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Trennung vom U-Bootbau ist offenbar vom Tisch

ThyssenKrupp Trennung vom U-Bootbau ist offenbar vom Tisch

Der ThyssenKrupp-Konzern hat die Krise gerade erst überwunden, da wachsen die Sorgen wieder: Stahlgeschäft massiv eingebrochen, Aktie stark unter Druck. Auf der Hauptversammlung war daher eine mögliche Zerschlagung ein Thema. Eine Trennung von der Werft in Kiel jedoch scheint nicht infrage zu kommen.

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U-Boote aus Kiel sind weltweit gefragt.

Quelle: Frank Behling

Bochum/Kiel. Das war vor anderthalb Jahren noch anders. Damals wurde zwar nicht offen nach außen, aber intern darüber nachgedacht, ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS), also den Bau von U-Booten und anderen Marineschiffen wie Fregatten, auszugliedern. Doch wenn große Aktionäre wie der schwedische Investor Cevian heute den Verkauf von Sparten fordern, dann reden sie von Aufzügen oder Teilen des Industriegeschäfts (Autoteile und Großfabriken). Cevian ist mit 15 Prozent der größte Anteilseigner nach der Krupp-Stiftung (23 Prozent).

 TKMS ist mit einem Auftragsbestand von mehr als neun Milliarden Euro langfristig ausgelastet; insbesondere der Bau von U-Booten ist lukrativ. Doch es dürfte schwer sein, einen Käufer zu finden. Denn weil es um Rüstung geht, hat die Bundesregierung ein Wort mitzureden. Und die dürfte einen Verkauf an ausländische Konzerne kaum zulassen. Im Inland aber ist weit und breit kein Interessent in Sicht. Rheinmetall, Hersteller von gepanzerten Fahrzeugen, hat mehrfach und deutlich ein Interesse dementiert. Die Aufzugssparte, der Kfz-Bereich oder der Großanlagenbau ließen sich leichter zu Geld machen.

 Derzeit trübt sich die Stimmung in der Wirtschaft stark ein – und das stellt ThyssenKrupp vor neue Probleme. Vor allem die aktuelle Lage im europäischen Stahlgeschäft ist „besorgniserregend“, sagte Vorstandschef Heinrich Hiesinger den Aktionären. Der Preisdruck wird durch massenhafte Einfuhren von Billig-Stahl aus China verstärkt. Daher erwartet der Vorstand in diesem Jahr auch nur noch eine Stagnation beim Umsatz, berichtete Hiesinger. Und die Aktionäre werden wieder nervös: „Ich bitte Sie, sich deutlich mehr anzustrengen“, forderte einer. Ein anderer sprach von „unterirdischen Zahlen“, einige Redner äußerten Zweifel, ob der Konzern dem konjunkturellen Gegenwind standhalten kann. „ThyssenKrupp ist immer noch ein Koloss auf tönernen Füßen“, sagte Ingo Speich von der Fonds-Gesellschaft Union Investment.

 Vor allem die nach wie vor schwache Kapitalausstattung macht Sorgen. Denn nicht einmal zehn Prozent der gesamten Bilanz sind durch eigenes Geld abgesichert, das ist der schwächste Eigenkapitalwert aller Industrieunternehmen im Dax. „Das Zerschlagungsgespenst geht mal wieder um“, beschrieb Thomas Hechtfischer von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) die aktuelle Stimmungslage. Fondsmanager Speich fragte, ob es nicht sinnvoller wäre, sich von Sparten oder Geschäftsfeldern zu trennen. Hiesinger weist solche Gedankenspiele zurück. Er betonte erneut, dass die einzelnen Sparten stark voneinander profitierten.

 Die Aktionäre sind gespalten. Auf der einen Seite steht die Krupp-Stiftung, deren Ziel es ist, den Konzern als Ganzes zu erhalten. Auf der anderen Seite stehen beispielsweise Cevian und Union Investment, die sich von einer Zerschlagung deutliche Wertsteigerungen erhoffen. Eine Entscheidung dazu gab es am Freitag nicht, aber ein Signal kam von der Börse: Die Aktie des Konzerns verlor zwei Prozent und war damit schwächster Wert im Dax. Den Anlegern fehlt offenbar das Vertrauen.

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ThyssenKrupp hat unter der Führung des ehemaligen Siemens-Managers Heinrich Hiesinger die Wende geschafft. Die Aktionären müssen sich um den Konzern keine Existenzsorgen mehr machen. Aber so richtig durchatmen und freuen können sie sich auch nicht.

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