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Wanger: „Wir gehen mit Stolz an die Arbeit“

Tourismusagentur Tash Wanger: „Wir gehen mit Stolz an die Arbeit“

Seit gut einer Woche hat Kiel-Marketing-Geschäftsführer Uwe Wanger einen zweiten Job: Er ist Interimschef der Tourismusagentur Schleswig-Holstein (Tash). Im Interview erklärt er, wie er verloren gegangenes Vertrauen wieder zurückgewinnen will.

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Uwe Wanger, Geschäftsführer Kiel-Marketing, leitet übergangsweise die Tash.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Gegen Uwe Wangers fristlos gekündigte Vorgängerin Andrea Gastager ermittelt derzeit die Staatsanwaltschaft wegen Untreue. Sie soll eine Agentur-Kredikarte für private Ausgaben genutzt haben. Im Interview erklärt Uwe Wanger, wie er verloren gegangenes Vertrauen wieder zurückgewinnen will und warum er trotz des Ärgers in einem „Glückswachstumsgebiet“ arbeitet.

In Ihrem neuen Büro stehen lauter Poster mit der Aufschrift „Glückswachstumsgebiet“. Passt der von Ihrer Vorgängerin Andrea Gastager erst kürzlich auf den Weg gebrachte Slogan noch zur aktuellen Situation der Tash?

Er passt. Das Tash-Team geht täglich mit viel Motivation und auch etwas Stolz an die Arbeit. Es sind schließlich kreative Köpfe, die diese Kampagne zum Leben erweckt haben. Nur, wenn wir selber von unserer Marke überzeugt sind, werden wir sie optimal in die Märkte tragen können.

Was heißt das konkret?

Wir stellen zum Beispiel bei der jetzt startenden Internationalen Tourismusbörse in Berlin zwei absolute Neuheiten vor: den ersten wetterfesten Schlafstrandkorb für zwei Personen zum Übernachten direkt am Meer. Außerdem präsentieren wir das neue Urlaubsportal für Schleswig-Holstein. Mit der neuen Geo-Verortung lassen sich Tipps auf einer Karte lokalisieren. Service-Tools vereinfachen die Planung von Aktivitäten. Zum Herbst 2016 steht das Portal dann online.

Werden Sie dann überhaupt noch Tash-Chef sein?

Die Frage beschäftigt mich derzeit nicht. Zunächst wollen wir die Aufbruchsstimmung im Schleswig-Holstein-Tourismus aufrechterhalten – auch wenn ich natürlich weiterhin für Kiel Marketing zuständig bleibe.

Haben Sie keine Lust, den Job als oberster Schleswig-Holstein-Touristiker über die Interimszeit hinaus weiterzumachen?

Es ist eine ehrenvolle Aufgabe. Ein Job, den es in Deutschland nur 16-mal gibt. Natürlich reizt mich das. Aber noch einmal: Mein Bestreben ist es zunächst, die Projekte der Tash mit aller Intensität umzusetzen. Solche Ziele verfolgen wir bei Kiel Marketing ja auch, und das mache ich sehr gerne weiter.

Allerdings hat die Tash turbulente Zeiten hinter sich.

Das ist richtig. Zwei Geschäftsführer-Wechsel in den vergangenen zwei Jahren, neue Tourismusstrategie und neue Dachmarke. Außerdem stehen schwierige Verhandlungen mit den zwölf Tash-Gesellschaftern an, weil das Land deren Anteile zurückkaufen will. Künftig wird die Tourismusagentur eine hundertprozentige Tochtergesellschaft des Landes sein. Das ist nötig, um bei den Landeszuschüssen für die Tash keine Konflikte mit der EU-Gesetzgebung zu provozieren.

Schwächt dieser Anteilsverkauf nicht die Mitsprache der Regionen, die ja alle eigene Interessen bei der touristischen Vermarktung ihrer Stärken haben?

Das kommt ganz darauf an, wie die Mitsprache künftig geregelt ist. Zum Beispiel bei der Besetzung der künftigen Tash-Beiräte und ihrer Kompetenzen. Darüber müssen sich alle Partner noch verständigen. Ich glaube nicht, dass es dabei zu großen Machtverschiebungen kommt. Zudem wird ein Schwerpunkt meiner Arbeit darin bestehen, bei unseren touristischen Partnern im Land für mehr Vertrauen zu werben.

Das ging unter Ihrer Vorgängerin verloren?

Bei der Glückskampagne fühlten sich einige unserer Partner nicht wirklich mitgenommen. Für mich ist das so ähnlich wie bei einem Orchester: Man muss viele Stimmen harmonisch zusammenführen, damit das Stück gut klingt.

Und zuvor gab es an der Spitze eine Solistin, die den Klang stark dominierte?

Um etwas Neues durchzusetzen, braucht man einen starken Willen. Es ist die hohe Kunst des kooperativen Marketings, die Partner zu inspirieren, ihnen aber gleichzeitig genügend Spielraum für eigene Ideen zu geben.

Sie neigen nicht zum Solistentum?

Ich sehe mich in diesem aktuellen Übergangsprozess eher als einen Moderator. Als ich 2006 in Kiel anfing, erwartete mich eine ähnlich schwierige Herausforderung: die Fusion der Tourist-Information mit Kiel Marketing. Und die ist – glaube ich jedenfalls – ganz gut gelungen.

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Ein Artikel von
Jürgen Küppers
Lokalredaktion Kiel/SH

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Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) will die Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein (Tash) in den nächsten Monaten zur Landesgesellschaft umwandeln. Nach Angaben einer Sprecherin ermitteln Fachleute derzeit, wie hoch die Anteile der zwölf verbliebenen öffentlichen und privaten Gesellschafter zu bewerten sind.

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