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Zu kleine Schritte gegen die Krise

Tag des offenen Hofes Zu kleine Schritte gegen die Krise

Offen, ehrlich, echt – das war das Motto zum Tag des offenen Hofes in Schleswig-Holstein, inmitten der Agrarkrise, die Milch- und Schweinebauern um ihre Existenz fürchten lässt. Auch der Familienbetrieb Asmussen in Breiholz (Kreis Rendsburg-Eckernförde) öffnete seine Türen.

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Mehr als 1000 Besucher kamen am Sonntag nach Breiholz, um sich auf dem Hof Asmussen über die Landwirtschaft zu informieren.

Quelle: Sven Janssen

Breiholz. Weit über 1000 Besucher kamen, um sich über die Landwirtschaft zu informieren. Darunter auch Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) und Werner Schwarz, der Präsident des Bauernverbandes. „Nicht nur wir als Bauernverband, sondern leider auch die Politik haben keine echten Rezepte gegen die Krise“, gestand Schwarz vor einigen hundert Zuhörern ein. Dass Betriebe in Folge der schwierigen Phase schließen müssten, sei eine Katastrophe, sagte Schwarz, der selbst Schweinezüchter ist. „Letztlich können wir nur Kosten sparen, die Produktion in Griff bekommen und auf bessere Preise hoffen.“

"Jeden Tag 440 Euro Miese"

Sönke Asmussen, der den Milchhof in Breiholz mit seiner Frau Ulrike und mit Sohn Torben bewirtschaftet, machte eine einfache Rechnung auf: Seine 150 Milchkühe geben rund 4000 Liter Milch pro Tag. 25 Cent pro Liter bekomme er derzeit dafür, Tendenz fallend. „36 Cent pro Liter brauche ich, um kostendeckend zu arbeiten, jeden Tag machen wir also 440 Euro Miese.“

Seit einem Jahr würden die Bauern kein Geld verdienen, trotzdem aber mit Leidenschaft dabei sein, sagte Landwirtschaftsminister Habeck. „Das ist eine nicht hinnehmbare Situation, das kann man nicht einfach so laufen lassen.“ Die Menschen seien bereit, mehr für Milch zu zahlen, das zeige die Milchtankstelle des Hofes. Für einen Euro pro Liter kann man sich dort frische Milch zapfen. Ein Angebot, dass immer mehr nachgefragt werde, sagte Asmussen, der den Automaten seit September betreibt.

Ein Euro festgeschriebener Mindestverkaufspreis für einen Liter Milch, das ist der Wunsch von Asmussen, um aus der Misere herauszukommen. Habeck will hingegen die Milchmenge reduzieren, um den Preis nach oben zu treiben. „Das will aber weder die Bundesregierung noch die EU-Kommission.“ Man wolle das Problem lieber aussitzen, das sei ein echter politischer Konflikt.

"Mindestpreise machen keinen Sinn"

„Mindestpreise machen volkswirtschaftlich keinen Sinn“, hielt Schwarz dagegen. Er will auch reduzieren, und zwar den bürokratischen Aufwand und damit die Kosten für Landwirte. Das könnte eine Entlastung von ein bis drei Cent pro Liter bringen. „Das alleine wird nicht reichen, aber es hilft ein Stück.“

„Wir versuchen uns breiter aufzustellen“, berichtete Bauer Sönke Asmussen über eigene Ansätze. Öffentlichkeitsarbeit mit Hoftagen sei ein wichtiger Punkt, die Milchtankstelle ein anderer. Seit März gibt es einen Automaten auf dem Hof, an dem die Kunden rund um die Uhr Grillfleisch, Käse, Eier und vieles mehr aus der Region bekommen. „Eine mobile Käserei verarbeitet alle sechs Wochen unsere Milch zu Käse, den wir hier verkaufen“, zählte er ein weiteres Projekt auf. All das helfe zwar, reiche aber nicht aus, um den derzeitigen Milchpreisen zu trotzen.

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Foto: Lotta (10), Lönne (7) und Josse (4) toben durch die Spargelfelder. Sie freuen sich schon auf das große Hoffest am Sonntag.

Der „Tag des offenen Hofes“ bietet Einblicke in das Leben der Landwirte in Schleswig-Holstein. Der Lindenhof in Preetz beteiligt sich schon seit 1999.

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