung. Die Eingruppierung fällt dann noch einmal geringer aus.

Erschwerend im Tarifstreit kommt hinzu: Einige Erzieherinnen mit besonderen Aufgaben sind bereits jetzt in der Gruppe S8 untergebracht (Einstiegsgehalt 2478 Euro), Kita-Leiterinnen mitunter in S13 oder S14. Von einem „Flickenteppich“ spricht man bei Verdi, den man teilweise begradigen möchte. So sollen beispielsweise Sozialassistenten, die als Erzieher arbeiten, entsprechend höher eingestuft werden.

Wilfried Kley, Chef des Kommunalen Arbeitgeberverbandes (KAV), sieht die Gesamtstoßrichtung der Gewerkschaften skeptisch: „Viele Erzieher verdienen schon heute deutlich mehr als die Eltern der Kinder, die sie betreuen.“ Kley nennt das Beispiel eines Technikers. Innerhalb der Berufsgruppen mit dreijähriger Ausbildung im öffentlichen Dienst würden Erzieherinnen „nahezu am meisten verdienen“. Die GEW hält dagegen: Das Anfangsgehalt einer Erzieherin habe sich zwischen 2004 und 2013 um 14 Prozent erhöht, das Endgehalt um 15,1 Prozent. Das Durchschnittsgehalt aller Arbeitnehmer in diesem Zeitraum sei dagegen um 21,2 Prozent angestiegen.

Kommt die neue Eingruppierung, dürfte es für die Kommunen teuer werden. Regionale Schätzungen gibt es nicht, die GEW rechnet für den Bund allein mit einer halben Milliarde Euro jährlich für den Sprung von S6 auf S10. Kley: „Die Träger werden sich das Geld über Gebührenerhöhungen bei den Eltern zurückholen.“

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Ein Artikel von
Patrick Tiede
Redaktion Lokales Kiel/SH - Landeshaus-Korrespondent

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