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Vom Feld ins Glas

Strohhalm aus Roggen Vom Feld ins Glas

Schätzungen zufolge werden in Deutschland pro Jahr rund 40 Milliarden Strohhalme verbraucht. Ein Wegwerfprodukt, das die Umwelt belastet. Das will Marie-Luise Dobler ändern. Sie stellt in Stockelsdorf bei Lübeck Trinkhalme aus Roggenstroh her.

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Deutlich teurer als die Plastikhalme, dafür aber umweltfreundlich: Strohhalme, die auch wirklich aus Stroh sind.

Quelle: hfr

Stockelsdorf. „Wir produzieren keinen Müll und arbeiten mit Ökobauern aus der Region zusammen. Nachhaltiger geht es kaum“, sagt die Strohmi-Geschäftsführerin. Die Idee, den guten alten Stängel vom Feld wieder ins Glas zu bringen, kam ihr beim Fernsehen. „Ich schaute einen alten Schwarz-Weiß-Film an. Da saßen zwei Haudegen an der Bar und der eine sagte: ,Gib mir mal ’nen Strohhalm.’ Und ich fragte mich: Warum eigentlich Stroh? Die sind doch aus Plastik.“ Kurz darauf, im Jahr 1998, gründete sie die Strohmi GmbH. „Ich hatte mir das damals viel leichter vorgestellt“, sagt Dobler heute. Die Suche nach dem richtigen Partner für den Anbau und der optimalen Schneidemethode dauerte. Inzwischen produziert Strohmi nach eigenen Angaben zwischen fünf und zehn Millionen Halme im Jahr – je nach Ernte.

 Für die Strohhalme wird biologisch angebauter Roggen verwendet. „Roggen ist sehr stabil im Vergleich zu anderen Getreidearten, er ist sehr widerstandsfähig und wächst besonders hoch. Bis zu 1,80 Meter können die Halme werden, daraus bekommen wir mindestens zwei lange Trinkhalme“, sagt Marie-Luise Dobler. Viele anderen Getreidearten wachsen nicht lang genug, weil die Landwirte die Saat mit halmverkürzenden Mitteln spritzen.

Jede Menge Handarbeit

 Angebaut wird der Roggen auf einem Demeterhof in Krummesse. Zuerst erntet der Biobauer die Ähren mit dem Mähdrescher, dann geht er mit dem Mähbinder durch und bündelt die Halme. Fünf Tonnen Halme brachte die Ernte in diesem Jahr. Die Weiterverarbeitung, den Schnitt und die Verpackung übernehmen Werkstätten der Vorwerker Diakonie in Lübeck und der JVA Lübeck. In dem Produkt steckt jede Menge Handarbeit.

 Stolze 4,85 Euro kostet deswegen eine 50er-Packung der Öko-Halme mit 22 Zentimetern Länge. Das Pendant aus Plastik ist deutlich billiger. Die Kunden seien vor allem hochpreisige Hotels und Restaurants, so Dobler. Ein Abnehmer ist zum Beispiel das Reethi Beach Resort auf den Malediven. „Dort werden alle Gäste mit einem Getränk begrüßt – darin ein Strohhalm. Wenn da mal einer runter oder ins Meer fällt, verschmutzt das nicht die Natur. Ein Halm aus Plastik schwimmt 100 Jahre im Ozean, unserer ist biologisch abbaubar.“

Nachhaltigkeit liegt im Trend

 Etwa 75 Prozent der bis zu zehn Millionen Tonnen Müll, die jährlich in die Meere gespült werden, bestehen aus Kunststoff. Ein paar Strohhalme mögen einem da wenig vorkommen. „Aber die Veränderung fängt im Kleinen an“, glaubt Marie-Luise Dobler. „Wir müssen umdenken.“

Der Trinkhalm aus Stroh sei sicher noch ein Nischenprodukt. Der Trend gehe allerdings immer stärker zu mehr Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein im Alltag. „Wir waren Ende der 90er unserer Zeit voraus. Wir spüren heute, dass unser Produkt immer stärker gefragt ist.“ Besonders aus Österreich, der Schweiz, Luxemburg und Frankreich steige die Nachfrage. In den USA versucht ein Ex-Marine aus Maine gerade die „Straws“ aus Stroh wieder zu vermarkten – mit exportierten Halmen aus Stockelsdorf.

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