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Mieter im Norden können sich größere Wohnungen leisten

Interaktive Karte Mieter im Norden können sich größere Wohnungen leisten

Die Mieten in Deutschland steigen – doch die Einkommen steigen stärker. Damit können sich auch die meisten Mieter in Schleswig-Holstein mehr Wohnraum leisten als noch vor sechs Jahren. Ausnahmen sind Kiel und der Kreis Segeberg. Dies ist das Ergebnis einer Untersuchung.

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Wenn in Kiel ein Mieter 25 Prozent seines verfügbaren Einkommens einsetzt, kann er derzeit 71 Quadratmeter beziehen.

Quelle: Carto DB

Kiel. Die  Analyse brachte jetzt das arbeitgebernahe Instituts der deutschen Wirtschaft (IW/Köln) heraus.

Seit 2010, so die IW-Ökonomen, seien die Mieten bundesweit um 10,2 Prozent gestiegen. Im gleichen Zeitraum haben sich die durchschnittlichen Einkommen um 11,5 Prozent erhöht. Im Schnitt könne ein privater Haushalt für ein Viertel seines verfügbaren Einkommens heute 94 Quadratmeter mieten – zwei Quadratmeter mehr als noch 2010. Allerdings haben die regionalen Unterschiede zuletzt zugenommen.

Untersucht wurden vom IW die Warmmieten inklusive Nebenkosten (ohne Strom), sowie die Einkommen in sämtlichen Kreisen und kreisfreien Städte mit mehr als 100000 Einwohnern. Resultat für Schleswig-Holstein: Bis auf Kiel und den Kreis Segeberg ist die Mietbelastung gesunken oder zumindest gleichgeblieben. In der Landeshauptstadt erhält ein durchschnittlicher Haushalt für ein Viertel seines Einkommens aktuell eine Wohnung mit 71 Quadratmetern – zwei Prozent weniger als 2010. Für den Kreis Segeberg schrumpfte der Wert um drei Prozent auf 97 Quadratmeter. Zum Vergleich: Wer in Hamburg eine Wohnung mietet, bekommt im Schnitt mit 68 Quadratmetern sogar vier Prozent mehr als 2010. Am meisten Wohnraum in Schleswig-Holstein gibt es im Kreis Rendsburg-Eckernförde: 108 Quadratmeter und damit vier Prozent mehr als 2010. Bundesweit am günstigsten ist es im bayerischen Landkreis Dingolfing-Landau oder in Lüchow-Dannenberg (Niedersachsen), wo ein Viertel des Einkommens für 120 Quadratmeter reicht. Schlusslichter sind die Universitätsstädte Trier, Freiburg, Heidelberg und Würzburg, wo ein Viertel des Durchschnittseinkommens gerade mal die Hälfte ermöglicht.

„Die kräftigen Mietsteigerungen konzentrieren sich auf wenige Orte“, sagt IW-Immobilienexperte Ralph Henger. Die Politik sollte daher nicht mit flächendeckenden Programmen in den Markt eingreifen. Der Mieterbund Schleswig-Holstein zeigt sich zwar grundsätzlich erfreut vom Ergebnis, kritisiert jedoch die Verwendung der Bruttowarmmiete als Grundlage: „Das ergibt ein schiefes Bild, da die Energiepreise in den vergangenen zwei Jahren deutlich gesunken sind“, sagt Geschäftsführer Carsten Wendt. Der Eigentümerverband Haus & Grund Schleswig-Holstein sieht sich in seiner Position bestätigt. Vorsitzender Alexander Blažek: „Von einem allgemeinen Mangel an bezahlbarem Wohnraum kann nicht die Rede sein.“

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Ein Artikel von
Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

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Kommentar

Für Menschen in Berlin, München – oder auch in Kiel – dürfte es ein schwacher Trost sein: In weiten Teilen Deutschlands können sich Mieter größere Wohnungen leisten als noch vor einigen Jahren. Doch mit Durchschnittsberechnungen, wie sie das Kölner IW jetzt angestellt hat, ist es bekanntlich so eine Sache.

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