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Ein Euro für ein bisschen Luft

Tankstellen Ein Euro für ein bisschen Luft

Luft wird jetzt so teuer wie Diesel. Jedenfalls an einigen Esso- und Shell-Tankstellen. Die Mineralölkonzerne bestätigen, dass sie für die Dienstleistung an neu installierten Druckluftautomaten einen Euro kassieren. Die ersten Automaten, die fürs Reifenauffüllen Geld verlangen, sind bereits bundesweit installiert, einige davon in Schleswig-Holstein.

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Thorsten Matzen ärgert sich über das kostenpflichtige Angebot an der Esso-Tankstelle in der Kieler Werftstraße. Mehr Luft gibt er trotzdem für einen Euro auf seine Reifen. Restbeträge können über den Staubsauger rechts „versaugt“ werden.

Quelle: Ulf Dahl

Lübeck/Kiel. Angefangen hatte alles vor drei Jahren mit einem Pilotversuch in Süddeutschland und Nordrhein-Westfalen. „Die alten Handgeräte sind gestohlen worden, obwohl wir sie angekettet haben“, begründet Esso-Sprecherin Gabriele Radke die Maßnahme. Viele Geräte seien auch mutwillig zerstört worden. Dem Konzern seien deshalb Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe entstanden. Die kostenpflichtigen Luftdruckautomaten würden von den Kunden gut angenommen. „Der Euro wird nicht für Luft verlangt. Wir brauchen ihn für die Wartung der angemieteten Geräte“, rechtfertigt Radke den Tarif. Zudem seien die Automaten viel genauer als die Handgeräte, die Messung digital statt analog. Der Automat laufe sechs Minuten lang. Durch Umstellen des Apparats könne in der verbleibenden Restzeit staubgesaugt werden.

Einer dieser Automaten steht seit einem halben Jahr an der Esso-Tankstelle in der Kieler Werfstraße. Berufskraftfahrer Torsten Matzen ärgert sich dort am Dienstag über die Gebühr. „Ich finde das zu teuer“, sagt der 54-Jährige. „Das sollte Teil des Services und kostenlos sein.“ Er fährt weiter – ohne zu tanken. Bei den Esso-Tankstellen in Nortorf, Rendsburg und Kirchbarkau stehen die neuen Geräte noch nicht, dort ist Luft weiterhin kostenlos.

Shell legt Wert auf die Feststellung, dass das Überprüfen des Reifendrucks kein Geld kostet. Erst das Auffüllen des Reifens werde berechnet, teilt Sprecher Axel Pommeränke mit. Bei Esso ist das ebenso. In Schleswig-Holstein hat Shell noch keine kostenpflichtigen Luftdruckgeräte.

An HEM-Tankstellen (Tamoil) gibt es die Luft für die Reifen gratis. „Der richtige Reifendruck ist entscheidend für die Verkehrssicherheit der Fahrzeuge. Wo kämen wir denn hin, wenn wir für ein paar Euro mit der Sicherheit unserer Kunden spielen?“, fragt Geschäftsführer Carsten Pohl. Aral spricht an seine Pächter immerhin die Empfehlung aus, das Reifenauffüllen kostenlos zu lassen.

„Wir halten nichts davon, für Luft Geld zu verlangen“, sagt ein ADAC-Sprecher. Zumal es um die Sicherheit des Straßenverkehrs gehe. Autofahrer, die für Luft nicht bezahlten wollen, sollten auf Tankstellen ausweichen, die kein Geld für den Service verlangen, rät der ADAC genauso wie die Verbraucherzentrale. Michael Herte sagt zur Rechtslage: „Tankstellen sind nicht dazu verpflichtet, eine Reifenauffüllstation anzubieten.“ Es handele sich um einen freiwilligen Service.

Von Curd Tönnemann und Anne Holbach

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