17 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
„Paulsen’s“ ist vorbildlich nachhaltig

Tourismus „Paulsen’s“ ist vorbildlich nachhaltig

Wenn André Schirmag in seiner Küche Petersilie verwendet, nutzt er nicht nur den büscheligen Kopf des Krauts, sondern auch die etwas ungeliebten, harten Stiele. Der Küchenchef des Landhotels und Restaurants Paulsen’s im nordfriesischen Bohmstedt versucht so, Lebensmittelabfall zu vermeiden – Zero-Waste-Genuss nennt sich dieses Konzept.

Voriger Artikel
Dieselpreis fällt lokal unter einen Euro
Nächster Artikel
Ministerium befürchtet Chaos im Sylt-Bahnverkehr

Nachhaltigkeit durch Teamarbeit: Hotelbesitzer Marten Paulsen (v. li.) kann sich dabei voll und ganz auf die Kreativität seiner Mitarbeiter verlassen.

Quelle: Jana Ohlhoff

Bohmstedt. Auch in anderen Bereichen des Hauses wird seit Anfang März verstärkt auf Regionalität, die Schonung natürlicher Ressourcen und einen wertschätzenden Umgang miteinander geachtet. Nachhaltigkeit ist hier das Stichwort. Hotelbesitzer Marten Paulsen hat zusammen mit dem Kieler Kooperationspartner CRC, bestehend aus dem Institut für Nachhaltigkeits- und Transformationsmanagement Civi.Con sowie Cordes und Rieger, an einem Pilotprojekt teilgenommen, auf dessen Basis nun der erste Nachhaltigkeitsbericht für Schleswig-Holstein entwickelt wurde. Als Grundlage diente der Deutsche Nachhaltigkeitskodex (DNK).

 „Im Restaurant setzen wir fast ausschließlich auf Lebensmittel, die von regionalen Lieferanten stammen und saisonal angeboten werden – wie Brot vom Bohmstedter Knusperbäcker Jöns, Honig aus der hauseigenen Imkerei und Kekse von Oma Erna“, erklärt Paulsen, der den 120 Jahre alten Familienbetrieb bereits in der sechsten Generation leitet. Auch auf der täglichen Speisekarte spiegelt sich das Nachhaltigkeitsbestreben wider: „Ich lege die einzelnen Gänge unseres Glücksmenüs – eine Art Überraschungsessen – beispielsweise erst dann fest, wenn ich einen Blick in unser Kühlhaus geworfen habe“, sagt Schirmag. So könne verhindert werden, dass Lebensmittel ungenutzt auf dem Komposthaufen landen.

 „Im Sinne von umweltschonender Mobilität verleihen wir außerdem Fahrräder und E-Bikes, die aus der nahegelegenen Bredstedter Fahrradmanufaktur stammen“, ergänzt Rezeptionistin Eike Clausen. Auch Rechnungen würden immer öfter nur noch per Mail verschickt: „Dadurch sparen wir Papier.“ Selbst bei der Energieversorgung des Hauses steht das Thema Nachhaltigkeit im Vordergrund: „Wir heizen das Hotel mit Fernwärme aus der dorfeigenen Biogasanlage“, so Paulsen, der auch Anteile am Bohmstedter Bürgerwindpark besitzt.

 Doch nicht in allen Hotelbereichen sorgt das nachhaltige Arbeiten für eine Erleichterung, weiß Susanne Hansen. „Seitdem wir vermehrt umweltverträgliche Reinigungsmittel verwenden, müssen wir deutlich mehr schrubben“, so die Hausdame. Trotzdem ist sie vom Konzept überzeugt: „Erst wollte ich mich gar nicht mit dem Thema befassen, doch inzwischen achte ich sogar privat darauf, biologisch abbaubare Putzmittel einzusetzen.“

 Eine nachhaltige Unternehmenskultur ist Marten Paulsen, der sich bereits seit dem Hotelausbau 2009 mit dem Thema beschäftigt, eine Herzensangelegenheit: „Hierzu zählt auch eine langjährige Mitarbeiterbindung, die durch eine gerechte Bezahlung und flexible Arbeitszeiten erzielt wird“, sagt der Hotelier, der mit einigen Angestellten bereits seit 24 Jahren zusammenarbeitet.

 Von Unternehmensmanagement über Küche und Service bis zu Rezeption und Housekeeping: In fünf Workshops wurden die einzelnen Aufgabenbereiche des Hotels im Hinblick auf die Handlungsfelder Nachhaltigkeit, Qualitätsentwicklung und Fachkräftesicherung aufgeteilt und von einem achtköpfigen Team bearbeitet. „Das Nachhaltigkeitsprojekt ist noch lange nicht abgeschlossen, sondern wird vielmehr als laufender Prozess verstanden“, sagt Hans Meves von Civi.Con. Der Nachhaltigkeitsbericht am Beispiel von Landhotel und Restaurant Paulsens diene lediglich als Grundlage für andere Tourismusbetriebe im Land. „Ab Januar 2016 wollen wir unser Konzept individuell angepasst auf den Markt bringen“, so Robert Cordes, Geschäftsführer von Cordes und Rieger. Zu den erwarteten Kosten für den einzelnen Unternehmer wollte er sich allerdings noch nicht äußern.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Jana Ohlhoff
Lokaldesk

Mehr aus Nachrichten: Wirtschaft 2/3