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Geht die Tash zurück ans Land?

Tourismus Geht die Tash zurück ans Land?

Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) will die Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein (Tash) in den nächsten Monaten zur Landesgesellschaft umwandeln. Nach Angaben einer Sprecherin ermitteln Fachleute derzeit, wie hoch die Anteile der zwölf verbliebenen öffentlichen und privaten Gesellschafter zu bewerten sind.

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Die Tourismusagentur (Tash) hatte Schleswig-Holstein kürzlich zum Glückswachstumsgebiet erklärt – St. Peter-Ording gehört dazu. Das Land war bisher einziger Geldgeber der Tash, hatte aber relativ wenig Einfluss. Das soll sich mit Erwerb aller Gesellschafteranteile ändern.

Quelle: Marcus Brandt/dpa

Kiel. Auf dieser Grundlage wolle man den Akteuren ein Angebot machen und setze auf Freiwilligkeit. „Alle bisherigen Gesellschafter haben ihren grundsätzlichen Verkaufswillen bekundet.“

Wichtigster Grund für die Umstrukturierung ist eine Änderung im EU-Vergabe- und Beihilferecht: Öffentliche Zuwendungen gegenüber einer touristischen Organisation mit privaten Akteuren könnte Brüssel als unzulässig bewerten, weil die Beihilfen unter Umständen den freien Wettbewerb verfälschen. Mit der Umwandlung stelle man Rechtssicherheit her, heißt es.

Wirtschaftsminister Reinhard Meyer räumte ein, dass eine vollständige Übernahme der Tash nie sein Wunsch gewesen sei und er ursprünglich die Industrie- und Handelskammern als öffentlich-rechtliche Körperschaften mit im Boot haben wollte. Demnach strebte er für das Land Anteile zwischen 50 und 100 Prozent an. „Tourismus ist eine gemeinsame Aufgabe“, betonte Meyer. „Wir brauchen die regionalen Player und die Akteure vor Ort.“ Er wolle eine Entwicklung vermeiden, in der die Landesgesellschaft allein das Geschäft bestimmt, während sich die anderen Akteure auf eine Zuschauerrolle beschränkt sehen.

Zahl der Übernachtungen soll steigen

Schleswig-Holstein will bis 2025 die Zahl seiner Übernachtungen auf 30 Millionen pro Jahr steigern (Stand 2013: 24,8 Millionen), den Bruttoumsatz um 30 Prozent und damit auf neun Milliarden Euro nach oben schrauben (Stand 2012: 6,9 Milliarden Euro) und unter die Länder-Top 3 mit der höchsten Gästezufriedenheit klettern (Stand 2013: Rang 7). Meyer, Vorsitzender des Deutschen Tourismusverbandes, hatte die Angelegenheit zur Chefsache erklärt. Bisher gab das Land 1,5 Millionen Euro in die institutionelle Förderung der Tash, in diesem Jahr sind es 200000 Euro mehr.

Unter den Gesellschaftern gibt es auf breiter Front Zustimmung. „Wir sitzen nach wie vor alle an einem Tisch“, sagte Stefan Scholtis, Hauptgeschäftsführer vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband. Er sei dankbar, „dass man sich an so hoher Stelle um eine wichtige Sache wie den Tourismus kümmert“. Das beurteilt Stefan Borgmann vom Ostsee-Holstein-Tourismus ganz genauso. „Wenn sich das Land wieder mehr um Tourismus kümmert, kann uns das nur recht sein.“

Durchgängig kritisch bewerten die Partner allerdings vage Pläne, wonach die Tash perspektivisch für die komplette Steuerung zuständig sein soll und quasi direkt in die Urlaubsorte hineinregiert. Die regionale Ebene von Nordsee, Ostsee, Städten, dem Herzogtum Lauenburg und dem Binnenland würde wegfallen. „Es ist ein Trugschluss, dass das funktionieren könnte“, sagte Frank Ketter vom Nordsee-Tourismus. Was sein Kollege Borgmann ähnlich sieht. „Wer in der Tash um Gäste im In- und Ausland wirbt, kann sich nicht auch noch um die Regionen kümmern.“

Die Tash ist in Schwierigkeiten geraten, nachdem die Geschäftsführerin Andrea Gastager wegen des Verdachts der Untreue freigestellt wurde. Nach Informationen der Kieler Nachrichten wird der Aufsichtsrat am nächsten Montag eine Interimslösung vorschlagen.

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Ein Artikel von
Christian Hiersemenzel
Landeshaus-Korrespondent

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