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Busfahrer bereit zum Dauerstreik

Tarifkonflikt Busfahrer bereit zum Dauerstreik

Der Tarifkonflikt im privaten Omnibusgewerbe in Schleswig-Holstein droht zu eskalieren. Nach dem Abbruch der Verhandlungen am späten Donnerstagabend stehen nun die Zeichen auf Dauerstreik. In einer Urabstimmung in der kommenden Woche sollen nun die in Verdi organisierten Mitglieder über einen unbefristeten „Erzwingungsstreik“ entscheiden.

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Verdi setzt nach dem Abbruch der Tarifverhandlungen im privaten Omnibusgewerbe auf einen „Erzwingungsstreit“. Bereits in den Herbstferien könnten die Busse in den Depots bleiben.

Quelle: dpa

Kiel. „Wir hatten von Anfang an den Eindruck, dass der Arbeitgeberverband OVN nicht wirklich über eine Lohnsteigerung verhandeln wollte“, sagte Verdi-Verhandlungsführer Gerhard Mette. Der OVN habe sein Angebot über eine Lohnsteigerung von lediglich 1,8 Prozent in der Summe nie verändert. „Da gab es wohl nur das Ziel, uns in eine Schlichtung zu zwingen“, betonte Mette. Dies sei ein Skandal, zudem gäbe es im Tarif überhaupt keine Schlichtungsvereinbarung. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und alles in Sack und Tüten, wenn das Ergebnis der Urabstimmung vorliegt.“

 Ob dann flächendeckend, in Wellen oder auch nur regional gestreikt wird, ließ Mette offen: „Die Taktik steht noch nicht fest, es kann aber bereits in den Herbstferien losgehen.“ An der Forderung von einer Lohnsteigerung von 1,50 Euro pro Stunde hält Mette fest, um den Lohnunterschied von durchschnittlich 250 Euro zum Tarifvertrag der kommunalen Arbeitgeber (TVN) zu bereinigen. „Das ist eine Frage der Gerechtigkeit“, sagte Mette. Seinen Angaben zufolge verdient ein Busfahrer, der nach OVN-Tarif bezahlt wird, im Schnitt 2286 Euro brutto im Monat.

 OVN-Geschäftsführer Joachim Schack reagierte „fassungslos“ über den Abbruch der Verhandlungen: „Das nimmt jetzt fast tragische Züge an.“ Eine Lohnerhöhung mit zwölf Prozent in einem Jahr, wie sie Verdi fordere, sei nicht zu finanzieren. „Wir haben unser Angebot bis zuletzt verbessert, die Laufzeit der Vertrages von 44 auf 30 Monate verkürzt und bieten 150 Euro mehr in drei Stufen an. Bereits dieses Angebot war auf unserer Seite umstritten, mehr geht nicht“, so Schack. Die Kreise, die die Busverkehre bestellen würden, seien nicht in der Lage, die durch hohe Lohnsteigerungen verursachten Kosten zu finanzieren.

 Die Folgen wären fatal: „Die Kreise suchen sich Alternativen wie zum Beispiel durch Bürgerbusse, der ÖPNV in Schleswig-Holstein wird weiter ausgedünnt“, sagte Schack. Drastisch steigende Personalkosten wären das Aus für manche Unternehmen und würden viele Arbeitsplätze vernichten, „aber das scheint Verdi nicht zu interessieren – oder man hat die Konsequenzen nicht verstanden“, ergänzte der OVN-Geschäftsführer.

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Ein Artikel von
Jan von Schmidt-Phiseldeck
Wirtschaftsredaktion

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Der Tarifkonflikt im privaten Omnibusgewerbe hat spätestens nach dem von Verdi forcierten Verhandlungsabbruch eine neue, unrühmliche Qualitätsstufe erreicht. Unrühmlich deshalb, weil sowohl Gewerkschafter als auch der Arbeitgeberverband OVN bereits bewiesen haben, dass sie auch anders können.

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