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U-Boot-Bauer kämpfen um Milliardenauftrag

TKMS U-Boot-Bauer kämpfen um Milliardenauftrag

In sechs Monaten will Australien einen der weltweit größten Rüstungsaufträge vergeben. Es geht um 35 Milliarden Dollar (32 Milliarden Euro). Zwölf 90 Meter lange U-Boote wollen die Australier bestellen. Die Kieler Werft ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS) hat ein Angebot abgegeben.

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Zwölf dieser U-Boote des Typs „HDW 216“ (90 Meter Länge) will ThyssenKrupp gerne für Australien bauen.

Quelle: TKMS

Kiel/Canberra. Sie soll nun aber im Rennen um den Auftrag „hinten liegen“, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters und beruft sich Industriekreise. In Kiel sieht man das Rennen jedoch noch als offen an.

 Es zeichne sich ein Zweikampf zwischen einem japanischen Konsortium um Mitsubishi Heavy Industries und Kawasaki Heavy Industries sowie dem staatlichen französischen Schiffbaukonzern DCNS ab, zitiert Reuters „verschiedene Personen in Asien und Australien mit Kenntnis der Lage“. Angeblich solle es „technische Bedenken“ gegenüber dem Entwurf aus Kiel geben. Die Australier wollen U-Boote mit 4000 Tonnen Verdrängung bestellen. TKMS biete den Ausbau eines 2000-Tonnen-U-Boots auf 4000 Tonnen an, was angeblich als technisch schwierig angesehen werde, so die Informanten. Dieser sogenannte Typ „HDW 216“ existiert erst als Entwurf. Die Konkurrenz aus Japan und Frankreich hingegen habe Boote solcher Größenordnung bereits gebaut.

 Jim Duncan, ThyssenKrupp-Direktor in Australien, sprach von Gerüchten. In Kiel will man sich offiziell nicht zum Thema äußern. Das sei das übliche Spiel, wenn eine Ausschreibung in die heiße Phase gehe, ist jedoch aus Werftkreisen zu hören. Die Kieler verweisen auf gute Kontakte zur australischen Marine und darauf, dass die Regierung in Canberra einen industriellen Partner suche. Denn ThyssenKrupp will, sollte der Konzern den Auftrag erhalten, eine eigene Fertigung mit 2000 bis 3000 Mitarbeitern in Australien aufbauen. Und die Kieler Werft hatte zudem maßgeblich dazu beigetragen, dass die vor zwölf Jahren in Schweden gebauten U-Boote der „Collins“-Klasse in Betrieb genommen werden konnten. Bei den Booten hatte es erhebliche technische Probleme gegeben. Sie konnten erst mit mehr als drei Jahren Verspätung ausgeliefert werden. Hans Christoph Aztpodien, der als Bereichsvorstand den Schiffbau bei ThyssenKrupp verantwortet, weist auf die „großen Erfahrungen der Werft mit dem Upscaling, also dem Bau von größeren Booten auf Basis unserer bewährten Systeme“ hin.

 In Kiel würde maßgeblich die Konstruktionsabteilung von dem Riesenprojekt profitieren. Der Zuschlag wäre zudem eine gute Referenz für mögliche Folgeaufträge. Kanada, Norwegen, die Niederlande und Indien sowie weitere asiatische Nationen sind als Kunden im Gespräch – und haben zum Teil auch schon Interesse signalisiert.

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Das gehört schon fast zum guten Ton: Dass Unternehmen im Kampf um Milliarden-Aufträge nicht nur ihre Leistung herausstellen, sondern auch die Schwächen der Wettbewerber. Und für einen solchen Mega-Auftrag, um den ThyssenKrupp kämpft, gilt das erst recht. Ein faires Spiel der Kräfte ist das nicht.

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