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Ab heute sind wir alle Schiffsbesitzer

Teurer HSH-Deal Ab heute sind wir alle Schiffsbesitzer

Dieser 1. Juli ist ein schicksalsträchtiger Tag für die Steuerzahler in Schleswig-Holstein und Hamburg. Ab heute gehören den beiden Ländern zumindest indirekt 256 Containerschiffe, Massengutfrachter und Tanker.

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"Good Luck" ist wohl das passende Motto beim HSH-Deal.

Quelle: Ulf Dahl (Fotomontage: Charlayne Querner)

Kiel. Deren Besitzer können Kredite der HSH Nordbank im Gesamtvolumen von fünf Milliarden Euro nicht mehr ordnungsgemäß bedienen. Eigentümerin dieser Problempapiere ist nun die ländereigene HSH Portfoliomanagement AöR. Auf Basis eines Wertgutachtens der EU-Kommission zahlt diese Abwicklungsanstalt für die Papiere einen Kaufpreis von 2,4 Milliarden Euro. Obwohl der Deal zur Rettung der Bank im Kern seit Monaten bekannt ist, schlagen die Wogen im Landeshaus hoch.

Um welche Schiffe es sich im Detail handelt, will die Landesregierung dem Parlament erst mitteilen, wenn der Eigentümerwechsel vollzogen ist. Nach KN-Informationen geht es zu einem bedeutenden Teil um mittelgroße Containerschiffe mit einer Kapazität von 2000 bis 8000 Standardcontainern, von denen ein großer Teil ohne Beschäftigung ist und in Asien aufliegt.

Ermisch erfreut über das Geschäft

Um das mit der EU vereinbarte Rettungskonzept für die Bank umsetzen zu können, hatten die Länder-Parlamente Ende vergangenen Jahres Kreditermächtigungen in Milliardenhöhe beschlossen. CDU-Finanzexperte Tobias Koch warnt: „Mit der Übernahme der Schiffskredite ist die Landesregierung ein weiteres großes Risiko eingegangen.“ Sollten die Schiffe nur noch Schrottwert haben, hafte der Steuerzahler mit den vollen 2,4 Milliarden Euro: „Am Ende könnte die heutige Übernahme der Kredite für Schleswig-Holstein teurer werden, als es eine sofortige Abwicklung der Bank gewesen wäre.“ Finanzministerin Monika Heinold (Grüne) bezeichnet den Deal hingegen als Voraussetzung dafür, „dass wir die Altlasten für das Land so vermögensschonend wie möglich bewältigen“. Mit der Entlastung der Bank „tragen die Länder dazu bei, dass der Privatisierungsprozess gelingen kann“.

Der neue HSH-Vorstandschef Stefan Ermisch zeigte sich erfreut über das Geschäft: „Wir verbessern unser Risikoprofil und die Bilanzstruktur deutlich, stärken die Kapitalkennziffern und sind damit wieder einen wichtigen Schritt weiter auf dem Weg zum anstehenden Eigentümerwechsel.“ Mit dem Verkauf der Schrottpapiere kann die Bank die Hälfte ihrer notleidenden Schiffskredite von mehr als zehn Milliarden Euro abstoßen. Den Verlust durch das Geschäft infolge des Preisabschlages von rund 2,6 Milliarden Euro (der ursprünglich fünf Milliarden) kann die Bank über die zehn Milliarden Euro schwere Ländergarantie abrechnen. Das heißt: Für diese Summe muss der Steuerzahler ebenso geradestehen wie für Risiken, die aus einem weiteren Wertverlust der Schiffskredite drohen. Theoretisch ist zwar möglich, dass ein Teil der Schiffe künftig wieder Gewinne einfährt. Doch angesichts der katastrophalen Lage auf den Schiffsmärkten halten Experten dieses Szenario zumindest im Containermarkt für unwahrscheinlich.

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Ein Artikel von
Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

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HSH-Schiffskredite
Foto: KN-Fotomontage zu den aufgekauften Schiffskrediten der HSH Nordbank.

Finanzministerin Monika Heinold (Grüne) hat den Kauf fauler Schiffskredite der HSH Nordbank verteidigt. „Für die meisten Schiffe gibt es aus Sicht der Wirtschaftsprüfer eine positive Fortführungsprognose“, sagte Heinold am Mittwoch. Das übernommene Portfolio bestehe aus 590 Verträgen mit 193 Kreditnehmern.

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