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Bauboom unter Wasser

ThyssenKrupp Bauboom unter Wasser

Es läuft rund im Schiffbau – jedenfalls dort, wo Kreuzfahrt- und Kriegschiffe gebaut werden. Wegen voller Auftragsbücher will ThyssenKrupp jetzt 50 Millionen in den Ausbau seiner Kieler Werft investieren.

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Der Neubau und die Wartung von U-Booten ist Kerngeschäft der Kieler Werft TKMS. Zuletzt war im Juli das U-Boot „Arpao“ für Portugal nach einer Grundüberholung ausgeliefert worden. Für neue Aufträge soll die Werft bis 2020 ausgebaut werden.

Quelle: Frank Behling

Kiel. Andreas Burmester gehört neben Bernard Meyer aus Papenburg zu den Werftchefs, die derzeit gut lachen haben. Meyer profitiert von der ungebremsten Lust auf Kreuzfahrten und TKMS-Chef Burmester profitiert von der sich rasant verändernden Sicherheitslage in der Welt. „Die Frage der nationalen Sicherheit ist auf einmal zurück auf den Tagesordnungen der Politik“, sagte Burmester am Dienstag bei der Begrüßung der Delegationen zur Subcon 2015 in Kiel. Auf der Kongressveranstaltung treffen sich bis Freitag 350 Experten, Wissenschaftler und Militärs aus mehr als 20 Ländern.

Die unsichere Weltlage führt zu mehr U-Boot-Bestellungen. Der Kieler Konzern ThyssenKrupp Marine Systems hat derzeit 22 Aufträge im Bestand: zehn Überwasserschiffe und zwölf U-Boote. Zwölf U-Boote und sechs Korvetten werden am Standort Kiel gebaut. Das Auftragsvolumen bewegt sich auf die Marke von neun Milliarden Euro zu. In Kiel waren auch Delegationen aus Ländern, die bislang noch keine U-Boote aus Kiel fahren: Vietnam, Mexiko und die Philippinen. Zum Kreis der Interessenten für U-Boote aus Kiel gehören außerdem Polen, Norwegen und Australien.

Der Standort Kiel ist ein Hauptthema auf der Subcon. „5900 Arbeitsplätze sind allein in Kiel in der Wehrtechnik angesiedelt. Bei TKMS sind an den Standorten Kiel, Hamburg und Emden 3500 Menschen beschäftigt“, so der Werftchef. 2500 sind es allein bei TKMS in Kiel. Damit diese Arbeitsplätze auch bis über das Jahr 2030 ausgelastet sind, soll der Standort Kiel umfassend modernisiert werden. Am Rande der Konferenz wurde das Projekt „ThyssenKrupp Marine Systems Yard 2020“ präsentiert. Die Kieler Werft soll bis 2020 umgebaut werden. Größere Hallen, ein Gebäude für 200 Arbeitsplätze, neue Entwicklungssoftware, eine neue Pier und eine große Bohr- und Fräsanlage für den Bau von Rumpfsektionen oder Torpedorohren sollen angeschafft werden. Der Konzern will in den Ausbau 50 Millionen Euro investieren. „Das machen wir, um uns auf die Märkte von morgen vorzubereiten“, sagte Burmester.

Bei der Subcon standen gestern nicht nur neue U-Boote auf dem Programm. Es waren auch neue Gesichter da. Vietnam gehört seit kurzem zum Kreis der U-Boot-Nationen. Das Land hat angesichts der Aufrüstung Chinas sechs U-Boote in Russland bestellt. Kiel ist für den Vietnamesen aber dennoch interessant. Der deutsche Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Andreas Krause, begrüßte Konteradmiral Do Minh Thai, den Chef der vietnamesischen U-Boote. Krause stellte in seiner Rede klar, dass die Rolle des U-Bootes heute eine ganz andere als früher sei. „Der Einsatz gegen Drogenschmuggler und Piraten gehört zu den Aufgaben moderner U-Boote“, sagte Krause.

An die Industrie appellierte Krause, Boote zu bauen, die auch langfristig einsetzbar und bedienbar sind. „Bitte vergesst die Soldaten bei der Konstruktion nicht“, mahnte Krause. Lange Liegezeiten und komplexe Systeme hatten zuletzt auch in der Deutschen Marine für Kritik bei U-Bootfahrern gesorgt.

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Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

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