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Auch Facebook gab sich in Kiel die Ehre

Tag des Online-Marketing Auch Facebook gab sich in Kiel die Ehre

Es ist offensichtlich – schon wenn man die Menschendichte auf den 600 Quadratmetern Messefläche in der Business-Lounge der Sparkassen-Arena als Maßstab nimmt: Mit der dritten Auflage des landesweiten „Tag des Online-Marketing“ ist dieser in der Riege der etablierten Wirtschaftsveranstaltungen des Landes angekommen.

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Hat mit Online-Marketing nicht so viel zu tun, macht aber Spaß und hält fit: der Flugdrachen-Simulator „Icaros“ am Rande des TOM. Veranstaltet wird der Kongress vom Verein Digitale Wirtschaft Schleswig-Holstein (DiWiSH), der IHK Schleswig-Holstein und der Kieler Wirtschaftsförderungs- und Strukturentwicklungs GmbH (KiWi).

Quelle: Frank Peter

Kiel. Mehr als 450 Besucher, rund 20 Aussteller, ein breites Programm an Vorträgen, Workshops und Praxisberichten – ein ideales Forum für Erfahrungsaustausch und Kontaktpflege. Nur dass man das in der Digital- und Kreativwirtschaft Networking nennt.

Sogar Facebook ist nach Kiel gekommen – in Gestalt von Christopher von den Hoff, einem der gefragtesten Gesprächspartner an diesem Dienstag. Der junge Mann, der aussieht wie 19, aber acht Jahre älter ist, arbeitet als „Partner Manager“ für das Unternehmen, an dem – neben Google – kein Weg im Online-Marketing vorbeiführt. Von den Hoffs Botschaft: Auch kleine und mittelständische Firmen sollten digitale Marketing-Kanäle nutzen, denn die Art, wie wir kommunizieren und Inhalte konsumieren, wandelt sich radikal. Von den bundesweit täglich 22 Millionen Nutzern greifen mehr als 20 Millionen per Smartphone oder Tablet auf ihr Facebook-Konto zu. „Kunden haben eine hohe Erwartung an die Kommunikation von Unternehmen“, sagt der Facebook-Mann. Reine Produktwerbung? Die finde immer weniger Beachtung. Gefragt sei stattdessen die sympathische Geschichte, die eindringliche Botschaft, am besten auch in einem Video erzählt. „Storytelling“ heißt das Zauberwort, und das fällt oft bei diesem TOM.

 Zahlreiche Kieler Geschichten erzählen

Eine sympathische Geschichte erzählen, das will auch Max Kühl (32), Mitgründer der Kieler Craft-Beer-Brauerei Lillebräu, die 2014 ihr kaltgehopftes „Lille Lager“ auf den Markt brachte, nicht nur geschmacklich sondern auch designerisch als Gegenentwurf zur flächendeckenden Industriebier-Dominanz. Kühl und sein Partner Florian Scheske sind fasziniert von der Idee, eine Markenidentität zu schaffen, und damit als Zwerg auf einem Markt zu punkten, der von beinharter Konkurrenz geprägt ist. Inzwischen ist Lille in Kieler Kneipen und im örtlichen Handel gut vertreten. Doch gelungen ist den Kieler Mini-Brauern sogar der Sprung nach Hamburg und in Berliner Szene-Bars. Stolz zeigt Kühl ein Video, in dem ein freches Bierflaschenmännchen unter dem Motto „Lille läuft in Berlin“ das Brandenburger Tor erobert: „Das kommt an.“ Der Kieler Online-Lieferservice Lieferello, 2013 gestartet, auf Gourmet-Lebensmittel spezialisiert und Teil eines großen Kieler Handelsunternehmens, baut vor allem auf Google-Werbung, Newsletter-Marketing und die Präsenz in Preissuchmaschinen. „Ohne Online-Marketing, stünden wir nicht da, wo wir heute sind“, sagt E-Commerce-Chef Till Overhoff (29). Auch Doris Weßels (54) ist zum TOM gekommen. Die Professorin für Wirtschaftsinformatik an der FH Kiel berichtet vom Besuch einer Landesdelegation im Silicon Valley. „Das Tempo dort, der Geist und das Gespür für Geschäftsideen sind faszinierend.“ Damit Deutschland digital mithalten könne, bedürfe es dringend eines qualifizierten Informatikunterrichts in den Schulen.

Mit einem Stand bei TOM vertreten sind auch die Kieler Nachrichten, die zudem mit dem Partner Addix für kostenloses WLAN sorgen. Ingrid Wernecke, bei den Kieler Nachrichten Leiterin Digitale Medien, liegt vor allem eine Botschaft am Herzen: „Um sich in Sachen Online-Marketing beraten und bei der Realisierung unterstützen zu lassen, müssen unsere Unternehmen schon lange nicht mehr nach Hamburg schauen.“ Das findet auch Werner Kässens. Der Chef der Kieler Wirtschaftsförderung sieht die digitale Wirtschaft als Wachstumstreiber in der Region: „Umso wichtiger ist deren Verzahnung mit dem produzierenden Gewerbe.“

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Ein Artikel von
Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

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